Oliver Krischer: Seine Vision ist eine Welt ohne Atommüll

Von: Burkhard Giesen
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In Düren: Im Kreis stehen die Grünen seit der letzten Kommunalwahl mit in der Verantwortung und wollen gerade in Energiefragen einen Politikwechsel. Für den kämpft der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer als Fraktionsvize auch auf Bundesebene. Foto: Burkhard Giesen

Berlin/Düren. Mehr Verantwortung. Viel mehr Themen. Personalfragen. Wo werden inhaltliche Schwerpunkte gesetzt? Wie berät man andere Abgeordnete? – So sieht die Auflistung aus, wenn man den Dürener Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer fragt, was sich für ihn seit der letzten Bundestagswahl geändert hat.

Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen, ist nach dem ernüchternden Wahlergebnis zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden seiner Partei aufgestiegen und ist seitdem in den Medien präsenter als seine Dürener Kollegen Thomas Rachel (CDU, Staatssekretär im Bildungsministerium) und Dietmar Nietan (SPD-Bundesschatzmeister).

Der „Klatsche“ beim Wahlergebnis folgte der Generationenwechsel in der Fraktion. Geplant hat Krischer die Karriere nicht. Und vom Berliner Politikbetrieb will er sich nicht gänzlich vereinnahmen lassen: „Ich lebe nicht in Berlin, ich habe da nur eine Wohnung“, stellt er fest. Dennoch gab es für ihn die Situation, sich dem Mehr an Verantwortung nicht entziehen zu können. „Wenn einen bei der Wahl des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden plötzlich alle angucken“, dann blieben nur zwei Möglichkeiten: zugreifen oder später still sein. „Wenn ich das abgelehnt hätte, kann man anschließend schlecht Kritik üben, wenn etwas falsch läuft.“

Kritik übt Krischer lieber am politischen Gegner. Und das gerne in wohl formulierten Sätzen. „Die Mediengesellschaft funktioniert so, dass man Sätze zugespitzt sagen muss“, entschuldigt er sich beinahe. So zugespitzt klingt Oliver Krischer Ende Juni in der Debatte um das Erneuerbare Energien-Gesetz im Bundestag dann so: „Sigmar Gabriel ist die Abrissbirne, die die erneuerbaren Energien in diesem Land kaputtmacht.“ Dabei mag Krischer Gabriel eigentlich: „Er kann Angriffe gut kontern und verfügt über viel Humor.“ Nur: „Wenn er gute Politik machen würde, sähe meine Kritik an ihm auch anders aus.“

Dabei könnte es auf den ersten Blick frustrierend klingen, sich mit der Oppositionsrolle begnügen zu müssen. „Mein Job ist es, Dinge klar zu benennen und Defizite deutlich zu machen. Ich finde nicht, dass das eine unwichtige Rolle ist“, sagt Krischer und schiebt kleine Erfolgserlebnisse direkt hinterher: „Wir haben jahrelang die Förderung von Kohlekraftwerken im Ausland bekämpft. Hier hat Gabriel sich bewegt.“

Ein Erfolg ist es vielleicht auch, im Berliner Politikbetrieb nicht unterzugehen. Stressfrei ist der Job nicht. „Ich bin selten vor 22 oder 23 Uhr zu Hause“, sagt Krischer. Das Zuhause ist unter der Woche die Wohngemeinschaft mit einer Bundestagskollegin. „Das Bild von der Berliner Mördergrube stimmt aber so nicht“, immerhin gäbe es auch genügend Kollegen aus verschiedenen Fraktionen, „mit denen man viele Themen vertraulich besprechen“ könne. Wichtig für ihn ist: „Wenn man sich verstellt und nicht authentisch ist – das merkt man sofort.“

Für die Erdung sorgt bei Krischer die Familie. Mit seinen beiden Söhnen unterhält er sich in der Woche regelmäßig über Skype; da gibt es insbesondere von dem 16-Jährigen auch schon mal kritische Kommentare. „Das Zitat mit der Abrissbirne fand er allerdings super“, grinst Krischer. Die Wochenenden versucht sich der Politiker freizuhalten. Für seine Familie. Aber auch für seinen Wahlkreis. Und so ganz kann er auch von der Kreispolitik nicht lassen.

Immerhin stehen die Grünen hier mit in der Verantwortung und haben sich ebenfalls einen Politikwechsel auf die Fahnen geschrieben, gerade auch bei seinem „Herzensthema“ – „einer Energiepolitik ohne CO2 und Atommüll“. Visionen? „Wenn ich keine Vision hätte, wo ich hinwollte, könnte ich diesen Job nicht machen“, sagt Krischer. Seine Vision ist eine Welt ohne Atommüll und mit einem drastisch verringerten CO2-Ausstoß. Und er fügt hinzu: „Alles, was ich tue, mache ich, um davon wegzukommen.“

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