Kreis Düren - Ohne Moral kann es keine Ethik geben

Ohne Moral kann es keine Ethik geben

Von: ch
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Dr. Jan Beckmann war Gast der
Dr. Jan Beckmann war Gast der Hospizbewegung. Foto: Hahn

Kreis Düren. Ein grundsätzliches Thema rückte die Hospizbewegung Düren-Jülich in das Zentrum ihrer jüngsten Veranstaltung. Der Philosoph Professor Dr. Jan Beckmann referierte vor zahlreichen Zuhörern, darunter Mediziner, Pflegekräfte und Ehrenamtler, über - so das Thema seines Vortrages - „ethische Fragen am Lebensende”.

Gerade zu diesem Aspekt gebe es „eine Fülle von Fragen”, bekannte der Vorsitzende der Hospizbewegung, Dr. Martin Franke, zu Beginn der Zusammenkunft im Kongresszentrum des Krankenhauses Düren. Der Referent seinerseits stellte seinem Referat eine andere Feststellung voran: „Mein Thema kenne ich natürlich - ich freue mich auf Ihren Widerspruch”, kitzelte der Geisteswissenschaftler sein Publikum.

Engagierter Dialog

Derart kantig verlief der abschließende Dialog zwischen dem Philosophen, der auf dem Gebiet der Medizinethik ein renommierter Mann ist, und seinen engagierten Zuhörern. Unmissverständlich stellte Beckmann klar, dass es bei der Betrachtung des Lebensendes sehr vielschichtig zugehen müsse: „Der Tod im medizinischen Sinne ist nicht dasselbe wie der Tod im sozialen, kulturellen und religiösen Sinne.” Denn wegen seiner Einsamkeit im Alter sei ein Mensch schon lange vor seinem Stündlein im gesellschaftlichen Sinne tot, da alle seine Kontakte nach und nach absterben.

Grundsätzlich „weiß der Mensch, dass er sterblich ist”, führte Beckmann aus. Ebenso gelte: „Es kann jederzeit vorbei sein.” Trotz dieser prinzipiellen Erkenntnis ortete der Referent im Umgang miteinander anno 2012 ein Defizit aus: „Das Sterben ist nicht so im Bewusstsein verankert wie es das seit Jahrhunderten gewesen ist.” Ebenso bedeutsam: Ohne Moral kann es für Beckmann keine tragfähige Ethik, keine Übereinstimmung von Denken und Tat geben, denn: „Ethik macht vielleicht schlau - aber sie macht nicht besser.”

Im Übrigen sei die Würde eines jeden Menschen in der letzte Phase seines Lebens etwas Unbedingtes, das ihm schlechterdings nicht abzusprechen sei: „Sie gründet nicht auf Leistungen oder Fertigkeiten.” Und weiterhin: „Der Mensch hat nicht nur das Recht auf menschenwürdiges Leben, sondern auch auf ein ebensolches Sterben.”
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