Notunterkünfte: Krisensitzungen, Gebäudesuche und viele Fragen

Von: Sarah Maria Berners und Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Unterkünfte wie diese in Schwerin gibt es im Kreis Düren noch nicht. Die Anordnung der Bezirksregierung, in jeder Kommune 70 Notunterkunftsplätze zu schaffen, stellt Städte und Gemeinden aber vor große Probleme. Foto: dpa

Kreis Düren. Wo bis Mittwoch die von der Bezirksregierung Köln von den 15 Kommunen und vom Kreis Düren geforderten 1120 Notunterkunftsplätze für noch nicht registrierte Flüchtlinge entstehen sollen, ist weiterhin unklar. Axel Buch, Sprecher der Bürgermeister im Kreis Düren, sprach gegenüber unserer Zeitung von „einer vollkommen unüberlegten“ Anweisung der Bezirksregierung.

Die 70 von der Kölner Behörde geforderten Notunterkunftsplätze könnten in der Gemeinde Hürtgenwald zwar kurzfristig in der Mehrzweckhalle in Gey zur Verfügung gestellt werden, die Beschaffung des benötigten Materials sei auf den Weg gebracht. Antworten auf eine ganze Reihe anderer Fragen aber hatte auch Buch am Montag noch nicht.

Wie sollen die Flüchtlinge betreut werden? Wer kümmert sich um die medizinische Erstversorgung, wer um die Verpflegung? Woher soll der benötigte Sicherheitsdienst kommen? Fragen, auf die auch sein Niederzierer Kollege Hermann Heuser am Montag noch keine Antworten wusste. Das Wochenende über hatte er mit seinen Mitarbeitern an einer Lösung des Unterbringungsproblems gearbeitet. „Ich muss noch einmal deutlich machen, dass es uns nicht am guten Willen fehlt“, betonte Heuser. „Für eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge aber brauchen wir einfach eine viel längere Vorlaufzeit.“

Heuser will im Notfall nun doch nicht auf die Turnhalle der Grundschule Niederzier auf dem Weihberg, sondern auf das frühere Kasino am „Sophienstift“ zurückgreifen. Allerdings müssten dort erst noch Handwerker anrücken. Deshalb forderten nicht nur Buch und Heuser eine interkommunale Lösung mit dem Kreis Düren zusammen, eine Zentralisierung der Notunterkunftsplätze an drei bis vier Stellen. Nur so könne die Betreuung, medizinische Versorgung und Registrierung gewährleistet werden.

„Wir haben überhaupt keine Kapazitäten“, machte Peter Hüvelmann von der Gemeinde Vettweiß deutlich. Auch er forderte eine kreisweite Koordination.

Immer nur zu sagen, „Wir schaffen das“, reiche nicht aus, formulierte Langerwehes Bürgermeister Heinrich Göbbels (CDU) an die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie viele andere fühlt sich auch Langerwehes Rathauschef von Bund und Land mit den Problemen alleine gelassen. „Wie Bezirksregierung und Landesregierung mit uns Kommunen umgehen, ist eine Unverschämtheit, nahm Nörvenichs scheidender Bürgermeister Hans Jürgen Schüller kein Blatt vor den Mund. „ich habe Achtung vor allen Kollegen, die jetzt sagen, dass sie der Anforderung nicht nachkommen können und werden.“

In Nörvenich stünde die seit Jahren leerstehende Hauptschule zur Verfügung. „Wir sind auf einem guten Weg, das sicherstellen zu können“, sagte Bürgermeister-Vertreter Wolfgang Schauf. Zumindest das benötigte Material sei zugesagt.

In Düren wartet man hingegen ab. Im Rathaus gehen die Verantwortlichen weiter davon aus, dass die Notunterkunftsplätze am Cornetzhof und in der ehemaligen Kaserne Gürzenich-Wald auf das Kontingent der Stadt angerechnet werden.

Hohe Anforderungen

In Nideggen hat sich am Samstag ein Krisenstab zusammengesetzt. „Angesichts der vielen Vorgaben, die wir erfüllen müssen, eignet sich einzig die Mehrzweckhalle in Nideggen zur Unterbringung. Und selbst da ist es eine schwere Aufgabe“, sagt Dieter Weber, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin. Neben den Schlafstätten müsste es zum Beispiel einen Behandlungsraum, Sanitäreinrichtungen und einen Rückzugsraum für das Personal geben. „Und wir werden auch eine Kleiderkammer einrichten müssen“, blickt Weber in die Zukunft.

In Nideggen war die Verwaltung am Montag damit befasst, Dolmetscher, Ärzte, Caterer und Bewachungsdienste zu kontaktieren. „Die Liste mit Punkten, die wir abarbeiten müssen, ist sehr lang. Aber wir haben uns auf den Weg gemacht“, sagt Weber. Wann und wie die Stadt die Aufgabe bewältigen werde, sei unklar. „Außerdem kann uns niemand sagen, wann die Menschen kommen und mit wie viel Vorlaufzeit wir davon erfahren“, kritisiert Weber.

In Kreuzau war eine wirkliche Lösung des Problems am Montag für den Sozialdezernenten Guido Steg noch nicht in Sicht. „Ich kann der Bezirksregierung jedenfalls heute noch nicht melden, dass wir die Plätze geschaffen haben“, sagte Steg. Schleierhaft ist es ihm schon, wie das Personal der Gemeinde diese Anforderung erfüllen soll.

In Merzenich hat die Verwaltung einen privaten Anbieter gefunden, der eine größere Räumlichkeit zur Verfügung stellen würde. „Jetzt stehen wir vor der Herausforderung, das Equipment zu beschaffen“, sagt Bürgermeister Peter Harzheim. Den von der Bezirksregierung geforderten Vollzug könne er noch nicht vermelden. „Aber wir werden das schon irgendwie leisten können.“

Kreisweite Zusammenarbeit?

Das von den Bürgermeistern geforderte Koordinierungsgespräch mit dem Kreis Düren findet am Dienstagvormittag statt. Zu etwaigen Lösungsansätzen wollte sich Landrat Wolfgang Spelthahn im Vorfeld nicht äußern. Eine Möglichkeit wäre, die Notunterkunft Gürzenich-Wald weiter auszubauen. Dort könnten dem Vernehmen nach noch einige Hundert Flüchtlinge untergebracht werden, allerdings können auch dort nicht alle benötigten 1120 Plätze bereitgestellt werden.

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