Nitratwerte: Die Lage ist prekär, aber nicht überall im Kreis

Von: Ines Kubat
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Seit jeher düngen Landwirte ihre Böden, um das Pflanzenwachstum zu fördern. Dabei gelangt aber häufig zu viel Nitrat in die Erde und kann bis ins Grundwasser sickern. Deshalb gibt es heutzutage strenge Regeln, die durch die neue Düngeverordnung noch einmal verschärft werden sollen. Foto: dpa

Kreis Düren. Das Grundwasser im Kreis Düren weist viel zu hohe Nitratwerte auf – zu diesem Schluss kommt der Verein VSR Gewässerschutz, der im Mai und September Bürger aufgefordert hatte, Wasserproben aus privaten Brunnen analysieren zu lassen.

Jede Dritte der 13 Proben hätte einen Nitratwert aufgewiesen, der über dem erlaubten Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegt. Im Vettweißer Ortsteil Kelz wurde mit 138 mg/L fast das Dreifache der zugelassenen Menge festgestellt.

Das sind Zahlen, über die sich Nils Cremer, Diplom Geologe vom Bergheimer Erftverband, wundert: „Solch hohe Werte sind uns nicht bekannt, aber es stimmt, dass an einigen Stellen im Kreis Düren zu hohe Nitratwerte gemessen wurden.“

Der Erftverband ist ein Unternehmen, das von Kommunen, Gewerbe, Kreisen finanziert wird. Er sammelt Daten zum Grundwasser im Bereich der Erft und erfasst auch für den Großteil des Kreises Düren Werte. Der Erftverband kooperiert unter anderem mit dem Lanuv, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, das 2014 einen Bericht herausgegeben hat, nachdem im Kreis Düren 51 von 130 Grund- und Rohwassermessstellen zu hohe Nitratwerte aufwiesen.

Unterschiedlicher Zustand

Der Erftverband allerdings kann etwas mehr ins Detail gehen, sagt Nils Cremer: Der Verband hat allein im Kreis Düren 300 Messstellen, die mindestens einmal pro Jahr untersucht werden. Sie nehmen allerdings nur Proben auf öffentlichem Gebiet – private Brunnen, wie sie der VSR Gewässerschutz untersuchte, haben sie demnach nicht auf dem Radar. Die hohen Ergebnisse des Gewässerschutz-Vereins erklärt sich Cremer zum Teil damit, dass er nur orientierende Messungen vornehme – die nicht dem normierten Prüfverfahren entsprechen. So könnten die Ergebnisse zum Teil erheblich vom tatsächlichen Wert abweichen. Als grobe Richtwerte könnten sie allerdings dienen.

Aber nicht überall im Kreis Düren sei die Nitratlage so prekär, wie es der Verein darstellt, erklärt Nils Cremer vom Erftverband. Gute Nitratwerte seien zum Beispiel in und um Waldgebiete vorhanden. Auf unter 10 mg/L kommen zum Beispiel das Gebiet der Sophienhöhe sowie die Kommunen Langerwehe, Hürtgenwald, Kreuzau, Nideggen und Heimbach. Auch in Hambach und Titz sei die Nitratkonzentration unbedenklich.

In den Kommunen Linnich und im Osten Jülichs seien bei Proben bis zu 65 mg/L festgestellt worden, in Niederzier und dem Osten Dürens waren es sogar 90 Milligramm Nitrat – fast das Doppelte der erlaubten Menge. Am schlechtesten schneidet das Grundwasser in Merzenich, Vettweiß und Nörvenich ab: Dort wurden teilweise Nitratwerte von 100 mg/L festgestellt.

Grund für Nitratanreicherungen im Grundwasser ist vor allem die Bodendüngung der Landwirtschaft. Denn noch gibt es in Deutschland einen rechtlichen Konflikt: Auf der einen Seite steht die Wasserrahmenrichtlinie, die eine Nitratgrenze von 50 mg/L festlegt. Auf der anderen Seite steht die Düngeverordnung, die theoretisch eine stärkere Nitrateinstreu zuließe. „Wir stehen in unserer Arbeit täglich in diesem Konflikt“, sagt Kreislandwirt Erich Gussen als Sprecher der Landwirte.

Beim Thema Nitrat werde immer mit dem Finger auf die Landwirte gezeigt, sagt er – und zwar häufig undifferenziert. Die Bauern seien auf das Düngen angewiesen. Ihnen sei aber bewusst, dass der Großteil an Nitrat im Grundwasser auf ihre Kappe geht. Für 80 Prozent des gesamten Nitratvorkommens verantwortlich zu seien, wie es Nils Cremer vom Erftverband sagt, das weist Gussen von sich: „Auch von anderen Nutzern, wie Golfplätzen und Gewerbegebieten, wird Nitrat in den Boden gespeist.“

Zudem hält er die Darstellung der Lage im Nitratbericht teilweise für zu dramatisch. In dem Bericht werden einige Messstellen zu sogenannten Grundwasserkörpern zusammengefasst. Wenn mehr als ein Drittel der Messstellen den Nitrat-Grenzwert überschreitet, werde dem gesamten Grundwasserkörper ein „schlechter chemischer Zustand“ ausgestellt. Das verzerre die tatsächliche Situation, findet der Kreislandwirt.

Indes stelle sich die Landwirtschaft laut Gussen ihrer Verantwortung: „Wir versuchen, die Situation zu verbessern.“ Einerseits behelfen sich immer mehr Bauern mit moderner Technik, wie einem GPS-Verfahren.

Es soll Gülle nur dort punktuell auftragen, wo Pflanzen tatsächlich auch die Düngestoffe aufnehmen und verarbeiten können. Andererseits bepflanzen die Bauern im Herbst den Boden noch einmal mit sogenannten Zwischenfrüchten, die das Nitrat, das im Boden vorhanden ist, aufnehmen können.

Für den Kauf solcher Zwischenfrüchte erhalten einige Dürener Landwirte Zuschüsse von Trinkwasserversorgern – es soll ein Anreiz sein, weniger exzessiv beziehungsweise bodenschonender zu düngen. „Dort, wo es solche Kooperationen zwischen Landwirten und Trinkwasserversorgern gibt, sind die Nitratwerte im Boden auch tatsächlich rückläufig“, sagt Kreislandwirt Gussen.

Doch nicht überall bestehen solche Vereinbarungen – häufig nur rund um die Bereiche, in denen Trinkwasser gewonnen wird, erklärt Markus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur. Das läge daran, dass die Trinkwasserversorger natürlich ein besonderes Interesse an nitratarmen Grundwasser haben, damit sie es nicht aufwendig aufbereiten müssen.

Angst vor dem Trinkwasser, das aus ihrem Hahn kommt, müssen Verbraucher im Kreis Düren aber nicht haben, versichert Jürgen Schulz von den Stadtwerken. Denn die Richtlinien für Trinkwasseraufbereitung seien streng.

Aus drei Quellen gewinnen zum Beispiel die Stadtwerke ihr Wasser – zum einen aus der nitratarmen Wehebachtalsperre, zum anderen aus Brunnen in Ellen und an der Dr.-Overhues-Allee. „Letztere sind zum Teil von Landwirtschaft umgeben, dort kann der Grenzwert teilweise überschritten werden.“ Das überwachen die Stadtwerke in ihrem Wasserlabor in Obermaubach ganz genau, erklärt Cord Meyer, Geschäftsführer der Stadtwerketochter Leitungspartner.

Zumindest im Bezug auf das Trinkwasser sei es für die Verbraucher aber letztlich fast egal, ob einzelne Quellen den Grenzwert überschreiten: An die Haushalte werde ein aufbereitetes Mischwasser aus allen drei Quellen geliefert, erklärt Cord Meyer: „Und das hat einen mittleren Nitratwert von 19,5 mg/Liter.“ Der sei absolut unbedenklich.

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