Kreis Düren - Nahversorgung als wichtiger Standortfaktor

Nahversorgung als wichtiger Standortfaktor

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
12194587.jpg
Zentrale Einkaufszentren wie die „Neue Mitte“ Niederzier sind in den vergangenen Jahren einige im Kreis Düren entstanden. Auf der anderen Seite stirbt der Dorfladen aus. Foto: Abels

Kreis Düren. In Kelz hat Ende März mit dem Gemischtwarenhandel von Agnes Weyers der letzte „Tante-Emma-Laden“ der Gemeinde Vettweiß geschlossen. Damit ist Kelz der nächste kleinere Ort, der keinen Lebensmittelmarkt mehr hat.

Ein Problem, das viele Kommunen im Kreis Düren kennen, allen voran die Gemeinde Nörvenich, in der sich das Einkaufsangebot im Zentralort zentriert. Davon profitieren noch die direkt angrenzende Orte wie Oberbolheim, Poll, Rath und Wissersheim, in allen anderen Dörfern haben die Einwohner so gut wie keine Möglichkeit mehr, fußläufig Güter des täglichen Bedarfs einkaufen zu können.

Das könnte aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen zu einem Problem werden. Denn um attraktiv zu bleiben, „sollten Städte und Gemeinden über eine hochwertige Nachversorgung verfügen“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer mit Blick auf die zweite IHK-Studie zur Daseinsvorsorge, die als Kriterium auf die fußläufige Erreichbarkeit abstellt.

Die Farbe Grün verweist auf Ortsteile, in denen Lebensmittelhändler innerhalb eines Ein-Kilomter-Radius‘ erreichbar sind, in orangenen Gebieten ist das nur noch eingeschränkt, in roten gar nicht mehr möglich.

Zwar räumt auch die IHK ein, dass die Generation der „Baby-Boomer“ ihr Auto bis ins hohe Alter nutzen wird, gleichzeitig geht sie davon aus, dass die Pkw-orientierte Mobilität in Zukunft abnehmen wird. Ab einem Alter von 60 Jahren gehe die tägliche Nutzung des Pkw zurück, Menschen ab 75 Jahre würden bereits 38 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurücklegen, insbesondere auch um ihre Einkäufe zu erledigen.

Ein Problem, dass auch Nörvenichs Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) längst erkannt hat. Neben der Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe und der Ausweisung neuer Wohngebiete ist das Thema Einzelhandelsversorgung aus seiner Sicht das wichtigste für die Zukunft der Gemeinde. Dass der Trend weg von kleinen Dorfläden noch einmal umkehrbar wäre, glaubt aber auch er nicht. „Die Gesellschaft ist mobiler und preisbewusster geworden“, betont Czech. Konsequenz für ihn. „Wir müssen den Hauptort stärken und dafür sorgen, dass die Menschen die Angebote auch nutzen können.“

Mit dem neuen Nahverkehrsplan des Kreises Düren würden viele Orte ab 2018 deutlich besser an den Hauptort angebunden, freut sich Czech, der auch über einen Ausbau von Radwegen nachdenkt, damit die Bürger einfacher in Nörvenich einkaufen können. Zudem setzt er auf positive Effekte aus dem von der EU geförderten Strukturentwicklungsprojekt „Leader“ – gestärkt werden sollen die Mobilität, insbesondere über Elektroautos, und das ehrenamtliche Engagement in den Dörfern. Ob das auch in einer Art „Bürgerbus“-Angebot münden kann, hält Czech aber eher für unwahrscheinlich. Ein erster Anlauf in Pingsheim sei auf wenig Resonanz gestoßen.

Ähnliche Erfahrungen musste zuletzt auch Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser (SPD)machen, der mit einem Bürgerbus vor allem den Bürgern in Ellen ein Angebot unterbreiten wollte, nachdem es jahrelang nicht gelungenen war, einen Lebensmitteldiscounter für die gut 2000 Einwohner zählende Ortschaft zu gewinnen. Das deckt sich mit den Erfahrungen der IHK, die in ihrer Analyse beschreibt, dass Orte mit weniger als 2000 beziehungsweise 3500 Einwohnern im Einzugsgebiet für Einzelhandelsketten unattraktiv sind.

Vier alternative Konzepte

Die IHK empfiehlt ländlichen Kommunen daher, über alternative Konzepte nachzudenken. Sie führt vier Beispiele auf, die in Deutschland bereits erprobt wurden: den Multifunktionsladen, der neben Lebensmitteln auch andere Dienstleistungen anbietet, den Bürgerladen, der sich durch das persönliche Engagement möglichst vieler Bürger auszeichnet – ein Beispiel ist der DORV-Laden in Jülich-Barmen –, den mobilen Versorger in Form eines rollenden Supermarktes oder Lieferdienstes und das Filialkonzept in Form von Franchising, angekoppelt an einen Großhandelspartner.

Insgesamt kommt die IHK in der Studie zu dem Schluss, dass im ländlich geprägten Kreis Düren interkommunal abgestimmte Konzepte zur Sicherung der Daseinsvorsorge entwickelt werden müssen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert