Nachkriegserfahrungen haben Indener Glaskünstlers geprägt

Von: Antonius Wolters
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Das Glasbild „Der geschichtliche Samariter“ schenkte Paul-Franz Bonnekamp in Dankbarkeit für die Pflege kurz nach dem Krieg dem Hospital im walisischen Bangor. Foto: Laurenz Grobusch
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Wie der Künstler sich selbst sah: Fotografische Selbstporträts von Paul-Franz Bonnekamp. Repro: Wolters

Inden. Wer sich intensiv mit Leben und Werk des Indener Glasmalers Paul-Franz Bonnekamp beschäftigt, wird über kurz oder lang mit dem von ihm kreierten „Corpus mysticum Jesu Christi-Stil“ konfrontiert werden, der aus einer biografischen Wurzel herrührt.

Es war das Jahr 1946: Auf den Schlachtfeldern Europas schwiegen endlich die Waffen. Als Mitglied der geschlagenen Wehrmacht war der am 27. Juli 1925 in Inden geborene spätere „Kulturwerker“ Bonnekamp 1944 als 18-jähriger Soldat bei der Invasion in englische Gefangenschaft geraten. Über England und Kanada kam er 1946 zurück auf die Insel, um dort für die Beseitigung von Kriegsschäden eingesetzt zu werden. Doch Bonnekamp erkrankte nach drei Wochen lebensbedrohlich an Rheumatismus, der mit hohem Fieber, Alpträumen und Wahnvorstellungen verbunden war. Die Siegermacht Großbritannien verlegte den Kriegsgefangenen daraufhin zu den eigenen Patienten in ein Hospital in Bangor/Wales, um ihm die gleiche Pflege angedeihen zu lassen wie den erkrankten Landsleuten.

Hier schwor sich Paul-Franz Bonnekamp, falls er jemals wieder gesund würde, seine künstlerischen Arbeiten nur noch der Wahrheit und dem Frieden zu weihen. Damit war gleichzeitig der „Corpus mysticum Jesu Christi-Stil“ aus der Taufe gehoben, den der Glasmaler seither in seinen Werken umzusetzen versucht, die meist engen Bezug zum „Schöpfergott“, den Heiligen und dem kirchlichen Leben aufweisen. Seinen künstlerischen Stil, die Menschheit als Corpus mysticum Jesu Christi zu sehen, wurde von der Mystikerin Hildegard von Bingen bereits im elften Jahrhundert als Endzeit der Menschen vorhergesagt. Diese findet sich in zahlreichen Glasfenstern des Künstlers, die verschiedenen Formen der Apokalypse gewidmet sind.

Fügung des Schicksals

Seine wiederholt gestarteten späteren Versuche jedoch, seinen spezifischen Stil urheberrechtlich vor Nachahmern oder Plagiaten schützen zu lassen, war dagegen kein Erfolg beschieden, womit er bis zu seinem Tod vor fünf Jahren haderte.

Bonnekamp, der später nach Soest-Möhnesee zog, hat es vermutlich als seltsame Fügung des Schicksals begriffen, als Bangor 1973 zur Partnerstadt von Soest avancierte. Nachdem er zuvor schon ein gläsernes Prozessionskreuz für Bangor Cathedral geschaffen hatte, reiste der Künstler im September 1985 nach Wales, um persönlich sein Glasfenster „Der geschichtliche Samariter“ zur Einweihung eines neuen Krankenhauses in Bangor feierlich zu überreichen und sich noch einmal für die aufopferungsvolle Pflege damals zu bedanken. Für den Künstler war es sicher eine bewegende Reise in die eigene Vergangenheit, der er durch sein Samariter-Fenster ein sichtbares Denkmal gesetzt hat. Nicht zuletzt dürfte ihm die mediale Resonanz geschmeichelt haben. So zählte etwa die walisische Lokalpresse Paul-Franz Bonnekamp zu den „bedeutendsten Glasmalern der Welt“.

Laurenz Grobusch, ebenfalls alter Indener und Freund aus Jugendtagen des Künstlers, korrespondierte und telefonierte noch lange mit dem Glasmaler. Er hat auch die Fotos der beiden in Bangor zu sehenden Werke Bonnekamps angefertigt, die er während eines mehrjährigen, beruflich bedingten Aufenthalts in Großbritannien anlässlich eines Besuchs in Wales angefertigt hat. Grobusch besitzt auch noch das von Paul-Franz Bonnekamp verfasste Gedicht „Abschied“, das der heimatverbundene Künstler bei seinem Wegzug aus der Kastanienallee im Altort Inden gewidmet hat.

In Inden hatte der junge Bonnekamp auch den Spitznamen „Kuckuck“. Der Grund: Immer, wenn Paul-Franz am Morgen seinen Kopf aus dem Fenster seines Dachzimmers steckte, rief er sein „Kuckuck“ in die Welt. Im elterlichen Haus befanden sich später auch sein erstes Atelier und eine Werkstatt, wo er teilweise seine Glasarbeiten ausführte. Kontakt zur alten Heimat hielt der bisweilen als exzentrisch beschriebene Künstler bis kurz vor seinem Tod vor fünf Jahren.

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