Nachgewiesen: Die Rur hatte eine „kleine Schwester“

Von: Guido Jansen
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Vom Fluss keine Spur: Auf den Feldern zwischen Selhausen und Oberzier gibt es augenscheinlich keine Hinweise auf einen Fluss. Trotzdem hat es ihn gegeben. Das haben Wissenschaftler aus dem Forschungszentrum nachgewiesen.
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Die heutige Rur: Sie hatte vor Jahrtausenden wohl einen Nebenarm, der zwischen Jülich und Niederzier geflossen ist. Jülicher Forscher haben nahe Selhausen ein zehn Meter breites versiegtes Flussbett entdeckt. Foto: Guido Jansen
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Jan van der Kruk, Professor am Forschungszentrum Jülich, und sein Team haben die „kleine Schwester“ der Rur gefunden.

Jülich/Niederzier. Es war einmal... ein Fluss, der irgendwann durch das Jülicher und Dürener Land geflossen ist. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Oder nur noch so wenig, dass es ein Team von Wissenschaftlern aus dem Forschungszentrum Jülich gebraucht hat, um den versiegten Fluss zu finden. Er war kein Bach, sondern tatsächlich ein ausgewachsener Fluss von etwa zehn Metern Breite.

Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich haben einen Teil des verschütteten Flussbettes der kleinen Schwester der Rur jetzt gefunden in den flachen Feldern zwischen Selhausen im Westen und Oberzier im Osten, direkt neben dem Umspannwerk.

Gesucht haben Jan van der Kruk und sein Team vom Institut für Bio- und Geowissenschaften nicht nach der namenlosen Schwester der Rur. Gefunden haben sie sie trotzdem, und zwar als sie Satellitenbilder auswerteten und feststellten, dass die Pflanzen nach einer Trockenperiode besser wachsen da, wo früher der Fluss geflossen war. Nach der Bilderauswertung wussten die Wissenschaftler immer noch nichts vom einstigen Gewässer. Sie waren sich nur sicher, dass im Boden etwas anders ist, das für besseres Wachstum sorgt. So hat die Suche begonnen, die mit dem Fluss-Fund endete.

Große Unterschiede

Wann der Fluss geflossen ist, der vermutlich ein großer Ast der Rur gewesen ist, können die Wissenschaftler nicht sagen. Auch nicht, wie lang er gewesen sein könnte. Das wird noch untersucht. „Wir gucken in den Boden und versuchen herauszufinden, warum Pflanzen besser oder weniger gut wachsen“, sagt van der Kruk.

Auf den Feldern zwischen Selhausen und Hambach waren die Unterschiede groß, teilweise von einem Meter auf den anderen. Das hat die Forscher gereizt, vor gut drei Jahren mit ihrer Arbeit im Feld zu beginnen. „Für Landwirte ist das zum Beispiel wichtig, weil sie wissen, ob sie mehr oder weniger bewässern oder düngen müssen“, erklärt der Professor den Nutzen.

600 mal 1000 Meter groß ist die Fläche, die das Team aus Geowissenschaftlern, Hydrologen und Geophysikern untersucht hat. Zuerst haben sie Fläche mit einem elektromagnetischen Induktionsgerät gescannt. „Wir können damit in den Unterboden gucken, ohne zu graben“, erklärt van der Kruk. Im Falle der Felder, die früher ein Flussbett waren, ergaben sich eindeutige Ergebnisse.

Normalerweise ist der Boden sehr sand- und kieshaltig. Das Wasser versickert dann schneller und ist für die Pflanzen schlechter zu erreichen. Da, wo die kleine Schwester der Rur geflossen ist, war sehr viel Ton im Boden, der das Wasser besser speichert. Deswegen waren die Pflanzen, die über dem verschütteten Flussbett gewachsen sind, grüner und größer.

Mit diesen Kenntnissen hat sich das Team aus dem Forschungszentrum noch nicht zufrieden gegeben. Die Wissenschaftler haben viele kleine Probebohrungen gemacht und Antennen in den Boden eingelassen. Damit haben sie elektromagnetischen Wellen im Boden aufgezeichnet. Geo-Radar heißt das in der Fachsprache.

Mit den so gewonnenen Daten haben van der Kruk und seine Mitarbeiter den Jülicher Super-Computer gefüttert. „Das ergibt dann hochauflösende Bilder, die uns zeigen, wie das Wasser im Boden fließt“, sagt van der Kruk. Ein so genaues Bild vom Unterboden, das ohne Graben zustande kommt, hat es bisher nicht gegeben.

Interessierte Landwirte

Lückenlos ist das Bild mit der Geo-Radar-Methode nicht. Denn die Wellen werden von einer Tonschicht nicht gut übertragen. Im Zusammenspiel mit den Ergebnissen des Induktionsgerätes ergibt sich im Falle der Rur-Schwester trotzdem ein eindeutiges Bild. „Wir wollen wissen, warum der Boden so funktioniert wie er funktioniert“, erklärt van der Kruk.

Und weil die Landwirte, denen die Felder auf dem Gebiet des versiegten mutmaßlichen Rur-Armes gehören, ebenfalls an den Ergebnissen interessiert sind, sei die Zusammenarbeit sehr gut gewesen, berichtet Jan van der Kruk.

Eine Sache soll auch noch geklärt werden; nämlich die Möglichkeit, dass die vermeintliche kleine Schwester auch die Rur selbst gewesen sein könnte.

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