Möglichst nah an der Bahnstrecke wohnen

Von: Burkhard Giesen
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Auch eine Fläche neben den Stadtwerken Düren, das sogenannte „Depiereux-Gelände“, auf dem früher die „Dürener Maschinenfabrik“ stand, soll erschlossen werden. Hier sollen hochwertige Wohnungen entstehen. Foto: SWD

Kreis Düren. Wenn kleine Kommunen überlegen, wo sie denn Wohnraum für Bauwillige schaffen können, haben sie es schwer. Der Landesentwicklungsplan gibt hohe Hürden vor, die Bezirksregierung achtet beispielsweise genau darauf, wie viele Grundstücke in einem Ort nicht bebaut sind, bevor sie ein neues Baugebiet genehmigt.

Bei der Fragestellung, wie nachhaltig der Flächenverbrauch ist, macht das Sinn, schränkt die Kommunen aber deutlich ein. Die neue CDU/FDP-Landesregierung will hier eingreifen. „Damit die Kommunen mehr geeignete Wohnbauflächen bereitstellen können, werden wir unnötige Hemmnisse zur Ausweisung von Bauland aus dem Landesentwicklungsplan entfernen“, heißt es an einer Stelle im Koalitionsvertrag. Und noch konkreter: „Um angespannte Wohnungsmärkte zu entlasten, werden wir zusätzliche Siedlungsflächen an ÖPNV-Achsen einrichten. Dadurch wird das Pendeln zwischen dem Wohnort und dem Arbeitsplatz attraktiver.“

Schon jetzt sind Kommunen wie Vettweiß oder Merzenich für Pendler attraktiv. Vor allem deshalb, weil Bauland in der Umgebung von Köln nur noch für die wenigsten bezahlbar ist. Es ist also kein Zufall, wenn die Gemeinde Merzenich ein „Wohnungsbaupolitisches Gesamtkonzept“ für die Kommune vorstellt.

„Veränderte Rahmenbedingungen in der Gemeinde Merzenich“, sagt Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) mit Blick auf den S-Bahn- und den neuen Autobahnanschluss, „haben in den vergangenen Jahren zu einer starken Nachfrage an Wohnraum geführt.“ Genau die soll erfasst und möglichst befriedigt werden.

Dass Kommunen, die an einer ÖPNV-Achse wie etwa der Bahnverbindung Aachen-Köln liegen, bevorzugt behandelt werden sollen, ist nicht wirklich Neuland, sagt Dürens Stadtplaner Marcus Steffens: „Es gibt Städte wie Köln, die können nicht weiter wachsen. Es gibt aber auch Städte im Umfeld, die wollen nicht weiter wachsen.“

Genau deswegen hat die Bezirksregierung schon in der Vergangenheit regelmäßig bei Kommunen zum einen den Bedarf für Siedlungsraum, aber auch das mögliche Potenzial abgefragt. Bedarf, der in Köln nicht bedient werden kann, soll dann an anderen Standorten genehmigt werden. Marcus Steffens: „Düren hat eine sehr gute Anbindung an den ÖPNV, und wir haben darüber hinaus noch Potenzial für neues Bauland. Das ist für uns bei der Bezirksregierung auch ein gewichtiges Argument.“ So sind zuletzt Baugebiete in Birkesdorf und an der Heinrich-Dauer-Straße entwickelt worden, eine Fläche neben den Stadtwerken wird jetzt erschlossen.

Wirklich einfach ist es für Stadtplaner in Düren allerdings auch nicht. Ein Blick auf die Stadtkarte zeigt, dass die räumliche Entwicklung auch durch schon vorhandene Gewerbegebiete, landwirtschaftliche Flächen, Überschwemmungsgebiete oder andere Umweltrestriktionen eingegrenzt wird. Allerdings geht Steffens davon aus, dass mit der Zielformulierung nicht ausschließlich eine lineare Entwicklung entlang der ÖPNV-Achsen gemeint sein kann: „Man kann das so verstehen, das zusätzliche Siedlungsflächen da entstehen können, wo eine Anbindung existiert. Kommunen entfernt von jeglichem ÖPNV werden es künftig schwerer haben, neue Siedlungsflächen zu entwickeln.“

Die Gemeinde Niederzier hofft auf neue Wohn- und Gewerbegebiete

Für die Gemeinde Vettweiß könnte die Bördebahn als neue ÖPNV-Achse von Bedeutung werden. So wurde jüngst im Bauausschuss noch die Frage diskutiert, ob nicht beispielsweise die Bebauung in Jakobwüllesheim an die außerhalb der Ortschaft gelegenen Haltestellen herangeführt werden muss.

Die Gemeinde Niederzier arbeitet derzeit (wie alle anderen Kommunen auch) an einem neuen Flächennutzungsplan. Bürgermeister Hermann Heuser: „Ich begrüße die Absicht der neuen Landesregierung. Wir haben in der Vergangenheit als Kommune zwischen zwei Tagebauen sehr unter den Restriktionen gelitten. Ich erwarte jetzt ganz konkret, dass wir entlang der vorhandenen ÖPNV-Achsen wie der Rurtalbahn oder der Buslinie Jülich-Düren neue Wohn- und Gewerbegebiete entwickeln können.

Auch der Kreuzauer Bürgermeister Ingo Eßer sieht einen Entwicklungsbedarf im ländlichen Raum: „Nachfolgende Generationen haben einen hohen Bedarf, heimatnah zu bauen. Das können wir nicht immer erfüllen.“ Eßer fordert deshalb auch eine Entwicklungsmöglichkeit für kleinere Ortschaften unterhalb von 2000 Einwohnern.

Die Gemeinde Langerwehe hat schon in der Vergangenheit davon profitiert, dass neuer Siedlungsraum entlang von ÖPNV-Achsen geschaffen werden soll. So sieht der Regionalplan vor, dass sich der Ortskern bis zur B264 ausdehnen und die freie Fläche zwischen Schlich und Merode bebaut werden kann. Bis zu 2000 Menschen könnten hier angesiedelt werden, schätzt Bauamtsleiterin Martina Mielke – das ist etwa ein Siebtel der bisherigen Einwohnerzahl. Mit Blick auf Schlich und Merode sieht Martina Mielke auch andere Nebeneffekte: „Ein Zusammenwachsen der beiden Ortschaften könnte ein Potenzial ergeben, bei dem es sich wieder lohnt, dass sich dort kleine Geschäfte ansiedeln.“

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