Missbrauch des Notrufs: Polizei zeigt Scherzanrufer an

Von: cro
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Notruf

Kreis Düren. Kennen Sie die kürzeste Rufnummer für ein Taxiunternehmen in ihrer Umgebung? Für manche, die sich an einem Abend genügend Mut angetrunken haben, ist es die 110 – die Notrufnummer der Polizei, die auch noch kostenfrei ist. Dann werde gerne mit dem Freund-und-Helfer-Image argumentiert, sagt die Polizei.

Diese Anrufe sind schnell beendet. Anders sieht es bei vorsätzlichem Missbrauch durch erfundene, aber glaubhaft geschilderte Notsituationen aus: Polizei und unter Umständen auch die Feuerwehr fahren raus. Umsonst. 13 solcher Anrufe hat die Polizei im Kreis Düren bis Ende November in diesem Jahr zur Anzeige gebracht.

„Wir hatten dieses Jahr zum Beispiel den Fall, dass jemand freilaufende Rinder auf der B56 gemeldet hat, was sich bewiesenermaßen als falsch herausgestellt hat“, sagt Ingrid Königs von der Polizei-Pressestelle. Brände zu melden, stehe oben auf der Liste der Missbrauchsfälle – und hierbei ist der Personalaufwand hoch, wenn eine ganze Kolonne Feuerwehrwagen auf Tour geht. „Warum manche das machen, kann ich nicht erklären. Vielleicht, weil es ihnen Spaß macht, die ganzen Wagen ankommen zu sehen?“, sagt Königs.

Was die meisten – oder vielleicht alle – Anrufer nicht wussten: Man kann nicht anonym bei der Polizei oder anderen Notrufstellen anrufen. Selbst wenn die eigene Rufnummer vermeintlich unterdrückt ist, kann die Polizei diese nachverfolgen. „Das Risiko, erwischt zu werden, ist groß“, sagt Königs, die auch mitteilt, dass aus subjektiver Sicht grundsätzlich ein Trend hin zu mehr unnötigen Notrufen bei der Polizei zu erkennen sei. Eine Statistik, wie oft jemand nach dem Taxi mit Blaulicht und Martinshorn, dem Wetter in der Eifel oder den Startzeiten der Karnevalszüge fragt, werde jedoch nicht geführt.

4461 Notrufe sind etwa im Oktober dieses Jahres in der Notrufleitstelle der Polizei eingegangen, also täglich 144, oder aufs Jahr gerechnet rund 54.000. Durch 2367 Hinweise ergaben sich im Oktober Einsätze. Es kann aber nicht darauf geschlossen werden, dass die Notrufe, die keinen Einsatz veranlasst haben, allesamt unnötig waren. „Manches lässt sich auch am Telefon klären, wenn andere Behörden wie das Ordnungsamt zuständig und auch erreichbar sind“, teilt Königs mit. „Durchaus unnötige“ – im Sinne von naiv oder skurril – Anrufe nehme die Polizei auch in Kauf, um niemanden abzuschrecken, zum Beispiel verdächtige Personen zu melden. Grundsätzlich solle keiner Scheu haben, die 110 zu wählen.

Die Zahl der Missbrauchs-Strafanzeigen ist in diesem Jahr mit den 13 Fällen rückläufig. 2015 waren es 15 und im Jahr davor gar 28. Anzeigen werden seitens der Polizei dann gestellt, wenn Polizisten oder die Feuerwehr durch einen Anruf vergebens zum Einsatz ausrücken – denn so steht das Personal nicht bereit, wenn wirklich ein Notfall eintritt.

Die Leitstelle im Amt für Bevölkerungsschutz des Kreises (sprich Rettungsleitstelle) wird bis Ende des Jahres geschätzte 58.000 Anrufe unter der 112 entgegengenommen haben. Anders als seitens der Polizei wurde keine Missbrauchs-Strafanzeige erstattet, teilt Kreis-Sprecher Josef Kreutzer mit.

Eine Statistik über „unnötige“ Anrufe werde nicht geführt, aber man erinnert sich an folgenden Anruf: Als es im Sommer 2014 mal unerträglich heiß war, meinte ein Bürger, er könne es wegen der Hitze in seiner Wohnung nicht mehr aushalten, und er erwarte, dass die Behörde etwas dagegen unternehme – erfolglos.

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