Minuten, die über Leben und Tod entscheiden

Von: Stephan Johnen
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Bloß den Uberblick bewahren: Rettungskräfte aus dem Kreis testeten bei einem Feldexperiment der FH Köln ein elektronisches Hilfsmittel, mit dem die Versorgung der Verletzung effektiver koordiniert werden soll. Foto: sj

Kreis Düren. Auf schneeglatter Fahrbahn hat es gekracht. Vier Autos sind nur noch Wracks, wurden zum Teil ineinandergeschoben. Mehrere Insassen sind eingeklemmt, schwer verletzt, bewusstlos. Während die ersten Rettungskräfte eintreffen, laufen ihnen Verletzte schreiend entgegen.

Die Situation ist zunächst unübersichtlich, chaotisch. Als ein verunglücktes Auto in Flammen aufgeht und explodiert, wird die Rettung der Eingeklemmten und die medizinische Versorgung der Verletzten noch komplizierter. Für den Einsatzleiter der Feuerwehr und den Leitenden Notarzt heißt es: Bloß den Überblick bewahren.

Zum Glück ist alles nur eine Katastrophenschutzübung. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Fachhochschule Köln wurde in der Nachbarschaft des Feuerschutztechnischen Zentrums des Kreises Düren an der Panzerstraße der Prototyp eines Patienknotens „im Feld” getestet. Mehr als 50 Einsatzkräfte aus dem Kreisgebiet waren an der Übung beteiligt. Die Wehrleute und Sanitäter trainierten den Ernstfall, die Wissenschaftler und Techniker konnten ihren Prototyp unter realen Einsatzbedingungen testen und zugleich eine Rückmeldung von den Lebensrettern und potenziellen Anwendern bekommen.

Der sogenannte Knoten ist ein elektronisches Modul, das die bisher bei solchen Einsätzen benutzte Patientenumhängetasche in naher Zukunft ersetzen könnte. Mediziner und Sanitäter erfassen dabei an der Unfallstelle den Gesundheitszustand des Patienten, vermerken erste Diagnosen und ordnen den „Fall” in eine Dringlichkeitsstufe ein. Ging dies bisher analog auf Papier, tüfteln die Forscher seit drei Jahren an einer Lösung, dies mit einem autonomen Funknetzwerk elektronisch zu regeln. Die medizinische Versorgung der Verletzten soll effektiver koordiniert werden können.

„Kurz gesagt: Das System verschafft dem Leitenden Notarzt einen Zeitvorsprung. Mit einem Blick kann er die Gesamtlage erfassen”, erklärt Projektteilnehmerin Martina Kaster. An einem Computer kann der Einsatzleiter so beispielsweise erkennen, ob er weitere Unterstützung braucht, er kann den Transport der Patienten besser regeln, und sogar die geographische Lage der einzelnen Patienten kann auf einer Karte angezeigt werden. Bis zu 30 Minuten Zeit könne so von der ersten Sichtung bis zum Abtransport des Patienten eingespart werden. Minuten, die im Fall der Fälle über Leben und Tod entscheiden können.

„Die Beherrschung solcher Großereignisse mit vielen Verletzten stellt auch aufgrund ihrer Seltenheit eine enorme Herausforderung für Rettungswesen und Katastrophenschutz dar”, erklärt Benedikt Weber von der FH Köln. Außer dem Sprechfunk, der schon einmal zusammenbreche, gebe es kaum Hilfsmittel, um den Überblick zu bewahren. Ebenso fehlen Daten, die eine spätere Nachbetrachtung ermöglichen.

„Der elektronische Knoten ermöglicht parallel planerische Maßnahmen von der Leitstelle aus und verschafft den Einsatzkräften vor Ort mehr Überblick”, war auch Martin Thiedecke vom Amt für Feuerschutz und Rettungswesen mit dem Feldtest zufrieden. Bis das Gerät in Serienreife geht, kann es nach Auskunft der Wissenschaftler aber noch dauern.
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