Milchquote entfällt: Landwirte dürfen den Melkturbo einschalten

Von: Carsten Rose
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Erst füttern, dann melken – und zwar mehr als zuvor: Landwirt Robert Knops aus Eschweiler über Feld kommt das Ende der Milchquote zugute. Er kann seine Kapazitäten nun ausschöpfen. Foto: Sarah Maria Berners

Kreis Düren. Milch produzieren, was das Zeug hält, oder besser: Bis die Zitze nicht mehr tropft. Nach 31 Jahren strikter Regulierung können Milchbauern nun seit Beginn des Monats so viel melken, wie sie können. Der Wegfall der Milchquote in der EU macht es möglich. Während manch einer im Kreis nun richtig loslegt, bleibt ein anderer bei seiner bewährten Philosophie.

„Wir werden unsere Kapazitäten nun voll ausnutzen. Vorher musste man immer schauen, wie viel Quote noch übrig ist“, sagt Robert Knops aus Eschweiler über Feld. Er zählt 200 Kühe auf dem Hof der Knops-Kothes-Milch-KG. Der Quoten-Wegfall ist für seinen wachsenden Betrieb gut. „Langfristig gehen Experten von einer positiven Preisentwicklung aus, da Milch weltweit gehandelt wird und die weltweite Nachfrage künftig höher als das Angebot sein wird“, erklärt Knops. Aktuell bekommt er gut 29,5 Cent pro Liter, im Februar waren es 28 Cent.

Ein stabiler Milchpreis war 1984 ein Grund, die Quote seitens der Europäischen Gemeinschaft (EG) – heute EU – einzuführen. Wer mehr produzierte, musste die sogenannte Superabgabe zahlen. Auf der anderen Seite konnten Landwirte Teile ihrer Quote auch verkaufen.

Das geht heute nicht mehr. Somit sind kleinere Betriebe, die die eigene Produktion verringert haben, die Leidtragenden der fehlenden Regulierung. Zeitgleich wandert auch der Ausdruck „Sofamelker“, der eben jene Quoten-Verkäufer meint, ins Vokabulararchiv. Gekippt wurde die Quote unter anderem, weil der Preiswunsch nicht Realität wurde – seit der Einführung schwankte der Preis pro Liter gar um bis zu 20 Cent.

Von teils starken Schwankungen geht Landwirt Karl-Heinz Steffens aus Hürtgen auch weiterhin aus. Es halte sich jedoch die Waage, sagt er, was positive und negative Folgen angeht. „Meinen Hof werde ich ausbauen, das wäre auch so der Fall gewesen. Wir sind in den vergangenen 30 Jahren stetig gewachsen.“ Wie Robert Knops kümmert sich Steffens um 200 Tiere. In seinen Augen sei die Quote auch nur eine politische Begebenheit gewesen, der man sich anpassen musste.

Man könnte sagen: Das, was nach dem Brüsseler EU-Beschluss auf dem Papier eine große Änderung ist, kommt mancherorts lediglich als Sturm im Milchglas an. Preisschwankungen ja, Preisverfall anscheinend nicht, wenn die globale Nachfrage weiter steigen wird.

Die Ruhe vor dem (scheinbaren) Sturm bewahrt der 61-jährige Otto Theißen auf seinem Ein-Mann-Hof in Raffelsbrand. „Ich habe 32 Kühe. Mein Stall war immer derselbe. Ich will nicht wachsen, ich will nicht investieren. Den Quoten-Wegfall merke ich nicht – solange ich nicht mehr ausgebe, als ich einnehme, reicht mir das“, äußert Theißen mit Gelassenheit.

Seine Kühe seien quasi nur auf der Weide, haben noch „richtig Fleisch“ auf den Knochen und stehen nicht nur im Stall. Seine Milch liefert Otto Theißen auch nicht an eine Molkerei, sondern an eine kleine Erzeugergemeinschaft; seine Quote habe er nie verkauft. „Jeder muss seine eigene Philosophie haben. Es nutzt auch nichts, es anderen Bauern nachzumachen.“ Seine Philosophie verfolgt Theißen seit nunmehr 37 Jahren.

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