Gey - Milchbauer stellt das Melken ein

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Milchbauer stellt das Melken ein

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Georg Reinartz ist gerne Milchbauer. Doch die Fortführung des kleinen Betriebs sei betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, sagt er. Foto: Johnen

Gey. Täglich wird auf dem Hof von Georg Reinartz gemolken, auch wenn der Preis für Milch schon seit Jahren im Eimer ist. Um die 20 Cent bekommt der Landwirt derzeit für ein Kilogramm Milch von der Molkerei. Seit Jahren hofft er auf steigende Preise. „30 bis 35 Cent wären gut“, sagt Reinartz. Zwar zahle er derzeit nicht drauf, doch großen Gewinn würden seine 25 Kühe auch nicht abwerfen.

„Ich bin froh, dass der Hof so gut wie schuldenfrei ist“, sagt Reinartz. Damit das so bleibt, hat er eine weitreichende Entscheidung getroffen: Zum Jahresende stellt er die Milchwirtschaft ein und verkauft sein Vieh. „Über diesen Schritt denke ich seit zweieinhalb Jahren nach“, erklärt der 43-Jährige. Nun zieht er die Reißleine.

„Die kleinen, älteren Betriebe verschwinden“, bilanziert der Landwirt nüchtern. Als seine Eltern in seinem Alter waren, gehörte der Betrieb mit damals 30 Kühen zu den größeren seiner Art. „Viele Menschen haben sich die Milch direkt beim Bauern geholt“, berichtet er. Das war einmal. Heute sei die Nachfrage bei der Direktvermarktung überschaubar. Die Installation einer „Milchzapfstelle“ koste schnell mehrere Tausend Euro. „Das lohnt sich nicht“, hat Reinartz ausgerechnet.

Was die Entwicklung des Milchpreises betrifft, ist der Landwirt Realist. Das Angebot sei deutlich höher als die Nachfrage, das drücke den Preis. „Viele Betriebe versuchen dennoch, über die Masse auf ihre Kosten zu kommen“, sagt er. Auch das veränderte Konsumverhalten spiele eine Rolle, die Verdichtung bei Molkereien und Lebensmittelhändlern. „Jeder nutzt seine Marktmacht“, sagt Reinartz. Der Landwirt stehe mit dem Ausgangsprodukt Milch dabei am Ende der Schlange, wenn es um Gewinnschöpfung gehe.

Kreditbürgschaften des Bundes, die beim Milchgipfel beschlossen wurden, hält er für wenig sinnvoll. „Ich müsste etwa 1,5 bis 2 Millionen Euro investieren, um einen modernen, wirtschaftlichen Betrieb mit 100 bis 200 Tieren neu aufzubauen“, sagt Reinartz. „Ich würde es nicht erleben, diese Kredite komplett zu tilgen“, mutmaßt er. Auch der Weg Richtung Bio sei zunächst mit erheblichen Investitionen verbunden. Aufgrund der Lage des Betriebes mitten im Ort hätte er zudem Probleme mit der Anbindung der Weideflächen. „Die Tiere können nicht hundertprozentig frei laufen“, sagt er. So reifte der Entschluss, die „Berg- und Talfahrt“ hinter sich zu lassen.

Bereits in der Vergangenheit hat der Landwirt begonnen, mit einem Hofladen und einem Bauerncafé ein zweites Standbein aufzubauen. „Seit dem Bau der Umgehungsstraße ist die Zahl der Laufkundschaft aber deutlich gesunken“, bedauert Reinartz. Dennoch ist er überzeugt, dieses Konzept noch ausbauen zu können. „Ich möchte auf jeden Fall selbstständig bleiben, mein eigener Chef sein“, betont er. Die 48 Hektar Land sollen weiter bewirtschaftet werden.

Eine Möglichkeit, über die Georg Reinartz derzeit nachdenkt, wäre die Vermietung von Pferdeställen für Selbstversorger. Einen Teil des Futters könnte er dann selbst anbauen, der Bedarf an solchen Ställen sei vorhanden. Ein zweiter Schritt könnte der Ausbau der alten Kuhställe sein. „Doch das ist Zukunftsmusik“, sagt Reinartz.

Bis Ende des Jahres wird nach wie vor der Tankwagen der Molkerei kommen und die Milch in Gey abholen. So lange gibt es auch die eigene, frische Milch im Hofladen. „Der Milchpreis müsste schon auf 40 Cent steigen, damit ich es mir anders überlege“, sagt er. Doch das sei höchst unrealistisch.

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