Kreis Düren - Mehr Praxis, weniger Theorie für junge Menschen mit Lernbehinderung

Mehr Praxis, weniger Theorie für junge Menschen mit Lernbehinderung

Von: Stephan Johnen
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Auch im Bäckerhandwerk gibt es einen Fachpraktiker-Abschluss. Foto: Stock/Olaf Döring
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Dirk Heinrichs und Regina Brückner sind mit ihren Auszubildenden zufrieden. Foto: Johnen

Kreis Düren. Der Weg von der Schule in die Arbeitswelt ist für Schüler mit Lernbehinderung oft mit Hürden verbunden. Die Arbeitsagentur Aachen-Düren unterstützt deswegen Jugendliche mit Lernbehinderung und Lernschwäche dabei, eine reguläre Ausbildung aufzunehmen und sie abzuschließen.

Die verkürzten, theoriereduzierten Ausbildungen sollen Arbeitgebern zudem helfen, qualifizierten Nachwuchs für ihre Betriebe zu gewinnen.

Im Berufsinformationszentrum stellten Gabriele Hilger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, Teamleiter Axel Köhnke und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel (CDU), Montag das Angebot Betrieben und Unternehmen vor und warben um Unterstützung. „Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem daraus resultierenden Fachkräftebedarf muss es unser Ziel sein, das Arbeitskräftepotenzial, das Menschen mit Handicap mitbringen, für den Arbeitsmarkt zu nutzen. Ich sehe auch eine moralische Verpflichtung, alle Menschen in die Gesellschaft zu integrieren“, sagte Rachel.

Bei den sogenannten Fachpraktikerberufen wird die Praxis stärker gewichtet als die Theorie. Die Prüfungen werden vor den Kammern abgelegt. Zu den anerkannten Berufen gehören Montageberufe in der Elektro-, Bauteile- und Möbelbranche, bei Recycling-, Reparatur- und Wartungsbetrieben sowie Berufe in den Dienstleistungsbereichen Betreuung und Pflege, Organisation, Freizeit und Logistik.

„Bei positiver Entwicklung bietet sich die Chance, aufzustocken und den vollen Abschluss zu erlangen“, erklärte Axel Köhnke. Die Agentur schlage interessierten Betrieben infrage kommende Jugendliche vor und übernehme die Kosten, die für Praktika und die zusätzliche Unterstützung und Förderung der Schüler anfallen. „All dies findet außerhalb der Betriebs- und Schulzeiten statt“, betont Köhnke. Auch für Betriebe gebe es Beratungsmöglichkeiten, schließlich bedeute die Ausbildung eines Menschen mit Handicap auch mehr Aufwand.

Über erste praktische Erfahrungen berichteten Dirk Heinrichs, Geschäftsleiter eines „real“-Marktes, und Regina Brückner, Leiterin des Awo-Seniorenzentrums Huchem-Stammeln. „Es funktioniert sehr gut. Auch wenn die Ausbildung kleinschrittig ist“, berichtete Regina Brückner. Mittlerweile seien weitere Azubis mit Handicap eingestellt worden.

Wichtig sei, dass das Team mitziehe – und sich die nötige Zeit nehme, manchen Schritt bei Bedarf mehrfach zu erklären. „Unsere Mitarbeiterin ist sehr engagiert und hängt sich rein“, war Dirk Heinrichs voll des Lobes. Nach der verkürzten Ausbildung stehe die junge Frau nun davor, die reguläre Prüfung als Kauffrau abzulegen. „Geben Sie den Jugendlichen eine Chance“, appellierte Gabriele Hilger an Unternehmer, sich zu beteiligen.

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