Masterplan für die Region: Was kommt nach dem Tagebau?

Von: Jörg Abels
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Mit einem „Masterplan“ wollen die sechs Anrainerkommunen sich für Zeit wappnen, wenn die Schaufelradbagger im Tagebau Hambach ihre Arbeit abgeschlossen haben.
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Die Bürgermeister Hermann Heuser, Georg Gelhausen, Axel Fuchs, Andreas Heller, Dieter Spürck und Jürgen Frantzen unterschreiben eine gemeinsame Erklärung mit Eckpunkten der regionalen Zusammenarbeit.
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Indeland-Geschäftsführer Jens Bröker unterstrich die Notwendigkeit interkommunaler Zusammenarbeit.

Niederzier. Der symbolträchtige Ort der Rätekonferenz war bewusst gewählt. So wie die mehr als 1100 Jahre alte Burg Obbendorf in Hambach für den Wandel vom Rittergut zu einem landwirtschaftlichen Betrieb und weiter zum modernen Hotel steht, haben die sechs Anrainerkommunen des Tagebaus Hambach in den kommenden Jahren die historische Chance, eine ganze Region neu zu gestalten.

Und diesen Weg wollen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz gemeinsam gehen. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung über die Eckpunkte der künftigen regionalen Zusammenarbeit gaben die Bürgermeister der sechs Kommunen am Montagabend den Startschuss zur Erarbeitung eines „Masterplans Hambach“.

Dieser Masterplan, der in den kommenden Monaten in einem interkommunalen „Team Hambach“ mit Experten aus den einzelnen Rathäusern erarbeitet werden soll, soll wirtschaftliche, landwirtschaftliche, soziale und städtebauliche Aspekte ebenso berücksichtigen wie die touristische Inwertsetzung der Sophienhöhe und der späteren Seenlandschaft, die mit einer Größe von bis zu 4000 Hektar viermal größer als der Indesee werden wird.

Allen Beteiligten ist klar, dass eine Verwaltungsgrenzen überschreitende kommunalen Zusammenarbeit wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Strukturwandels und die Kompensation für der vielen tausend Arbeitsplätze ist, die mit dem Ende der Braunkohleförderung spätestens 2040 - 45 wegfallen werden.

Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft indeland, formulierte es so: „Sie brauchen eine gemeinsame Sprache, um ihre Interessen gegenüber dem Land und Tagebaubetreiber RWE deutlich zu machen.“ Nur eine starke Tagebauumfeldorganisation könne Einfluss auf die Landes- und Regionalplanung nehmen, betonte Bröker.

Das heißt nicht, dass die Kommunen nicht auch in Zukunft eigene Planungen verfolgen dürften. „Es gilt aber, die Tagebauumfeldorganisation so zu organisieren, dass die Schnittmenge aller Einzelinteressen möglichst groß wird“, erklärte Bröker. Sie sei Voraussetzung zum Beispiel für neue Gewerbegebiete und die Akquise von Fördermitteln, betonte Boris Linden von der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR), die sich als Klammer aller regionalen Aktivitäten rund um Garzweiler, Inden und Hambach versteht.

In der gemeinsamen Erklärung betonen die Bürgermeister Hermann Heuser (Niederzier, SPD), Axel Fuchs (Jülich, parteilos), Dieter Spürck (Kerpen), Jürgen Frantzen (Titz), Andreas Heller (Elsdorf) und Georg Gelhausen (Merzenich, alle CDU), dass die „Zukunft unserer Heimat entscheidend davon abhängt, dass sich die Region im Strukturwandel nachhaltig entwickelt und für alle Menschen am Tagebau und insbesondere in der Zeit danach lebenswerte Arbeits- und Lebensbedingungen bietet“. Heuser erklärte, dass dies idealerweise in einem partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe erfolgen solle und in einem fairen Ausgleich. Als Beispiel verwies er auf die Schaffung eines interkommunalen Gewerbegebietes, bei dem die Erschließungskosten wie die späteren Steuereinnahmen aufgeteilt werden müssten.

Keinen Zweifel ließen die Bürgermeister daran, dass sie auch Tagebaubetreiber RWE in der Pflicht sehen, sich aktiv – und das heißt vor allem finanziell – am Strukturwandel und am „Masterplan Hambach“ zu beteiligen. Der designierte Vorstand Dr. Lars Kulik gab das Versprechen, dass sich das Unternehmen als „gewohnt verlässlicher Partner“ gerne in den Masterplan-Prozess einbringen werde. Kulik begrüßte, dass die sechs Tagebauanreiner jetzt gemeinsam planen wollen. „Das ist der richtige und zukunftsgerichtete Weg.“

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