Margit Göckemeyer zieht positives Fazit ihrer Amtszeit

Von: Burkhard Giesen
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Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Für einen Eifelkrimi hätte Margit Göckemeyer genügend Stoff. Vermutlich könnte sie nach sechs Jahren Amtszeit als Bürgermeisterin sogar ganze Seifenopern bequem füllen. Zerstochene Autoreifen und beschmierte Rathauswände gehörten zu ihrem Job genauso dazu, wie Freundschaften, die sie in Nideggen geschlossen hat.

Dass die 59-Jährige trotz der krachenden Abwahl am 13. September, wo sie es nicht mal in die Stichwahl geschafft hat, dennoch beim Blick in die Kamera freundlich lächelt, hat wohl auch damit zu tun, dass sie für sich ein positives Fazit ihrer Arbeit zieht.

„Vor zwei Wochen war ich von dem Ergebnis absolut enttäuscht, weil ich im Vorfeld der Wahl eine andere Wahrnehmung hatte“, sagt sie im Rückblick. Es ist ein bitteres Ergebnis für sie, erst recht nach den jahrelangen politischen Auseinandersetzungen im Rat. Es ist eine Niederlage. Was Margit Göckemeyer allerdings mehr trifft, ist etwas anderes: „Ich bin nicht fertig.“ Sie hätte das Amt der Bürgermeisterin von Nideggen gerne weitergeführt, weil sie die Grundlagen für eine künftig erfolgreiche Arbeit geschaffen hat. Sie drückt es so aus: „Ich habe die Drecksarbeit gemacht. Vielleicht brauchten die Menschen einen Schuldigen. Damit ist aber das Problem nicht gelöst.“

Mit Schwierigkeiten im Amt hatte Margit Göckemeyer von Anfang an zu kämpfen. „Als ich hier angefangen habe, gab es in der Verwaltung keine Akten, sondern lose Blattsammmlungen.“ Sie hat die Verwaltung neu strukturiert, dafür gesorgt, dass die Eröffnungsbilanz der Kommune endlich fertiggestellt wurde, die ausstehenden Jahresabschlüsse vorgelegt. „Ich wollte die Finanzen transparent machen und die Altlasten abarbeiten“, sagt sie.

Bei den Finanzen ist es ihr und später dem neuen Kämmerer Marco Dederichs gelungen. Bei den Altlasten vermutlich nicht: „Da wird noch was kommen. Wir stoßen immer noch auf Verträge, wo sich mir die Haare sträuben. Zuletzt bei der Bürgerbegegnungsstätte Wollersheim.“ Die „gesträubten Haare“ hätten denn auch ihr Markenzeichen werden können. In der Verwaltung gab es bis zu ihrem Dienstantritt vor sechs Jahren kein Controlling, es fehlten Stellenbeschreibungen, Bewertungen, Beförderungen blieben aus. Leistungsorientierte Bezahlung, Mitarbeiterschulung und -weiterbildung – ebenfalls Fehlanzeige.

„Wenn man Veränderungen vornimmt, ist es für einige schwierig, dem zu folgen“, sagt sie. Vielleicht erklärt das, warum „einige“ zum Schluss anderen folgten. „Wenn der Kopf der Verwaltung sich ändert, ändern sich nicht die Leute“, sagt Margit Göckemeyer noch. Das dürfte sie vor allem auf den Rat beziehen. In der Dauerfehde, die sie mit der Politik ausgetragen hat, ging es nur vordergründig um handwerkliche Fehler oder persönliche Animositäten.

Göckemeyer hat sich nie als Bürgermeisterin der sie zu Beginn unterstützenden Parteien verstanden. „Ich habe zu wenig SPD-Arbeit gemacht, zu wenig Grünen-Arbeit. Das stimmt. Ich war die Bürgermeisterin für die Bürger.“ SPD und Grüne zogen sich verprellt zurück, mit CDU und MfN wurde sie nie warm. Und sie unterschätzte dabei den politischen Sprengstoff von Entscheidungen in der Schulpolitik oder bei Themen wie Windenergie oder Pumpspeicherkraftwerk. „Die Emotionalisierung des Streits war stets das Problem“, sagt Göckemeyer im Rückblick dazu.

Dabei scheute sie sich auch nicht davor, Entscheidungen übergeordneter Behörden im Sinne ihres Amtsverständnisses zum Wohl der Bürger zu kritisieren. Etwa als die Bezirksregierung Investitionen nicht genehmigen wollte, die für künftige Einsparungen eine Voraussetzung waren oder sich der Kreis deutlich weniger in Nideggen engagierte, Burgfestspiele und das Mittelalterfest ersatzlos gestrichen wurden.

Dass Göckemeyer trotz aller persönlichen Enttäuschungen ein positives Fazit ihrer Arbeit zieht, hat viel mit einer Entwicklung zu tun, die sich trotz allen Streits und als Folge der finanziellen Schieflage der Kommune ergeben hat: „Die Haltung der Bürger zu ihrer Stadt hat sich geändert. Es gibt mehr ehrenamtliches Engagement. Viele Bürger kommen heute und fragen ‚Was können wir tun?‘“ Und was kann ihr Nachfolger tun? Bei Ratschlägen will sie sich eigentlich zurückhalten. Nach einigem Zögern hat sie dann doch einen parat: „Nicht so viel auf einmal ändern wollen.“

Die Kontakte nach Nideggen wird Margit Göckemeyer auch von ihrer künftigen Arbeitsstelle bei der Stadt Solingen aus aufrecht erhalten. „Es gibt Freundschaften hier, die ich pflegen werde. Die haben eine Menge aushalten müssen in den letzten Jahren“, sagt sie und grinst dabei. Und der Eifelkrimi? Vielleicht kommt er noch.

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