Mandanten geprellt: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Anwalt

Von: Wolfgang Schumacher
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Kanzlei in finanzieller Schieflage: Der aus Düren stammende Antonius Peter S. „verwaltete“ das Geld seiner Mandanten. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Zwei Jahre Haft auf Bewährung und ein dreijähriges Berufsverbot wegen gewerbsmäßiger Untreue: Das ist das Ergebnis des Strafprozesses gegen den 50-jährigen Aachener Ex-Anwalt Antonius Peter S.

Der Jurist war beinahe vier Jahre von der Bildfläche verschwunden und ist letztlich nur durch einen Fahndungsaufruf der bekannten TV-Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ im vergangenen Jahr bei seinen Eltern in Düren aufgestöbert worden.

Die 1. Große Strafkammer am Aachener Landgericht unter dem Vorsitz von Richterin Regina Böhme kam in ihrem gestrigen Urteil zu der Überzeugung, dass der Angeklagte in der Tat auf eine Weise, wie es die Staatsanwaltschaft angeklagte hatte, Mandanten in den Jahren 2007 bis 2009 um erhebliche Geldbeträge gebracht hatte. Im Jahr 2009 hatte S. sich unversehens in die Schweiz abgesetzt.

Der aus Düren stammende und in Aachen arbeitende Anwalt für Verkehrs- und Vertragsrecht habe es damals nicht für nötig befunden, so das Gericht, die von ihm für seine Mandanten meist aus Forderungen an Versicherungen stammenden Gelder auf einem separaten „Anderkonto“ verwaltet zu haben. Vielmehr, so Richterin Böhme, habe der Jurist diese Mittel im laufenden Geschäft seiner Kanzlei auf seinem Betriebskonto mit anderen Ein- und Ausnahmen vermischt.

Die Kanzlei sei im Jahr 2005 nach einem Autounfall des Anwalts, durch dessen Folgen er drei Monate nicht arbeiten konnte, nach und nach in eine finanzielle Schieflage geraten. Dann, ab 2007, sei es finanziell richtig eng geworden, und der Anwalt habe begonnen, finanziell „ein Loch mit dem anderen zu stopfen“, hieß es in den Urteil. Seine Mandanten hätten dann zum Teil die ihnen zustehenden Zahlungen nicht bekommen.

Darunter haben sich auch Gelder gefunden, die S. für verurteilte und inzwischen wieder im offenen Vollzug, also in Freiheit, befindliche Mandanten verwaltet hatte. Als die bemerkten, dass der Anwalt nicht zahlen wollte oder konnte, sollen sie ihm auf ihre Weise Druck gemacht haben. Auch deswegen und weil er in der Schweiz Aussicht auf einen lukrativen Job hatte, sei er in das Nachbarland gezogen. Die Familie sei zunächst mitgekommen, doch dann zerschlug sich alles, und er blieb alleine dort.

Das Gericht und zuvor bereits in seinem Plädoyer Oberstaatsanwalt Christian Burr hatten dem Angeklagten zugute gehalten, dass er versucht habe, seine Schuld bei diversen Mandanten zu begleichen. So wurden einige der 18 Anklagepunkte eingestellt. Doch Burr betonte ausdrücklich, der Ex-Anwalt habe dem Ansehen seines Berufsstandes „erheblichen Schaden“ zugefügt. Er habe sich die „Autorität eines Anwalts“ gezielt zu nutze gemacht und Gelder veruntreut. Der Haftbefehl wurde außer Kraft gesetzt.

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