Kreis Düren - Low-tec bereitet junge Flüchtinge auf Ausbildung vor

Low-tec bereitet junge Flüchtinge auf Ausbildung vor

Von: Stephan Johnen
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In den Werkstätten der Low-tec werden die Teilnehmer auf eine Ausbildung vorbereitet. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Abou Bacar hat einen großen Traum. Der 28-Jährige ist aus Mali geflohen, er ist einer von derzeit zwölf Teilnehmern des Projekts „Vorteil“ der Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Low-tec in Düren.

In Aachen gibt es 36 Teilnehmer. Innerhalb eines Jahres werden die jungen Flüchtlinge in Praxis und Theorie auf den Beginn einer Ausbildung oder die Aufnahme einer Arbeit vorbereitet. Dazu gehören auch Sprachkurse. Mit Blick auf eine künftige Arbeit läuft es gut, der 28-Jährige wird bald als Lagerlogistiker arbeiten.

Zunächst als Praktikant, doch er ist zuversichtlich, auch eine Ausbildung beginnen zu können. Sein größter Wunsch allerdings ist ein anderer: „Ich möchte einmal Mama Merkel die Hand schütteln und mich bedanken“, sagt er. Seine Kollegen in der Ausbildungswerkstatt nicken. Sie haben der Bundeskanzlerin einen Brief geschrieben. Die Botschaft lautet: „Sie sind nicht allein. Wir schaffen das – zusammen.“

Die Chancen, dass Angela Merkel den Brief liest, stehen gut. Mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel (CDU), und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan haben sich in dieser Woche gleich zwei Dürener Abgeordnete vor Ort die Arbeit des von der Bundesregierung und der EU geförderten Projektes informiert.

Thomas Rachel tauschte im Gespräch mit den jungen Flüchtlingen E-Mail-Adressen aus, um Briefträger zu spielen. Doch beide Abgeordnete nahmen auch Anregungen aus der Praxis mit nach Berlin, um die Integrationsarbeit verbessern zu können. Dafür haben Corinna Bornscheuer-Heschel, Christina Vedar und Josef Macherey von der Low-tec gesorgt.

Ziel von „Vorteil“ ist es, die Flüchtlinge unter realen Bedingungen von der Entwicklung eines Produktes über die Produktion, die Verarbeitung und den Verkauf auf einen Beruf vorzubereiten. Produziert werden zum Beispiel Pflanzsäcke und Deko-Artikel, die Kursteilnehmer arbeiten dabei mit Designern zusammen. Der erste Jahrgang des bis Ende 2018 geförderten Projekts startete im August 2015, die nächste Gruppe startet im September. Die Teilnehmer sollen zwischen 18 und 27 Jahre alt sein und solide Deutschkenntnisse haben. Eine Teilnahme ist unabhängig vom Aufenthaltsstatus in Deutschland und der Herkunft.

„In Düren haben wir für die Teilnehmer des ersten Jahrgangs bereits vier Ausbildungsplatzzusagen und zwei Zusagen für eine sogenannte Einstiegsqualifizierung mit anschließender Ausbildung“, bilanziert Projektleiterin Christina Vedar. Zwei Praktika mit Aussicht auf Ausbildung stünden im Raum, drei Teilnehmer werden voraussichtlich direkt eine Arbeit aufnehmen können.

„Wir brauchen eine Art Turbo-Abschluss“, gab Low-tec Geschäftsführer Josef Macherey den Abgeordneten mit auf den Weg. Handwerklich begabte Flüchtlinge würden sonst schnell an den sprachlichen Anforderungen der Berufsschule scheitern. „Wir brauchen Bücher in einfacher Sprache mit klar verständlichen Texten“, fügte Corinna Bornscheuer-Heschel hinzu. Angesichts der besonderen Ausnahmesituation müsse die Praxis stärker gewichtet werden als formale Hürden. Anstatt die jungen Leute eine Maßnahme nach der nächsten durchlaufen zu lassen, sei zudem ein Ansatz wie bei „Vorteil“ von nötig: Das Projekt ist eingebunden in ein Netzwerk aller bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Akteure. Die Rückmeldungen aus den Betrieben seien sehr gut.

„Es ist gut, dass vor Ort viel probiert wird, um gute Konzepte zu finden“, bedankte sich Thomas Rachel für die Arbeit der Low-tec. Auch die Regierung reagiere auf die besondere Situation. Im Entwurf des neuen Integrationsgesetzes sei beispielsweise vorgesehen, Auszubildenden und Betrieben mehr Sicherheit zu gewährleisten, dass eine begonnene Ausbildung unabhängig vom Status des Asylbewerbers beendet werden kann.

„Die Schilderungen der Experten vor Ort haben mir verdeutlicht, dass die Ausschreibungspraxis überarbeitet werden muss. Es reicht nicht, alte Konzepte zur Integration von Langzeitarbeitslosen auf Flüchtlinge anzuwenden“, sagte Dietmar Nietan. „Alter Wein in neuen Schläuchen funktioniert nicht.“ Es sei wichtig, „hoch motivierten Menschen“ eine berufliche Perspektive zu eröffnen.

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