Lang erwartetes Gesetz soll die Hospizbewegung stärken

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
10719864.jpg
Vorsitzender Dr. Martin Franke (l.) und seine Stellvertreterin Gerda Graf (2.v.r.) begrüßten im Winkelsaal von Burgau die Referenten Dr. Ruth Baumann-Hölzle und Dr. Michael de Ridder. Foto: bel

Niederau. Der Vorsitzende der Hospizbewegung Düren-Jülich, Dr. Martin Franke, stieg im Winkelsaal von Schloss Burgau in das diesjährige Thema „Sterben – Wunsch und Wirklichkeit“ mit einem Rückblick auf die bewegenden Debatten im Bundestag ein.

„Wir müssen uns immer vergegenwärtigen“, erinnerte Franke, „dass Schwerstkranke, Sterbende und alle Beeinträchtigten Teile unserer Gesellschaft sind.“ Franke forderte, die Hospiz- und Palliativversorgung in einem Gesetz zu verankern. Mit Blick auf die Nachrichten, dass Experten des Bundestages bei drei Gesetzesentwürfen verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet haben, werde eine Einigung im Sinne der betroffenen Patienten immer drängender.

Professionelle Hilfe erhielt der 18. Hospiztag Düren-Jülich durch zwei Referenten. Die Schweizer Theologin und Leiterin des „Ethik-Dialogzentrums Zürich“, Dr. Ruth Baumann-Hölzle, sprach über die „Abschieds- und Sterbekultur in pluralistischen Gesellschaften – Ethische Reflexionen mit Beispielen aus der Praxis“. Baumann-Hölzle machte einen Schritt zurück in der Entwicklung um Sterbehilfe in der Schweiz.

Verdikt des Machbaren

In einer Welt, so die Referentin, die immer individualistischer und pluralistischer werde, habe Leben, Sterben und Tod einen anderen Stellenwert bekommen. Dabei dürften die Menschen den Respekt voreinander und die Toleranz nicht aus den Augen verlieren. „Lebenlassen“ sei die Einstellung, die sich am Menschsein orientiere.

Gefährlich werde es, wenn sich Menschen dem Verdikt des Machens und des Machbaren unterwerfen. Mehr oder weniger alle Lebensbereiche seien funktionalisiert. Nur der Erfolg zähle in einer säkularisierten und materialisierten Gesellschaft. „Menschen sind jedoch kein Verbrauchsmaterial“, stellte die Referentin fest. Bau-mann-Hölzle verurteilte die privatisierte Sterbehilfe. „Gutes Leben – gutes Sterben – Verantwortungskultur“ seien die Prämissen in einer Zivilgesellschaft, in der der Mensch und nicht die Technik im Vordergrund ständen.

Dr. Michael de Ridder, Palliativarzt und Autor, unterstrich mit Fallbeispielen aus seiner ärztlichen Tätigkeit seine Forderung, dass Ärzte Hilfe zum Sterben leisten sollen. Dem Menschen selbst, dem Individuum, soll die Entscheidung über das eigene Leben und Sterben zugestanden werden. „Das Wohl des Patienten muss im Vordergrund stehen“, verlangte de Ridder, „und somit muss der Arzt das Selbstbestimmungsrecht des Patienten achten“. Eine objektive Normierung des „guten Sterbens“ gibt es für den Buchautoren nicht. Die Menschenwürde ist ein hohes Gut, das es immer zu beachten gelte. „Wir brauchen Ärzte, die den richtigen Gebrauch von ihrem Gewissen im Sinne des Patienten machen“, forderte der Palliativarzt.

Gerda Graf, stellvertretende Vorsitzende der Hospizbewegung, moderierte die abschließende Podiumsdiskussion.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert