Landrat Wolfgang Spelthahn: „Vertrauen in die Polizei zurückgeben“

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Nach den Ausschreitungen an Silvester verstärkt die Kölner Polizei ihre Präsenz in der Innenstadt. Auch im Kreis Düren soll es zum Beispiel an Karneval erhöhte Polizeipräsenz geben. Foto: Archiv, stock/Ralph Peters

Kreis Düren. Hartnäckig verbreitete sich in dieser Woche das Gerücht, in Gürzenich sei eine Tankstelle von Asylbewerbern überfallen worden. Die Polizei dementierte das Gerücht, schloss aber nicht aus, dass damit bewusst Stimmungen und Ängste geschürt werden sollten.

Aber warum denken sich Menschen solche Geschichten aus? Haben die Bürger das Vertrauen in die Polizei verloren? Diese Fragen hat „DN“-Mitarbeiterin Sandra Kinkel an Wolfgang Spelthahn gestellt, der Leiter der Kreispolizeibehörde und Landrat ist.

Was sagen Sie zu solchen Falschmeldungen wie dem angeblichen Überfall auf eine Tankstelle in Gürzenich?

Wolfgang Spelthahn: Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte. Da werden einfach Dinge behauptet, die völlig falsch sind und nicht einmal ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Diese Vorgänge als skandalös zu bezeichnen, ist eigentlich noch viel zu wenig.

Warum machen Leute so etwas? Glauben Sie, dass die Menschen vor allem auch nach den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln, das Vertrauen in die Polizei verloren haben?

Spelthahn: Ja. Die Informationspolitik der Kölner Polizei, die ja letztendlich auch zur Entlassung des Kölner Polizeichefs geführt hat, hat einen immensen Vertrauensverlust der Polizei zur Folge. Und zwar nicht nur einen Vertrauensverlust der Kölner Behörde, sondern ich befürchte, einen bundesweiten Vertrauensverlust der Polizei. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Polizeibeamte gute Arbeit leisten, aber der Imageschaden ist auch auf den Kreis Düren übergeschwappt. Ich glaube, viele Menschen haben nicht mehr das Gefühl, dass die Polizei sie schützen und ihre Interessen wirklich wehrhaft vertreten kann. Wir müssen unbedingt und möglichst schnell das Vertrauen der Bürger in die Polizei zurückgewinnen.

Und wie kann das gelingen?

Spelthahn: Unsere nächste Belastungsprobe ist Karneval. Ich bekomme im Augenblick häufig Mails und Anrufe von besorgten Müttern und Vätern, die mich fragen, ob sie ihre Kinder an Weiberfastnacht beruhigt nach Düren oder nach Köln fahren lassen können.

Und was sagen Sie denen?

Spelthahn: Ich sage ihnen, dass wir alles tun werden, damit die Menschen an Karneval unbesorgt feiern können. Wir dürfen keinen Quadratzentimeter preisgeben, und es wäre für unsere Stadt, unseren Kreis und unser ganzes Land ganz schlimm, wenn wir alte Traditionen wie den Straßenkarneval nicht mehr ausleben können. Das Gleiche gilt natürlich auch für die vielen Karnevalsumzüge, die es im Kreis Düren gibt. Die Polizei muss an den Karnevalstagen so viel Präsenz zeigen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger völlig sicher fühlen können. Und zwar überall. Die Leute müssen dahingehen und feiern können, wo sie es tun möchten. Überall muss es ein sicheres Gefühl geben, wir dürfen nicht zulassen, dass sogenannte No-go-Areas entstehen.

Kann die Polizei im Kreis Düren das leisten? Gibt es genügend Beamtinnen und Beamte?

Spelthahn: Wir sind in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen. Allerdings, und auch das ist Teil der Wahrheit, sind wir an unserer Belastungsgrenze angekommen. Und wir verlangen unseren Polizeibeamten, zum Beispiel, was deren persönliche Urlaubsplanung angeht, auch sehr viel ab. Es hat aber, und dafür bin ich wirklich sehr dankbar, mittlerweile jeder verstanden, dass wir keinen weiteren Vertrauensverlust mehr akzeptieren dürfen. Deswegen sind die Beamtinnen und Beamten auch bereit, diese Opfer zu bringen. Gleichzeit fordern wir aber natürlich auch von der Landesregierung, mehr Polizisten auszubilden und einzustellen. Öffentliche Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif.

Lange Zeit hat die Polizei nicht veröffentlicht, aus welchem Land Täter gekommen sind. Das ist nach den Vorkommnissen in Köln anders. Finden Sie das richtig?

Spelthahn: Grundsätzlich bin ich der Meinung: Täter ist Täter, ganz egal, wo er herkommt. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ein betrunkener deutscher Hooligan oder ein betrunkener Flüchtling randaliert. Im Augenblick steht aber in unserem Land der Verdacht im Raum, dass die Polizei bewusst versucht hat, Dinge zu verschleiern, um die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Um größtmögliche Transparenz zu schaffen und dadurch auch das Vertrauen in die Polizei wiederherzustellen, finde ich es richtig, dass zumindest im Augenblick die Nationalität der Täter veröffentlicht wird. Und eins muss uns allen auch klar sein: Wenn eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kommen, dann kommen Menschen, die sehr motiviert sind und sich in unsere Gesellschaft integrieren möchten. Es kommen stark traumatisierte Leute, denen wir dringend helfen müssen. Aber es kommen eben auch solche, die unsere Gesetze brechen. Alle die, die sich falsch verhalten, müssen natürlich entsprechend bestraft werden.

Viele Gerüchte entstehen in Gürzenich, wo sich auch die große Unterkunft Gürzenich-Wald befindet. Die Schillingsstraße heißt im Volksmund „Aleppo-Road“, angeblich sollen Flüchtlinge im Supermarkt Waren gleich aus dem Regal gegessen haben. Was tun Sie, um solchen Vorurteilen entgegenzuwirken?

Spelthahn: Ich kann sagen, dass die Flüchtlingsunterkunft Gürzenich-Wald nicht zu einem Anstieg der Kriminalität in Gürzenich geführt hat. Ich bin da für möglichst viel Normalität. Es darf doch nicht als Bedrohung empfunden werden, wenn Menschen anderer Nationalitäten bei uns auf Straßen unterwegs sind. Aber auch hier gilt: Wenn es Schwierigkeiten gibt, helfen die Polizei und auch der Sicherheitsdienst, der in Gürzenich-Wald immer vor Ort ist. Kommentiert

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