Kriminalitätsstatisitk: Neuer Bestwert zwingt Polizei zu Spagat

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
14147248.jpg
Wolfgang Spelthahn (l.) leitet die Kreispolizei, Jörg Malejka die Direktion für Kriminalität. Foto: Rose

Kreis Düren. Wolfgang Spelthahn hatte am Montag ein kleines Problem. Als Leiter der Kreispolizei vermeldete er zwar für das Jahr 2016 die niedrigste Straftatenzahl der vergangenen zehn Jahre, er musste indes zugeben: „Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger ist nachhaltig negativ beeinflusst, daran ändern die objektiv guten Zahlen nichts. Diesen Spagat müssen wir aushalten.“

Spelthahn meinte damit, dass drei Vorfälle gegen Jahresende, über die auch überregional berichtet worden ist, den Rückgang aller Delikte um knapp fünf Prozent im Vergleich zu 2015 in den Schatten stellen würden. Die Beziehungstat in einem Dürener Friseursalon, der Überfall auf ein Bezirksliga-Fußballspiel in Jülich und die Übergriffe auf Polizisten im Dürener Grüngürtel hätten ihre Spuren hinterlassen – sowohl bei Bürgern als auch Beamten.

Beispielhaft sagte Spelthahn, dass Bürger aus Angst vor Übergriffen Parks und die Unterführung zum Dürener Haus der Stadt meiden würden, die Statistik könnte diese Furcht aber nicht belegen. Ein „rosarotes Bild“ könne und wollte der Behördenleiter nicht zeichnen.

Er rückte mit Jörg Malejka, der die Direktion Kriminalität leitet, dennoch zwei weitere positive Punkte in den Vordergrund: Die Wohnungseinbrüche sind auf das niedrigste Niveau seit 2007 gesunken, und die Aufklärungsquote (51,29 Prozent, 2015: 52,28) sei dank der „bewährten Hilfe der Bürger auf hohem Niveau“.

Festnahme an Grenze zu Albanien

In Sachen Einbrüche teilte Jörg Malejka mit, dass in der vergangenen Woche an der Grenze zu Albanien ein Mann festgenommen wurde, dem die Polizei in Düren zwischen Juli und November 21 Taten zuschreibt. Der Mann wurde von sechs weiteren Polizeibehörden gesucht. Malejka weiter: „Der Anteil der Versuchseinbrüche ist von 42 auf 41 Prozent gesunken, unser Ziel sind 45 Prozent.“ Für die Polizei bedeuten abgebrochene Einbrüche, dass Präventionsmaßnahmen seitens der Eigentümer gefruchtet hätten.

Fällt der Begriff Aufklärung, ist die Videoüberwachung ein gerne aufgegriffenes Thema. Spelthahn erklärte, dass mit Hilfe von Kameras an den Bahnsteigen der Rurtalbahn der dortige Vandalismus zurückgegangen sei und Fahrgäste positiv auf die Maßnahme reagiert hätten.

Daraus resultiert, dass er in Gesprächen stehe, um an „signifikanten Punkten, wo die Verunsicherung der Bürger greifbar ist“, ebenfalls Kameras zu installieren. Im Gespräch seien zum Beispiel der Dürener Rathausvorplatz und der Römerpark in Aldenhoven, in dem kürzlich ein 80-Jähriger in seinem Elektroscooter massiv bedroht und ausgeraubt wurde. „Wir sind aber weit davon entfernt, Kameras großflächig einzusetzen.“

„Großteil geht in die Niederlande“

Jörg Malejka sagte mit Blick auf die Autodiebstähle, deren Zahl um 34 auf 145 gestiegen ist, dass der Kreis Düren auch „ein Stück weit“ von den BMW-Diebstählen betroffen sei, die im Kreis Heinsberg drastisch zugenommen haben. Dort hatten Diebe es in 89 von 193 versuchten oder erfolgreichen Diebstählen auf die bayerische Marke abgesehen. „Zwischen Juni 2016 und Februar 2017 wurden im Kreis Düren 78 BMW gestohlen“, sagte Malejka. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Großteil in die Niederlande gegangen ist.“

Gesunken ist die Zahl der Straftaten, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahre begangen wurde: Erstmals seit zehn Jahren sind es mit 1883 (minus 243) weniger als 2000. Das macht von allen erkannten Tatverdächtigen einen Anteil von rund 22 Prozent aus.

Angesprochen auf mögliche Clan- und Familienstrukturen im Kreis Düren – die infolge des Fußballspiel-Überfalls und der Übergriffe im Grüngürtel zum Thema wurden – sagte Wolfgang Spelthahn, dass die Entwicklungen nicht so seien wie in Großstädten. Da alle Täter dieser Vorfälle ermittelt worden sind, erhofft sich Spelthahn nun aber ein „deutliches Zeichen“ der Justiz, um „kein falsches Signal“ an die Bürger zu senden.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert