Kreis Düren - Kreis Düren: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“

Kreis Düren: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
5759945.jpg
Die Ringofenanlage von „Peill & Putzler“ ist ein Stück Industriegeschichte. Dort wird sich das „Wirtschaftsforum“ mit Zukunftsthemen beschäftigen. Wirtschaftsfördererin Anette Reinholz und Hausherr Gerd Pelzer wollen mit der Veranstaltung einen Impuls geben. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Was macht den Kreis Düren aus? Wo liegen seine Stärken? Und wie behauptet sich der Kreis im Wettbewerb der Regionen um Facharbeiter, kreative Köpfe und die Ansiedlung von Unternehmen? Diese Fragen beschäftigen die Teilnehmer des „Wirtschaftsforums“ in der Dürener Glashütte am kommenden Dienstag.

Unsere Zeitung hat sich im Vorfeld der Veranstaltung mit Wirtschaftsfördererin Anette Reinholz aus dem Kreishaus und dem Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer über „Standortmarketing“ unterhalten. „Kölner wissen beispielsweise gar nicht, was es vor ihrer Haustür im Kreis Düren gibt. Dies sollte man ändern“, unterstrich Gerd Pelzer die Notwendigkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken – und sich durchaus selbstbewusst zu präsentieren.

Wo liegt die Stärke des Kreises Düren?

Reinholz: Der Kreis Düren liegt mitten in Europa. Allerdings sagt Ihnen jeder Wirtschaftsförderer, dass seine Stadt oder seine Region mitten in Europa liegt. Ganz egal, wo Sie fragen.

Und wo liegt jetzt genau die Stärke des Kreises Düren?

Reinholz: (lacht) Der Kreis Düren liegt mitten in Europa.

Gut zu wissen. Und was heißt das konkret?

Reinholz: Die Verkehrsanbindung des Kreises ist hervorragend. Wir haben das Forschungszentrum in Jülich und eine ausgeprägte Wissenschaftslandschaft im Nordkreis. Es gibt die Papierindustrie in Düren, es gibt Flächengemeinden ebenso wie pittoreske Eifelstädtchen. Die Bandbreite ist enorm. Sie ist größer, als ich am Anfang meiner Arbeit erwartet hätte. Es muss uns gelingen, diese Potenziale den Menschen im Kreis Düren ebenso in die Köpfe zu bringen wie den Menschen, die wir gerne in den Kreis Düren holen möchten.

An anderen Orten klappt das offensichtlich sehr gut. In Bergheim wachsen die Industrie- und Gewerbegebiete, ebenso in Euskirchen. Und im Kreis Düren?

Pelzer: Man könnte dieser Liste auch noch Grevenbroich hinzufügen. Das sind alles Orte, die stark gewachsen sind, die uns mittlerweile vielleicht sogar einen Schritt voraus sind. Aber wir haben das Potenzial, da gleichzuziehen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.

Mittlerweile gehen Firmen aus Süddeutschland an Dürener Schulen auf Nachwuchssuche. Was wird getan, um unsere Region attraktiv für junge Menschen und auch Fachkräfte zu machen?

Pelzer: Viele Bemühungen auf lokaler Ebene sind bislang nicht gebündelt worden. Kölner beispielsweise wissen gar nicht, was es vor ihrer Haustür im Kreis Düren gibt. Das sollte man ändern. Wir haben auch Pfunde, mit denen wir wuchern können.

Was muss denn ein Standort bieten, um attraktiv zu sein?

Pelzer: Im Kreis Düren haben wir etwas, das es in Düsseldorf und Köln und vielleicht auch in Aachen nicht mehr gibt: Bei uns können junge Familien zu erschwinglichen Preisen ein Haus bauen oder eine Wohnung mieten. Sie können sich einen Lebenstraum verwirklichen, der beispielsweise in vielen Regionen Süddeutschlands kaum noch zu finanzieren ist. Die Großstädte mit ihren Angeboten sind dennoch nicht weit weg, gleichzeitig sind wir umgeben von Natur, der ÖPNV ist gut ausgebaut. Gleichzeitig haben wir viele Unternehmen mit langer Tradition, die es geschafft haben, mit zukunftsorientierten Produkten weltweit erfolgreich zu sein. Das sind doch ein Standortvorteile, an dieser Stelle kommt das Marketing ins Spiel.

Warum erst so spät?

Reinholz: Es ist schon viel in den Köpfen der Menschen bewegt worden. Im Kreis gibt es Wirtschaftsförderung, in den Städten Düren und Jülich ebenso. Die Zusammenarbeit ist gewachsen. Niemand hat den Anspruch, allein alle Aufgaben meistern zu können. Alle Akteure der Wirtschaftsförderung werden in naher Zukunft gemeinsam an einem Tisch sitzen und sich Gedanken über die Entwicklung des Kreises im Ganzen machen. Pelzer: Es gibt viele einzelne Wirtschaftsförderungsgesellschaften im Kreis. Dazu zähle ich auch die Entwicklungsgesellschaft Indeland. Es muss meiner Meinung nach gelingen, dass sich alle als Team begreifen, besser zusammenspielen und gemeinsam auftreten. Was wir brauchen, ist ein Standortbündnis, bei dem von der Agentur für Arbeit bis zur Industrie und zum Handwerk alle mitmachen. Jeder muss über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Dann können wir uns selbstbewusst als Region präsentieren.

Welche Rolle spielt das Wirtschaftsforum dabei?

Reinholz: Wir sehen es als eine Auftaktveranstaltung an. Es gibt mehr als 200 Anmeldungen, davon ein Drittel aus den Unternehmen heraus. Das stimmt mich äußerst positiv. Je mehr Institutionen und Unternehmen sich beteiligen und einbringen, desto stärker kann sich der Kreis Düren nach außen präsentieren.

Wo sehen Sie konkrete Vorteile einer besseren und auf einem breiten Fundament stehenden Außendarstellung?

Pelzer: Der Kreis Düren und besonders die Stadt Düren ist Schnittstelle zwischen dem Oberzentrum Aachen und der Metropole Köln. Das eröffnet uns große Chancen, die wir nutzen sollten. Viele Unternehmen, die expandieren möchten, stoßen bei Grundstücken an ihre Grenzen. Wir haben die Flächen. Reinholz: Auch die Infrastruktur. ist vorhanden. Damit meine ich Autobahnen ebenso wie das Angebot an Schulen und Freizeitmöglichkeiten. Nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für deren Mitarbeiter kann es interessant sein, sich außerhalb des Speckgürtels der Großstädte nach Alternativen umzusehen.

Welche Schwachpunkte gibt es, an denen gearbeitet werden muss?

Reinholz: Es gibt noch Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Ich sehe noch großes Potenzial in der Ansiedlung von kreativen Köpfen, einer Kreativwirtschaft. Die Pläne, die Gerd Pelzer für das Gelände der ehemaligen Glashütte hat, finde ich faszinierend. Ich glaube sogar, dass diese jungen Unternehmensgründer schon da sind, es muss uns nur gelingen, sie besser anzusprechen, Beratungsangebote besser auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Pelzer: Die geplante Ansiedlung des „Freshman-Institute“ der RWTH in Düren wäre ein bedeutender Schritt für die Stadt. Und wer weiß, ob nicht einige der Studenten nach ihrem Abschluss beschließen, in der Region zu bleiben, hier zu arbeiten oder ein Unternehmen zu gründen?

Welche weiteren Bauarbeiten sind nötig, damit der Kreis Düren wettbewerbsfähig bleibt?

Reinholz: Die Gewerbeflächenentwicklung wird eine zentrale Rolle spielen. Damit einher geht die interkommunale Zusammenarbeit. Wir brauchen weitere Gewerbeflächen. Um ein Beispiel zu nennen: Die Logistikbranche entwickelt sich immens. Davon kann auch der Kreis Düren profitieren. Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in Deutschland generell eine Baustelle. Auch wenn der Bundesfamilienatlas 2012 dem Kreis Düren einige ausgezeichnete Noten gegeben hat, gibt es hier auf weiteren Handlungsfeldern noch Luft nach oben.

Wie kann ein Wirtschaftsforum da helfen?

Reinholz: Es kann Impulse geben, beispielsweise für eine Gründung von Betriebskindergärten. Das ist ein Feld, auf dem die Betriebe im Kreis noch mehr zusammenarbeiten können. Das Ergebnis ist ein sogenannter weicher Standortvorteil, und wird damit zum Standortmarketing. Alleine wird niemand etwas bewegen können. Gemeinsam hingegen geht das gut. Diesen Prozess zu begleiten ist Wirtschaftsförderung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert