Knapp die Hälfte der Bauern im Kreis lebt vom Ackerbau

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
9025675.jpg
Das, wofür Vater Franz Josef Kügelgen (links) 1970 einen Tag benötigte, schafft Sohn Eugen heute in einer Stunde. Rechts Kreislandwirt Erich Gussen. Foto: Gudrun Klinkhammer
9025673.jpg
Landwirtschaft im Jahr 1970: Die Ernte war mit dem technischen Gerät mühsam. Foto: Gudrun Klinkhammer

Kreis Düren. Glückliche Kühe, Hühner und Schweine in herrlicher Natur, umgeben von glücklichen Menschen, die mit historisch anmutenden Maschinen die Stall- und Feldarbeit erledigen – so sieht das Leben auf dem Bauernhof in vielen Köpfen aus.

Die Wirklichkeit ist anders und vermutlich stimmte das entworfene Bild noch nie. Kaum ein Berufsstand wird gerne so idealisiert dargestellt wie der Beruf des Bauern.

Die kämpfen allerdings zunehmend ums Überleben, wie eine aktuelle Zahl deutlich macht: Gab es vor 25 Jahren noch 686.800 bäuerliche Betriebe, sind es heute bundesweit nur noch rund 285.000 Betriebe. Allerdings stieg die Größe der einzelnen Betriebe rasant an. Für den Kreis Düren bedeutet das: 1989 existierten exakt 1678 Höfe, 2013 waren es nur noch 838. 518 Landwirte davon gehen aktuell ihrem Beruf im Vollerwerb nach, die anderen arbeiten als Nebenerwerbslandwirte.

Im Gespräch beleuchteten Kreislandwirt Erich Gussen und die beiden Rommelsheimer Landwirte Franz Josef Kügelgen und sein Sohn Paul Eugen Kügelgen die Entwicklung. Der 68-jährige Franz Josef Kügelgen bewirtschaftete 1970 circa 70 Hektar, sein jetzt 42-jähriger Sohn hat die Fläche inzwischen vervielfacht. Franz Josef Kügelgen bringt den Strukturwandel auf den Punkt: „Es ist schon irre, was mein Sohn heute mit einer Maschine in einer Stunde mäht. Dafür habe ich 1970 mindestens einen ganzen Tag benötigt.“

Gussen wehrt sich generell gegen die Romantisierung seines Berufsstandes, der, wie viele andere Berufe in den vergangenen Jahren ebenfalls, eine rasante technische Entwicklung erlebte. Gussen: „Wir sind genauso Teil der modernen Gesellschaft, wie alle anderen Betriebe.“ Hauptsächlich auf dem technischen Fortschritt basiert der Strukturwandel.

Franz Josef Kügelgen möchte in diesem Zusammenhang klarstellen: „Früher war nicht alles besser.“ Zwar wären die Bauern vor mehreren Jahrzehnten mit zehn Kühen im Stall „hingekommen“, doch hätten die Tiere nicht komfortabler als heute gelebt. Er erinnert sich mit zusammen gezogenen Brauen: „Die Tiere standen über den Winter in der Regel in engen, dunklen Ställen, sie konnten sich kaum bewegen. Manchen wuchs die Kette im Nacken ein, anderen tropfte ständig Wasser auf den Kopf.“ Heute gebe es Betriebe mit vielen Hundert Tieren, auf deren Wohlbefinden durch entsprechenden Auslauf geachtet würde.

Paul Eugen Kügelgen, der seit Jahrzehnten ausschließlich auf Ackerbau setzt, weiß: „Das Wohlbefinden der Tiere spiegelt sich ja in der Milchproduktion wider.“ Im Kreis Düren gibt es noch 100 Betriebe, die Milchvieh halten.

417 Unternehmen, also fast die Hälfte der Höfe, leben vom Ackerbau. Auch dafür gibt es eine Erklärung: Liegen die Felder nicht gerade in den kalten Höhenlagen der Eifel, dann eignen sie sich ausgezeichnet für den Anbau von Weizen, Gerste, Roggen, Raps und Zuckerrüben.

Mais als Energiepflanze wird im Kreis Düren auf überschaubaren sechs Prozent der Ackerfläche kultiviert. Weiter sorgt der wesentlich intensivere Arbeitseinsatz, den Milchvieh gegenüber dem Ackerbau durch die Melkarbeit fordert, für den zunehmenden Rückgang der Tierhaltung.

Doch auch der politische Wille spielt eine Rolle. So gibt es einen Filtererlass für Schweineställe. Die Filteranlagen sind allerdings so teuer, dass sie sich erst ab einem Bestand von 1500 Schweinen rechnen. Durch derartige Erlasse werden die kleineren Betriebe systematisch kaputt gemacht, wissen die Fachleute.

Mehr Flexibilität

Mehr Flexibilität wünschen sich die Landwirte etwa bei Verordnungen, die die Wetterabhängigkeit nicht berücksichtigen. Gussen: „Nach wie vor bestimmt das Wetter unsere Arbeit.“ Die Gülleverordnung beispielsweise, die im kommenden Jahr noch verschärft werden soll, schreibt den Bauern vor, wann sie Gülle auszubringen haben. Erich Gussen merkt an: „Man kann die Natur aber nicht in einen Daten-Kalender packen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert