Klimaschutz und Braunkohle: Viele Fragen nach dem „Wie“ und „Wann“

Von: Bruno Elberfeld
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Moderator Walter Jordans, die Expertinnen Anette Anthrakidis und Sara Vollrodt sowie Manfred Maresch (IGBCE), die Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan und Oliver Krischer sowie Landrat Wolfgang Spelthahn (v.l.) beim „Forum Politik“ zum Thema „Klimaschutz versus Braunkohle“. Foto: bel

Kreis Düren. Der Kreis Düren wird seit Jahrzehnten durch die Braunkohle geprägt. Darüber waren sich die Männer auf dem Podium in der Mensa des Stiftischen Gymnasiums beim „Forum Politik“ im Klaren.

In der Diskussionsrunde mit dem Bezirksleiter der IGBCE, Manfred Maresch, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan, dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer und Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) lautete das Thema „Klimaschutz versus Braunkohle“.

Wie stellt man es an, aus der Braunkohle herauszukommen, ohne dass Menschen, deren Familien vom Tagebau abhängig sind, ohne dass der Steuerzahler und ohne dass die Umwelt weiter geschädigt werden? Gewerkschafter Manfred Maresch berichtete, dass viele seiner Kollegen in den Betrieben einfach Angst vor Arbeitsplatzverlust hätten. Denn wie gehe es weiter nach dem Schließen der Kohlekraftwerke?

Wie lange noch?

Und Maresch hatte Fragen an die Politik. Wie lange noch wird Braunkohle abgebaut? Die Bundesumweltministerin, der Bundeswirtschaftsminister, der Bundesfinanzminister und Politiker quer durch die Parteien verwirrten durch unterschiedliche Zeitangaben zwischen 15 und 35 Jahren. Nietan forderte, die Interessenvertreter sollten einander zunächst einmal zuhören. Es gebe viele Möglichkeiten, beim allmählichen Ausstieg aus der Braunkohle zu einem Kompromiss zu kommen.

Um der Sache willen sollten diese Möglichkeiten nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Diese Energiewende ist ein zentrales Projekt für ganz Europa“, stellte der SPD-Bundestagsabgeordnete fest und mahnte, „sowohl die Versorgungssicherung als auch die Preisstabilität im Auge zu behalten“. Grabenkämpfe seien da, fuhr Nietan fort, eher schädlich. Konzepte für den Kreis Düren seien vorhanden, es fehlten nur Koordination und Kooperation.

Krischer zählte die schon erzielten Erfolge auf: Viele Dächer, darunter auch sein eigenes, sind mit Solarzellen ausgestattet. Heute schon würden 36 Prozent der Haushalte mit erneuerbaren Energien versorgt. „Die Rahmenbedingungen werden natürlich in Berlin gemacht“, sagte Krischer, „die Umsetzung findet in den Kommunen statt.“ Krischer hatte auch ein Lob parat. Deutschland, das 2050 keine Braunkohleverstromung mehr haben soll, sei beispielhaft für viele Länder.

Spelthahn bedauerte, dass der Kreis in Sachen erneuerbare Energie noch nicht ganz so weit fortgeschritten sei wie andere Regionen in NRW. Er wies darauf hin, dass die Stelle eines „Klimaschutzmanagers“ ausgeschrieben ist. Die Zusammenarbeit mit der Grünen-Fraktion im Kreistag trage erste Früchte.

Sozialverträglicher Ausstieg

Mit Experten wie der Fachhochschule Aachen an ihrem Jülicher Standort sei der Kreis im Gespräch. Elektrobusse für den ÖPNV seien angedacht, weitere Windradparks in Planung. Der Landrat zeigte sich davon überzeugt, dass sich die Zeit der Braunkohle schneller als gedacht ihrem Ende nähere. Spelthahn wörtlich: „Wir müssen uns auf schnelle Änderungen einstellen!“

Walter Jordans, von der Kreisgruppe Düren des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der die Veranstaltung moderierte, forderte die Unterstützung von Bund und Land, damit Nachfolge-Arbeitsplätze geschaffen werden können. „Ein vorzeitiger Ausstieg muss sozialverträglich geschehen“, verlangte der Moderator. Aber nicht nur das. Auf die aktuellen Auseinandersetzungen bezogen sagt Maresch: „Demonstrationen ja, aber bitte gewaltfrei!“

Aus den Reihen des Publikums wurden weitere Ängste geäußert. Viele Teilnehmer fürchten, dass das Kapital über den Menschen siegt. Andere wiederum, dass die angedachten Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht schnell genug umgesetzt werden. Beschleunigen aber, da waren sich viele Diskutanten einig, würde das Ganze, wenn man sich nicht dauernd gegenseitig bekämpfen würde.

Auf dem Podium jedenfalls, so drückte es ein Besucher später aus, wurde eine große Geschlossenheit deutlich. Der Gedanke an einen „Runden Tisch“ lag förmlich in der Luft.

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