Kita-Personal hat die Grenze der Belastbarkeit erreicht

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
14518214.jpg
Mehr Geld und eine bessere Ausstattung: Damit in den Kitas wirklich optimal gearbeitet und die Anforderungen des Kinderbildungsgesetzes erfüllt werden können, fordern die Verantwortlichen mehr Geld und eine bessere Ausstattung der Kindertagesstätten. Foto: Imago/ZUMA Press
14519111.jpg
Haben einen Brief an alle Landtagskandidaten im Bistum Aachen geschrieben: Iris Kirch, Alice Teeuwen, Thomas Pick, Guido Peterhoff und Hans-Otto von Danwitz (von links). Foto: kin

Kreis Düren. „Unser Berufsstand hat viel zu lange geschwiegen und immer alles geschluckt. Irgendwann muss Schluss sein.“ Iris Kirch leitet das Familienzentrum „Maria Goretti“ in Nideggen und weiß genau, wovon sie spricht. „Die Anforderungen an die Kindertagesstätten sind in den vergangenen Jahren immer höher geworden.“

„Viele Dinge haben wir ohne viel Aufhebens geregelt. Aber das geht jetzt nicht mehr. Wir sind an unserer Belastungsgrenze angekommen“, so sagt sie weiter.

Um mehr Bewusstsein für die Situation in den Kindertagesstätten zu schaffen, hat die „Diözesanarbeitsgemeinschaft der Katholischen Kindertageseinrichtungen im Bistum Aachen“, deren Vorsitzender der Dürener Pfarrer Hans-Otto von Danwitz ist, einen Brief an alle Landtagskandidaten im Bistum geschrieben. Darin werden die Situation in den Kitas beschrieben und konkrete Forderungen gestellt.

300 der insgesamt 342 katholischen Kindertagesstätten im Kreis Düren sind in der Arbeitsgemeinschaft organisiert. Thomas Pick, Geschäftsführer von „Profinos“, Träger von 39 katholischen Kindertagesstätten in der Region Düren/Eifel, erklärt: „Die katholische Kirche ist der größte Kita-Träger im Kreis Düren. Das, was wir in unserem Brief an die Landtagskandidaten formulieren, betrifft aber alle andern Kindertagesstätten genauso. Es ist uns wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen. Und es ist schön zu sehen, dass die Belange der Kitas im Wahlkampf angekommen sind.“

Thomas Pick nennt zwei ganz konkrete Probleme: „Der Anteil der Kinder, die jünger sind als drei Jahre, hat sich in den vergangenen Jahren vervierfacht. Ebenso wird die Übermittagsbetreuung immer stärker nachgefragt. Mittlerweile essen über 90 Prozent der Jungen und Mädchen in unseren Kindergärten zu Mittag.“ Und das, ohne dass es in den meisten Einrichtungen eine Mensa oder zumindest einen Speisesaal gibt. „Wir haben das einfach geregelt“, sagt Iris Kirch. „Zusätzlich zu unserer normalen Arbeit.“

Darüber hinaus, betont Kirch weiter, sei auch die Verwaltungsarbeit immer mehr geworden. „Wir verbringen unglaublich viel Zeit damit, Anträge zu stellen. Zum Beispiel für Eltern, die einen Essenszuschuss brauchen.“ Im Umkehrschluss bedeutet das, dass für die Arbeit mit den Kindern immer weniger Zeit übrig bleibt.

Ebenfalls ein Problem ist die Inklusion. Alice Teeuwen, Fachreferentin beim Caritasverband für das Bistum Aachen: „Früher gab es integrative Einrichtungen. Heute sind die fast vollständig aus der Kita-Landschaft verschwunden. Und in vielen Kitas fehlen einfach die Fachkräfte für die Betreuung der Kinder mit Handicap.“ Zudem seien Inklusionshelfer schwer zu finden, auch weil deren Finanzierung von Kommune zu Kommune unterschiedlich geregelt sei. Teeuwen: „Da brauchen wir unbedingt eine einheitliche Lösung.“

Was die Experten sich wünschen: mehr Geld für eine bessere Ausstattung der Kitas, mehr Fachpersonal und vor allen Dingen mehr Planungssicherheit. Guido Peterhoff von der Genossenschaft der Cellitinnen zur Heiligen Gertrud in Düren, unter anderem Träger der Kita „Maria Goretti“ in Nideggen: „Es gibt immer wieder gute Förderprogramme, die aber leider befristet sind, so dass wir nicht wirklich verlässlich planen können.“

Weiteres Problem dieser Programme ist, dass die Träger der Kitas oft einen Eigenanteil zahlen müssen. Thomas Pick: „Und das können wir häufig nicht mehr, weil unsere Rücklagen aufgebraucht sind.“

Fortbildung

„Das Kinderbildungsgesetz“, ergänzt Teeuwen, „beschreibt sehr konkrete Anforderungen an die Kitas. Und das ist ja auch grundsätzlich gut. Die Einrichtungen brauchen aber auch die Mittel, um diese Anforderungen umzusetzen.“ In dem Zusammenhang seien auch Fortbildungen sehr wichtig. Teeuwen: „In fast allen Einrichtungen werden mittlerweile Flüchtlingskinder betreut, die noch einmal eine ganz eigene Geschichte, ein eigenes Schicksal haben. Um das bewerkstelligen zu können, brauchen unsere Mitarbeiter einfach mehr Wissen.“

Mit ihrem Brief wollen die Mitglieder der Diözesanarbeitsgemeinschaft den Finger in die Wunde legen. Alice Teeuwen: „Bildung fängt bei null Jahren an. Wir haben in Deutschland nicht viele Ressourcen. Deswegen müssen wir in Bildung investieren. Das, was im Kindergarten passiert, ist die Basis für das weitere Leben.“

Einige Landtagskandidaten haben auf den Brief bereits geantwortet, andere haben das persönliche Gespräch gesucht. „Die Resonanz auf das Schreiben ist durchweg positiv“, sagt Hans-Otto von Danwitz. „Das Thema ist bei den Politikern angekommen, damit haben wir schon viel erreicht.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert