Kreis Düren - Keine massiven Drogenprobleme auf Schulhöfen

Keine massiven Drogenprobleme auf Schulhöfen

Von: Anne Wildermann und Natalia Peters
Letzte Aktualisierung:
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Laut einer Statistik des Landeskriminalamts in NRW haben die Drogendelikte an Schulen wie Cannabis rauchen oder verkaufen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Foto: Daniel Karmann/dpa

Kreis Düren. Drogendelikte auf den Schulhöfen weiterführender Schulen im Kreis Düren sind aus statistischer Sicht kein Problem. Zwar erfasste die Polizei im Jahr 2015 18 Fälle und 2014 13, allerdings verteilt auf 25.298 Schüler. Also sind nur 0,07 Prozent bei der Polizei aktenkundig geworden.

Das Landeskriminalamt und das NRW-Innenministerium zeichnen auf den ersten Blick ein düsteres Bild. Hintergrund ist eine aktuelle Statistik, die besagt, dass Rauschgiftdelikte in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen hätten. 2011 waren es noch 348 Fälle und 939 im Jahr 2015 – trotz Suchtprävention.

Vergleicht man die Fallzahlen mit dem Kreis Düren, ergibt sich ein marginaler Unterschied. In NRW gingen im Schuljahr 2015/2016 1 837 621 Schüler auf eine weiterführende Schule. Nur 0,05 Prozent sind betroffen. Eine Sprecherin der Polizei Düren betont, dass es bei diesen Delikten eine Dunkelziffer gebe. „Das, was im Verborgenen passiert oder nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht wird, fließt in die Dunkelziffer mit ein.“ Beispiel: Sollte ein Schüler von einem Lehrer erwischt und intern sanktioniert werden, erfährt die Polizei nichts davon.

Synthetische Drogen

Des Weiteren handelt es sich beim Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz um sogenannte Kontrolldelikte. „Es muss gezielt nach den Verstößen geschaut werden. Wenn jemand davon nichts mitbekommt und nichts meldet, tauchen die Fälle nicht in der Statistik auf“, sagt die Polizeisprecherin. Aus dem Grund wurden beispielsweise im Jahr 2011 nur sechs Fälle verzeichnet. Zum Großteil handelte es sich bei den Delikten im Jahr 2015 um den Besitz von Cannabis. 2014 wurde in drei Fällen mit Drogen auf dem Schulhof gehandelt: zweimal mit Cannabis und einmal mit einer synthetischen Droge.

„Es ist wichtig, bei dem Thema Drogendelikte an Schulen nicht mit Panik zu reagieren, sondern sich besonnen damit auseinanderzusetzen. Und schon gar nicht sollte man aufgrund solcher Zahlen die Prävention infrage stellen oder gar schlechtreden“, sagt Inge Heymann, Leiterin der Einrichtung Sozialpädagogisches Zentrum in Düren (Drogenberatung) und relativiert die Interpretation der Statistik des Landeskriminalamtes. Wichtig sei für Heymann, die Zahl der Drogendelikte nicht mit dem Anstieg der Konsumenten gleichzusetzen. „Im Kreis Düren waren 2015 von 983 jugendlichen Klienten bei der Drogenberatung Düren 121, die einen missbräuchlichen Umgang mit Cannabis hatten. 2014 waren es 99 von 931 Klienten.“ Wie viele Jugendliche insgesamt kiffen, ist unklar.

Claudia Füllung, Schulleiterin des Gymnasiums am Wirteltor, kann an ihrer Schule ein Problem mit Drogendelikten nicht bestätigen, sagt sie jedenfalls. „Seitdem ich an der Schule bin, musste die Polizei wegen Drogendelikten noch nicht kommen. Ich achte sehr darauf, was an unserem Gymnasium passiert. Hingucken ist dabei sehr wichtig.“ Um den Missbrauch von Drogen vorzubeugen, bietet die Schule mit der Lehrerin Judith Riebe seit 2012 Präventionshilfe an. „Ziel ist, dass jedes Kind an unserer Schule Wissen über Suchtmittel, Suchtentstehung und Suchtverlauf vermittelt bekommt“, sagte Riebe. Im Februar veranstaltet das Gymnasium einen Workshop für die 9. Jahrgangsstufe zum Thema „Illegale Drogen“.

Warum Schüler dennoch kiffen oder Pillen nehmen, dafür hat Niklas Schörmer, stellvertretender Schülersprecher am Wirteltor-Gymnasium, eine Erklärung: „Ich denke, dass Schule und der damit verbundene Notendruck sich auf den Drogenkonsum bei Schülern auswirken können.“ Nichtsdestotrotz schätzt die Schülervertretung die Präventionsangebote sehr, bezweifelt aber, dass sie „im Endeffekt immer die gewünschten Resultate erzielen“, sagt Schörmer.

Ebenfalls keine Probleme mit Drogenkonsum und -handel gibt es am Burgau-Gymnasium laut Schulleiter Arno Schneider. „Aus meiner Sicht kann ich die in der Presse berichtete Zunahme des Drogenmissbrauchs nicht bestätigen. Wie jede Schule haben wir dennoch ein Drogenpräventionskonzept.“

„Wir können zurzeit die auf Zahlen der Landeskriminalämter beruhenden Meldungen über einen zum Teil drastischen Anstieg der Drogendelikte in Bezug auf das Schulzentrum Kreuzau nicht bestätigen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Wolfgang Arnoldt, Schulleiter des Gymnasiums Kreuzau, Andrea Volk, Schulleiterin der Sekundarschule Kreuzau-Nideggen und Sigrid Nather, Schulleiterin der Realschule Kreuzau. „Unser Eindruck deckt sich eher mit Erkenntnissen aus der Suchtforschung, wonach ‚insgesamt weniger gekifft‘ wird“, heißt es weiter. Dennoch sind sich die drei Schulleiter bewusst, „dass auch unsere Schülerinnen und Schüler davon nicht ausgenommen sind“, wenn es um den Konsum von illegalen Drogen geht.

Regelmäßige Treffen

Seit Ende 2014 gibt es am Schulzentrum Kreuzau einen Runden Tisch. An den setzen sich Vertreter des Schulträgers, der örtlichen Polizei, Prävention und Opferschutz der Kreispolizei, die Schulleitungen sowie Schulsozialarbeiter und tauschen sich aus, um Präventionsangebote zu entwickeln. Das nächste Treffen ist am 16. Februar.

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