Kann ich die Enkel noch zur Schule fahren?

Von: Sarah Maria Berners
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Mit 96 Jahren noch immer gut gelaunt am Steuer: Dieser Mann ist allerdings in den USA unterwegs. Die älteste Teilnehmerin eines Verkehrssicherheitskurses für Menschen ab 60 Jahren in Düren war 92 Jahre alt. Foto: stock/ZUMA Press
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Ralf Broichgans leitet Verkehrsseminare für Senioren. Foto: smb

Kreis Düren. Ein 83 Jahre alter Autofahrer hat beim Abbiegen eine 20 Jahre alte Frau aus Merzenich übersehen, ein 82-Jähriger erfasst mit seinem Auto eine Mofafahrerin, eine 71 Jahre alte Frau übersieht einen Passanten, der an einer Ampel einen Fußgängerweg überqueren wollte. Meldungen über diese drei Unfälle waren allein im Februar in unserer Zeitung zu lesen. Die Redaktion hat dies zum Anlass für ein Gespräch mit der Polizei genommen.

Die meisten Unfälle im Kreis Düren werden von Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren verursacht, die jedoch auch die größte Fahrergruppe stellen. Es folgen die jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) und erst dann die Senioren (ab 65 Jahre), was jedoch laut Statistischem Bundesamt auch daran liegt, dass weniger Senioren am Steuer unterwegs sind.

„Bisher tauchen die Senioren in der Unfallstatistik als Unfallbeteiligte zwar auf, sind aber unterproportional vertreten“, sagt Ralf Broichgans. „Doch ihre Zahl wächst und daher werden sich auch die Zahlen verändern“, fügt der Hauptkommissar hinzu.

Laut Statistischem Bundesamt waren 2014 bei den Senioren Vorfahrtsfehler die häufigste Unfallursache bei den Senioren, es folgten „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ei- und Ausfahren“. „Diese beiden Unfallursachen wurden den Senioren wesentlich häufiger angelastet als im Durchschnitt der Autofahrer.

Alkoholeinfluss und zu hohe Geschwindigkeit sind hingegen seltener die Ursachen. „Die Unfallursachen deuten somit eher auf altersbedingte Einschränkungen der Wahrnehmungsfähigkeit als auf leichtsinniges Verhalten hin“, heißt es in einem Bericht des Amtes.

Und genauso, wie es Verkehrssicherheitsangebote für Fahranfänger gibt, gibt es bei der Kreispolizeibehörde auch Angebote für die älteren Autofahrer. „Wir wollen damit dem demografischen Wandel Rechnung tragen“, betont Ralf Broichgans, der im Bereich der Unfallprävention arbeitet. In Kursen bringen die Beamten den Menschen noch einmal nahe, was schon viele Jahrzehnte zurückliegt.

„Die meisten haben sich vor 40 bis 50 Jahren zum letzten Mal mit Verkehrsthemen befasst. Da ist eine Auffrischung sinnvoll“, betont Broichgans. Während einer der ersten Kurse vor mehr als zehn Jahren noch auf geringere Resonanz stieß, sind heute alle Termine schnell ausgebucht. „Ein Teilnehmer hat mir seine Motivation mal mit folgenden Worten geschildert: ‚Ich möchte mich selbst überprüfen, ob ich meinen Enkel noch sicher zur Schule bringen kann'“, erzählt Broichgans.

Und deswegen zählt neben theoretischen Einheiten auch ein Fahrsicherheitstraining auf einem Übungsplatz zum Kursprogramm. Darüber hinaus gibt es Informationen zu Verkehrsregeln und rechtlichen Aspekten, zur modernen Autotechnik und vielem mehr. Und auch die körperlichen Veränderungen im Alter werden thematisiert. So falle, weiß der Experte, manchen Senioren der Schulterblick zunehmend schwer.

Einer der Teilnehmer ist Hubert Thelen (77) aus Langerwehe, 1968 hat der seinen Führerschein gemacht und er fährt noch heute gerne Auto – auch weitere Strecken in den Urlaub. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Hubert Thelen. Unsicher hat er sich am Steuer bislang noch nicht gefühlt – und er tut einiges für diese wichtige Sicherheit.

Zum dritten Mal besucht er nun einen Kurs, in Testangeboten einer Zeitschrift überprüft er sein Wissen regelmäßig. „Dieser Kurs, vor allem das Fahrsicherheitstraining, sind sehr hilfreich. Dort können wir Extremsituationen wie eine Vollbremsung üben und uns so vorbereiten“, sagt er. Außerdem würden die Teilnehmer darauf aufmerksam gemacht, auf was sie im Straßenverkehr achten müssen, wo zum Beispiel besonderes Augenmerk auf Radfahrer gelegt werden muss.

„Mobilität ist gerade für ältere Menschen, die auf dem Land leben sehr wichtig“, sagt Broichgans. Busse würden diese Bereiche oftmals nicht abdecken. „Wenn diese Mobilität wegbricht, sinkt die Lebensqualität.“ Genau deswegen seien Angebote wie das der Polizei so wichtig. Sie würden dazu beitragen, dass sich ältere Menschen sicherer im Straßenverkehr bewegen könnten.

„Es gibt Menschen, die zeigen mit 60 schon Unsicherheiten, während es 92-Jährige gibt, die sich sicher im Straßenverkehr bewegen“, sagt Broichgans. Ob Senioren noch aktiv im Autoverkehr dabei sein sollten, sei eine Einzelfallentscheidung, die sich nicht am Alter messen lasse.

In anderen Ländern sind gesundheitliche Tests für autofahrende Senioren bereits üblich. Allerdings kommentieren Dekra und ADAC in Deutschland, dass die Unfallzahlen dadurch nicht gesunken seien. Ein älterer Verkehrsteilnehmer kann in Deutschland seinen Führerschein nur verlieren, wenn er ein konkretes Fehlverhalten an den Tag gelegt hat.

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