Jülich - Jülicher Wölfe sind noch sehr zutraulich

Jülicher Wölfe sind noch sehr zutraulich

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
11523456.jpg
Noch sind Cita und Tobi verspielt und zutraulich. Zooleiter Henri Fischer weiß, dass das nicht so bleiben muss. Foto: Jansen
11523461.jpg
Ganz schön groß geworden, aber noch nicht ausgewachsen: eine der Jülicher Wölfinnen. Foto: Jansen
11523452.jpg
Im Sommer mit zwölf Wochen heulten die kleinen Wölfe schon wie große. Foto: Uerlings

Jülich. Ausgewachsen sind Tobi und Cita noch nicht. Aber sie sind auch nicht mehr wiederzuerkennen. Die beiden jungen Wölfinnen, die seit Pfingsten im Jülicher Brückenkopf-Zoo leben, sind keine flauschigen Wollknäuel mehr.

Acht Monate sind sie jetzt alt, knapp 70 Zentimeter Schulterhöhe haben sie und wiegen etwa 35 Kilogramm. Ein paar Zentimeter und 10 bis 15 Kilogramm fehlen noch. „Aber vom Verhalten her sind sie noch Welpen“, sagt Henri Fischer, der Zooleiter, der die Wölfinnen von Anfang an betreut hat. Das zeigt sich, wenn sich Cita und Tobi den beiden Altwölfen nähern, die im selben Gehege leben, allerdings von einem Zaun getrennt. Dann zeigen die Jungtiere ein unterwürfiges Verhalten.

Wenn Fischer das Gehege betritt, dann ist alles ganz anders. Dann springen Cita und Tobi wild durch die Gegend, springen an ihrem Pfleger hoch, lecken sein Gesicht und wollen spielen. Der Besuch bei Cita und Tobi hinterlässt jedes Mal Spuren bei Fischer. Im Gegensatz zu Hunden wird den Wölfen das Anspringen nicht abgewöhnt. Fischers Dienstkleidung ist danach von oben bis unten verschmutzt. Und sie riecht nach Wolf. Ein Preis, den der Pfleger gerne zahlt.

Ein gedulteter Gast

„Ich bin ein geduldeter Gast bei ihnen“, sagt Fischer und lacht. „Ich bin jetzt seit 27 Jahren Tierpfleger. Aber dass ich mal sowas erleben darf, hätte ich vorher nicht gedacht.“ Die Jung-Wölfinnen wurden von Hand aufgezogen, als sie vier Wochen alt waren, sind sie umgezogen in Fischers Haus, wo sie sechs Wochen gelebt haben. Jede Nacht hat Fischer bei den Wolfswelpen geschlafen. Das sei anstrengend gewesen, weil sie zwei Stunden schlafen und danach aktiv werden. Trotzdem spricht Fischer von einer einzigartigen Erfahrung. Das Resultat: „Sie haben keine Angst vor Menschen“, sagt Fischer. Im Gegenteil.

Am Mittwoch, beim Spielen, haben sie Fischers Kappe stibitzt und sich einen Spaß daraus gemacht, ihr Diebesgut nicht zurückgeben zu wollen. Am Ende war der Pfleger trotzdem schlauer.

Wenn sie keine Kappen klauen, dann wollen die Beiden kuscheln. Sie winseln schon, sobald sie Fischer sehen. Sie wirken wie Hunde, die sich überschwänglich auf ihr Herrchen freuen. „Aber sie sind keine Hunde, das muss man immer bedenken. Es kann sein, dass ihr Verhalten irgendwann kippt. Vielleicht, wenn sie mit zweieinhalb Jahren geschlechtsreif werden“, sagt Fischer. „Dann zeigt sich, ob sie Menschen auch weiterhin dulden.“ Aber vielleicht ändert sich das Verhalten auch nicht. Ein bisschen hofft der Tierpfleger darauf, auch der Momente halber, die er bisher mit den Tieren erlebt hat. „Die Dankbarkeit, die sie zeigen – das ist schon irre.“

Fischer und die anderen Pfleger achten sehr genau darauf, dass Cita und Tobi kein aggressives Verhalten erleben. „Bisher kennen sie so etwas nicht. Und sie sollen es auch nicht kennenlernen.“

Trotzdem gibt es jeden Tag Momente, in denen deutlich wird, dass die Beiden Wölfe sind. Beispielsweise, wenn sie gefüttert werden. Dann ist Schluss mit Spielen, dann verlässt Fischer das Gehege. Der Instinkt, sich so schnell wie möglich so viel Fressen wie möglich zu sichern, bricht durch, die beiden Schwestern werden zu Konkurrentinnen. Bis der Fressnapf, aus dem der Pfleger ihnen zuwirft, leer ist.

Einen Wunsch hat Henri Fischer mit Blick auf die Wölfinnen. „Ich gehe in 17 Jahren in Rente. Wölfe, die nicht in Freiheit leben, können durchaus 16, 17 Jahre alt werden. Vielleicht gehen wir dann zusammen in Rente“, sagt er.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert