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Jülicher Forscher können auch Bier brauen

Von: Katharina Menne
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Sie gehören zu den Jülicher Forschern, die mit Bier experimentieren: (v.l.n.r) Holger Morschett, Viola Pooth, Ramona Kloß, Reinhard Oeggl und Niklas Tenhaef. Foto: Katharina Menne

Kreis Düren. Ein bisschen Malz, ein paar Hopfendolden, ein großer Topf, ein Gaskocher, Hefe und etwas Wasser – fertig ist das Bier. So ähnlich besagt es das deutsche Reinheitsgebot, das am Sonntag vor 501 Jahren erlassen wurde. Deswegen ist am 23. April immer der „Tag des deutschen Bieres“.

Doch ganz so einfach ist es mit dem Bierbrauen nicht. „Alleine das Wasser und die Temperatur, auf die man das geschrotete Malz zu Beginn erhitzt, tragen ganz entscheidend zum Geschmack bei“, erklärt Niklas Tenhaef. „Von der geschmacklichen Vielfalt der Hopfen- und Malzsorten ganz zu schweigen.“

Zusammen mit etwa zehn weiteren Doktoranden aus dem Forschungszentrum Jülich hat sich der 28-Jährige in die Geheimnisse des Bierbrauens vertieft. Seit 2012 versorgt das „JuBräu“-Team in wechselnder Besetzung interne Institutsfeiern mit dem selbstgebrauten Gerstensaft.

Alle Mitglieder promovieren in der Biotechnologie. „Schon im Grundstudium lernen Biotechnologen, dass die Biergärung ein mikrobiologischer Prozess ist. Da liegt es nahe, es selbst auszuprobieren“, sagt Tenhaef. Zur Arbeit im Labor sei das Bierbrauen eine willkommene Abwechslung; und letztlich auch ein großes Experiment. „Wir haben schon alle möglichen Biervarianten gebraut, die sich mit obergäriger Hefe herstellen lassen“, sagt Viola Pooth. Dazu zählen zum Beispiel Kölsch, Alt, Weizen und die vielen englischen Ale-Varianten.

Viel Experimentierfreude

„Seit Kurzem probieren wir uns auch an untergäriger Hefe, mit der man Pils oder Exportbier brauen kann“, sagt die 29-Jährige. Das Problem dabei sei bloß, dass untergärige Hefe tiefe Temperaturen braucht. In dem Kellerraum, der den Hobbybrauern auf dem Forschungscampus zur Verfügung steht, herrschen jedoch relativ konstante 17 Grad. Eine geeignete Kühlung muss also her.

Doch auch das zeugt von der Experimentierfreude, die die JuBräuer an den Tag legen. „Am Anfang haben wir uns noch an Standardrezepten aus dem Internet entlang gehangelt“, erzählt Tenhaef. Doch irgendwie erwache im Wissenschaftler schnell die Lust daran, die verschiedenen Parameter zu variieren, um herauszufinden, wie das den Geschmack und die Qualität beeinflusst. „Heraus kommt auch mal die ein oder andere ungenießbare Komposition“, sagt er lachend.

Ihr Equipment haben die jungen Wissenschaftler mit der Zeit weiterentwickelt. Angefangen haben die „JuBräu“-Gründer 2012 noch mit einem Starterset, wie man es im Internet ganz einfach kaufen kann. Doch nach und nach, als die Mengen größer wurden, mussten größere Töpfe, bessere Rührgeräte und professionellere Werkzeuge her. „Vieles hier ist Marke Eigenbau“, sagt Niklas Tenhaef. So treibt etwa eine Bohrmaschine die Malzmühle an und ein kleiner Labormotor den Rührstab.

Auch ungewöhnliche Rezepte

Doch genau das macht für die „JuBräuer“ den Reiz aus. „Wir können hier unglaublich kreativ sein“, sagt Viola Pooth. „Wir haben mittlerweile Hopfensorten aus Australien und den USA verarbeitet, Röstmalz in unterschiedlichen Varianten verwendet und auch technische Probleme gemeinsam mit tollen Ideen gelöst.“

Der größte Erfolg bislang war, als „JuBräu“ im Jahr 2014 den internationalen Brauwettbewerb der Technischen Universität Hamburg gewonnen hat – mit einem Mojito-Bier passend zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Die Doktoranden haben dafür eine Hopfensorte mit Minzgeschmack verwendet.

Meist halten sie sich strikt an das deutsche Reinheitsgebot und verwenden nur die zulässigen Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Doch hin und wieder werden die liebevoll „Experimentalsud“ genannten Gebräue auch mal mit Gewürzen oder Kräutern verfeinert. „Wir dürfen das hier im Keller gebraute Bier ja eh nicht verkaufen, sondern nur verschenken“, sagt Viola Pooth. „Dann kann man ja auch mal ungewöhnliche Rezepte ausprobieren.“

Fünf der Wettbewerbsgewinner von 2014 sind so sehr auf den Geschmack gekommen, dass sie sogar eine eigene Firma gegründet haben: „RheinCraft“. Die „Frohnatur“, wie Viola Pooth, Andreas Radek, Michael Limberg, Joachim Koepff und Holger Morschett ihr Bier getauft haben, findet man in Köln und auch in Aachen bereits in einigen Craft-Beer-Läden.

Zunächst noch lokal in Linnich-Welz in der Privatbrauerei Rainer gebraut, mussten sie mittlerweile auf eine Brauerei im westfälischen Hagen ausweichen, weil die Produktion in Linnich eingestellt werden musste: Der Besitzer ging in Rente.

Noch in diesem Sommer will „RheinCraft“ eine neue Sorte auf den Markt bringen. Was es für ein Bier es ist und wie es schmeckt, ist allerdings noch ein gut gehütetes Geheimnis.

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