„Industrie 4.0“: Die Digitalisierung der Produktion steht im Mittelpunkt

Von: Stephan Johnen
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Professor Dr. Günther Schuh (links) ist der Einladung von Dr. Stephan Kufferath (rechts) und Hans-Helmuth Schmidt zur Jahreshauptversammlung der Vereinigten Industrieverbände gefolgt. Im Winkelsaal von Schloss Burgau sprach er über die Digitalisierung der Produktion. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Das Bruttoinlandsprodukt legt zu, der Arbeitsmarkt ist in einer äußerst robusten Verfassung. „Auch unsere Mitgliedsunternehmen sehen positiv in die Zukunft“, sprach Dr. Stephan Kufferath von einer Stimmungsaufhellung seit Herbst.

Der Vorsitzende der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung (VIV) zeichnete bei der Jahreshauptversammlung im Winkelsaal von Schloss Burgau ein positives Bild, betonte aber, wie wichtig es gerade in guten Zeiten sei, sich für die Zukunft zu wappen.

Eine der „größten Herausforderungen“ sei dabei die Energiewende. „Dieser deutsche Sonderweg bedeutet für Industrie und Verbraucher zusätzliche Lasten“, fand er deutliche Worte. Dass infolge der Energiewende „in der Summe Arbeitsplätze gewonnen werden, glaubt heute auch keiner mehr“. Auch bei sozialpolitischen Themen habe die Bundesregierung die falschen Prioritäten gesetzt.

„Mit der Mütterrente und der abschlagsfreien Rente mit 63 hat die Regierung auf Umverteilung gesetzt. Das wird uns in einigen Jahren noch teuer zu stehen kommen“, bilanzierte er. Die Rente mit 63 sei zudem ein „klassisches Eigentor bei der Gestaltung des demografischen Wandels“. Weitere Kritik gab es an der „Überregulierung des Arbeitsmarktes“, bei der Frage der Werksverträge und Zeitarbeit sei er „besorgt, was noch passieren wird“. Die aktuelle Diskussion zur Reform der Erbschaftssteuer stelle eine Gefahr für den Erhalt „lokaler, unabhängiger Familienbetriebe“ dar.

Der VIV-Vorsitzende warnte davor, sich angesichts sprudelnder Gewinne vieler DAX-Unternehmen falsche Vorstellungen von der Lage der mittelständischen Unternehmen zu machen. In der deutschen Vorzeigebranche, der Metallindustrie, schreibe jedes dritte Unternehmen Verluste, betonte Kufferath. „Diesen Unternehmen fehlt schlichtweg das Geld, in neue Maschinen und Produkte zu investieren“, warnte er vor einer „Überforderung eines nicht unerheblichen Teils der deutschen Unternehmen“.

Ein wichtiges Thema der kommenden Jahre sei „Industrie 4.0“, die Digitalisierung der Produktion, eine Herausforderung auch für kleine und mittelständische Unternehmen. „Nur wer die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, kann dauerhaft am Markt bestehen“, ist Kufferath überzeugt.

Mit Professor Dr. Günther Schuh, Direktor des Werkzeugmaschinenlabors der RWTH Aachen und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie, haben die Industrieverbände einen ausgewiesenen Experten als Festredner gewinnen können, der die Vertreter der Mitgliedsunternehmen Chancen und Risiken der digitalisierten Produktion aufzeichnete. Das automatische und umfassende Erfassen aller Daten aus der Produktion biete Unternehmen „vorher noch nie dagewesene Möglichkeiten zur Steigerung der Produktivität in Produktion und Entwicklung. Eine ständige Analyse, automatische ermögliche es, Fehler schnell zu finden – und eine Art lernende Fabrik zu betreiben. „Es geschehen täglich Hunderte Fehler, die wir nicht einmal bemerken“, ist Schuh überzeugt. Deutschland müsse seine Pole-Position nutzen, um diese „verdichtete Erfahrung“ selbst auf dem Markt zu verkaufen und dafür Geschäftsmodelle zu entwickeln. Andernfalls bestehe die Gefahr, überholt zu werden. „Jetzt ist die Zeit, um zu investieren“, appellierte Schuh an die Unternehmer.

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