Indeland: Szenarien voller Ängste und Hoffnungen

Von: ptj
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Die Kathy-Beys-Stiftung spannt Szenarien in einem Koordinatensystem mit vier Quadranten: Wirtschaftsingenieur Klaus Dosch erläutert das Prozedere. Foto: Jagodzinska

Inden/Altdorf. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Auch nicht die Aachener Kathy-Beys-Stiftung. Ihr gelang es aber, Trends zu analysieren und 40 Jahre „nach vorne zu extrapolieren” - auf der Grundlage von etwa 70 ausführlichen Interviews, die Ängste und Hoffnungen der Indelandbewohner offenbarten.

Die so entstandenen Szenarien stellten Stiftungspräsident und Mitbegründer, Diplom-Volkswirt Stephan Baldin und sein Mitarbeiter, Wirtschaftsingenieur Klaus Dosch, einem interessierten Publikum im Rathaus Inden/Altdorf vor.

Aus seiner Feder stammt das Szenario „Ellbogenland”, in das er das Publikum „eintauchen” ließ: Die Indelandbewohner besinnen sich infolge der Krise auf ihre eigenen Kräfte, die Macher in der politisch veränderten Landschaft weisen die Richtung. Erste Erfolge geben ihnen Recht: Ein 50.000 Quadratmeter großes „Technic-Sports-Outlet-Center” und ein Schwimmleistungszentrum in Jülich sowie ein gigantisches Lebensmittelerzeugungscenter und ein Golfplatz in Aldenhoven, nicht zu vergessen eine florierende Attraktionsmeile rund um den Indemann.

Durch mangelnde Koordination entstehen jedoch Konflikte, so will 2023 zum Beispiel das „Jupiter-Outlet-Center” in Düren verlorenes Terrain zurückgewinnen und treibt damit seinen Jülicher Konkurrenten in den Ruin. Vielleicht zu spät erkennt die Region, dass sie ihr Kapital verspielt.

Ein Detail in der spannenden wie amüsanten Geschichte ist die Tatsache, dass 2030 die Braunkohlenbagger still stehen, das Kraftwerk Weisweiler auf Gas umgestellt ist und 2031 feststeht, dass die Rekultivierung des Tagebaus Inden II mindestens zehn Jahre länger dauern wird. „Neuland” heißt das augenscheinlich von den meisten Zuhörern favorisierte Szenario: In der Not der Krise besinnt sich die Region auf ihre eigenen Kräfte und entwickelt unkonventionelle Ideen. Es entsteht ein äußerst mühsamer, aber sehr nachhaltiger Aufschwung.

Die Alternative, „was wir schon ein kleines bisschen sind”, wie Baldin betonte, ist das „Förderland”: In der Modellregion Inden werden Ansätze zur Krisenbewältigung verwirklicht. Es geht bergauf, weil jede Menge Fördermittel für intelligente Projekte hineingepumpt werden, die Region hangelt sich von einem zum anderen. Das Ende bleibt allerdings offen: „Was passiert, wenn die Fördertöpfe leer sind?”

Das zumindest auf den ersten Blick negativste Szenario heißt „Abendland”: Das Indeland setzt auf die bewährten Energien Stein- und Braunkohle, wozu Zukunftsvisionen vertrauen? So erleben die Menschen mit der nachlassenden Kohleförderung einen langsamen, aber steten Abstieg, arrangieren sich jedoch damit. Es entsteht eine Renaissance der Schrebergärtenkolonien und des Urlaubs daheim.
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