In der Zelle gibt es Vollpension mit Plastikbesteck

Von: Sarah Maria Berners
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Der Wachhabende ist der Herr über die Schüssel und unterstützt die Kollegen, die gerade eine Person in Gewahrsam genommen haben. Foto: smb

Kreis Düren. Warum die Türen im Zellentrakt der Dürener Kreispolizeibehörde blau sind, weiß niemand so genau. Farbpsychologische Gründe sollen keine Rolle gespielt haben. Die Farbe der Türe korreliert jedoch häufig mit dem Zustand der Person, der die schwere Tür hinter sich ins Schloss fallen hört und es sich dort bis zur Ausnüchterung mehr oder weniger bequem machen darf.

Die sechs Zellen im Gebäude an der Aachener Straße sind nicht gerade wohnlich eingerichtet. Eine Pritsche, geflieste Wände. Das war es schon. Sie haben nicht viel mit Gefängniszellen gemeinsam, schließlich sind sie auch nicht für einen dauerhaften Aufenthalt gemacht. „Wir dürfen die Menschen hier nur bis zum Ende des folgenden Tages, also maximal 47 Stunden und 59 Minuten in Gewahrsam nehmen“, erklärt Wachleiter Uwe Drechsler. Anschließend müssten sie einem Richter vorgeführt werden, der dann bestimmt, ob eine Person in eine Justizvollzugsanstalt überführt werden muss.

Hilflose und betrunken

Hinter den blauen Türen landen Straftäter wie Einbrecher, Drogenkonsumenten und Dealer. Dort werden Menschen vorerst festgehalten gegen die bereits ein Haftbefehl vorliegt und solche, die hilflos, vielleicht betrunken, auf der Straße aufgefunden werden. Von diesen hilflosen betrunkenen Personen gibt es Karneval sogar so viele, dass die Polizei weitere Zellen im Amtsgericht nutzt.

Wer in die Zelle kommt, muss vorher alles abgeben, womit er sich selbst gefährden könnte. Dafür werden die Personen intensiv durchsucht. Drogen, Feuerzeuge und Waffen nehmen die Polizisten natürlich in Obhut, aber auch Gürtel zählen dazu und Schmuck, den Menschen verschlucken könnten. Dafür bekommt der Insasse „Vollpension“ – eine Catering-Firma liefert auf Bestellung morgens und abends Butterbrote, zum Mittagessen ein warmes Gericht – und je nach Religionszugehörigkeit wird auf bestimmte Lebensmittel verzichtet.

Ein paar Dosen mit Fertiggerichten stehen außerdem für großen Hunger zur nächtlichen Stunde bereit. „Zum Essen wird Wasser gereicht und was das Besteck anbelangt müssen die Zelleninsassen mit Plastikgabeln und Löffeln auskommen. Messer gibt es keine“, erzählt Drechsler.

Rund um die Uhr ist ein wachhabender Polizist der Behörde für die Einhaltung der „Gewahrsamsordnung“ zuständig und diese Wachhabenden sind es auch, die über die Schlüssel der Sicherheitsschlösser verfügen. Jede Viertelstunde schaut der Wachhabende durch die Spione nach den Zelleninsassen, und er begleitet die Streifenbeamten, wenn diese einen Insassen befragen oder zusammen mit einem Arzt zur Blutprobe in die Zelle gehen. Eine Videoüberwachung gibt es in den Zellen nicht.

Alleine gehen die Polizisten nie in eine Zelle. Zur Sicherheit ist Teamarbeit gefragt. Und sollte eine Person angreifen und den Beamten aus der Tür gegen die Flurwand stoßen, so prallt dieser gegen Sensoren, mit denen automatisch Verstärkung alarmiert wird. Auch, wenn ein Insasse zur Toilette gehen muss, begleiten ihn zwei Beamte.

Für Sturzbesoffene gibt es eine spezielle Zelle (siehe kleines Bild). Dort ist eine Toilette integriert und dort ist die Pritsche nur wenige Zentimeter hoch, damit beim Herunterkullern keine Verletzungen entstehen. In den anderen Zellen sind die Pritschen, auf die einfache Matten gelegt werden, deutlich höher. Außerdem gibt es in der speziellen Zelle Ösen, an denen eine randalierende Person fixiert werden kann. Wer als suizidgefährdet eingestuft wird, wird jedoch in die LVR-Klinik gebracht.

Gleich neben den Zellen liegt ein Raum, in dem alle erkennungsdienstlichen Aufgaben erledigt werden können. Dort stehen Computer, Fotoapparate, Metermaße und Geräte, mit denen digitale Fingerabdrücke genommen werden können. Ein Computerprogramm vergleicht sie dann mit bereits gespeicherten Fingerabdrücken. Und für die in Gewahrsam genommene Person geht es dann zurück hinter die schwere blaue Türe – für maximal 47 Stunden und 59 Minuten.

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