In der Pflege fehlen die Auszubildenden

Von: Stephan Johnen
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Skizzierte den zukünftigen Be
Skizzierte den zukünftigen Bedarf an Pflegearbeitskräften in der Region: Dr. Carsten Pohl vom Institut für Foto: Johnen

Kreis Düren. „Für die Industrie- und Handwerksbetriebe zeichnet sich mit dem demografischen Wandel ein massives Problem am Horizont ab. In der Pflege haben wir dieses Problem bereits heute: Es fehlen an allen Orten Auszubildende”, umriss Markus Leßmann vom Landesministerium für Gesundheit, Pflege und Alter die Problematik.

Das neue Kreisdürener Netzwerk für Fachkräftegewinnung hatte zur Fachtagung „Fachkräftegewinung und -sicherung in der Pflege” in die Fabrik für Kultur und Stadtteil Düren eingeladen. Vor Vertretern der Pflegeeinrichtungen, Sozialverbände und Krankenhäuser gab Markus Leßmann zur Begrüßung eine nicht allzu rosige Lagebeschreibung.

„Pflege, gerade die Altenpflege, hat auch ein Imageproblem”, bilanzierte Leßmann. „Es muss uns gelingen, von den weniger werdenden jungen Leuten mehr für diese Berufe zu begeistern.” Eine Stellschraube sei die Bezahlung, aber auch der Bundesfreiwilligendienst könne helfen, „das Horrorszenario in den Griff zu bekommen”.

Ausbildung alleine werde jedoch nicht reichen - auch müsse das vorhandene Potenzial besser genutzt werden, beispielsweise mit Hilfe von flexibleren Arbeitszeiten. „Etwa 45 bis 48 Prozent der Arbeitskraft in der Altenpflege werden derzeit in der Dokumentation der Arbeit gebunden”, gab ein Leiter einer Dürener Altenpflegeeinrichtung Leßmann daraufhin als konkreten Arbeitsauftrag mit auf den Weg nach Düsseldorf.

„Alleine schaffen wir es nicht, daher der Zusammenschluss. Aber wir müssen irgendwann mal konkret werden im Handeln”, verdeutlichte Claudia Steinhardt, Leiterin der Agentur für Arbeit, dass die Zeit knapp werde. Mit konkreten Zahlen für die Region wartete Dr. Carsten Pohl vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit auf. In der Städteregion Aachen und im Kreis Düren werden derzeit 27.000 Pflegebedürftige versorgt, davon 7500 stationär. Von den 18.500, die in den Familien gepflegt werden, erhalten 5000 Unterstützung von Pflegediensten.

Der Pflegesektor stellt dabei insgesamt etwa 7000 Vollzeitstellen zur Verfügung. „Der Trend geht zur Professionalisierung”, sagte Pohl. Eine Modellrechnung des Instituts gehe davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2030 bei 40.000 Menschen liegt. 15.500 würden in Heimen versorgt, 25.500 zu Hause, in 10.000 Fällen von Pflegediensten unterstützt. Der Personalbedarf im Pflegesektor steige auf bis zu 14.000 Vollzeitstellen. Tendenz steigend.

„Gerade bei Frauen lassen sich oft die Arbeitszeiten noch steigern”, stieg Anine Lindner in ihren Vortrag zur „familienfreundlichen Personalpolitik” ein und umriss so eine Möglichkeit, dem Arbeitskräftemangel in der Pflege vorzubeugen. Neben der oft zitierten Kinderbetreuung dürfe ein weiteres Thema aber in der Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht aus den Augen verloren werden: Etwa jeder fünfte Arbeitnehmer pflege bereits heute einen Angehörigen. Tendenz, wie von Pohl ausgerechnet, steigend.
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