Kreis Düren - Immer mehr Kinder im Kreis landen in Heimen

Immer mehr Kinder im Kreis landen in Heimen

Von: inla
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Wenn Kinder in Heimen landen, wird es teuer. Deshalb will Landrat Spelthahn lieber auf Prävention setzen. Foto: Ingo Latotzki

Kreis Düren. Immer mehr Kinder und Jugendliche müssen aus ihren Familien geholt und bei Pflegeeltern oder gar in Heimen untergebracht werden. Der Kreis Düren wird in diesem Jahr dafür rund 800.000 Euro mehr ausgeben als im Haushalt veranschlagt. Tendenz grundsätzlich steigend. Nicht nur im Kreis, auch in der Stadt Düren.

Landrat Wolfgang Spelthahn setzt nun „auf einen Paradigmenwechsel“: Prävention statt Nachsorge. „Wir wollen versuchen, im Vorfeld zu helfen und nicht erst zu reagieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Deshalb hat der Kreis ein so genanntes Präventionsbüro eingerichtet, das eine Art Lotsenfunktion haben soll. Die Mitarbeiter sind Ansprechpartner und koordinieren Hilfe. Es gebe in der Region grundsätzlich genügend Hilfs- und Beratungsangebote. Sie müssten nur besser vernetzt sein, um effektiver unterstützen zu können.

Anhand eines Rollenspiels hat der Kreis Düren festgestellt, dass bei manchen Problemlagen in Familien gleich neun Stellen zuständig sind. Oft müssen die Betroffenen mehrfach ihre Geschichte erzählen, „was belastend und bisweilen auch demütigend ist“, so Spelthahn.

Der Kreis Düren ist eine von 18 Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen, die nach dem Konzept „Kein Kind zurücklassen“ arbeiten. In der Gemeinde Kreuzau wurde die angestrebte Vernetzung zwischen Beratungs- und Hilfseinrichtungen exemplarisch getestet. Angesetzt wird schon vor der Geburt eines Kindes. In der Regel suchen Frauen während der Schwangerschaft Ärzte oder Hebammen auf. Dabei, so Landrat Spelthahn, könnten schon Besonderheiten auffallen. Eine Studie zeige, dass etwa die Kinder, deren Mütter vor der Geburt körperliche Gewalt erfahren, später zu 40 Prozent mehr gefährdet sind als Jungen und Mädchen, deren Mütter keine Gewalterfahrungen machten.

Vor allem auch soll die Zusammenarbeit zwischen Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen bis zum Übergang in Ausbildung und Beruf verbessert werden. Das sei so bisher nicht gewährleistet, sagt Landrat Spelthahn. Das System muss freilich auf Freiwilligkeit setzen. Wenn etwa ein Arzt während der Schwangerschaft Misshandlungen bei der Mutter feststellt, muss die Frau ihr Einverständnis geben, wenn andere Stellen eingeschaltet werden sollen.

Da auch bei der Stadt Düren die Kosten im Bereich der Jugendhilfe weiter steigen, wollen Rathaus und Kreis intensiver zusammenarbeiten, wie Bürgermeister Paul Larue und Landrat Wolfgang Spelthahn sagten. Nach einiger Zeit würden Ergebnisse des neuen Weges, mehr Prävention statt Nachsorge, auf den Prüfstand gestellt. Was haben die Maßnahmen gebracht? Hat sich etwa die Quote der Schulabbrecher verringert?

So sollen künftig auf verschiedenen Gebieten Daten erhoben werden, auch in Kitas und Schulen unter Beteiligung der Eltern. „Wenn es gelingt, schon fünf Heim-Unterbringungen zu vermeiden, haben wir sehr viel erreicht“, so Landrat Wolfgang Spelthahn.

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