Im Verborgenen politisch weitergearbeitet

Von: Dietmar Engels
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Polizeieinheiten besetzen am 17. August 1956 in Düsseldorf das im Hinterhof gelegene Verlags- und Druckereigebäude des Zentralorgans der KPD „Freies Volk“. Aus den Fenstern der Redaktionsräume hängen rote Fahnen und die Flagge der Bundesrepublik. Foto: dpa
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Dominik Clemens (Mitte) mit der Kölnerin Christine Christofsky und Barthel Rankers aus Birkesdorf, die zu Zeiten des KPD-Verbots engagiert in der Partei tätig waren. Foto: Dietmar Engels

Düren. Die Dürener Kommunisten waren vorbereitet: Als das Bundesverfassungsgericht am 17. August 1956 die KPD verbot und noch am selben Tag Polizisten das Büro der Dürener KPD in der Lessingstraße 4 durchsuchten, hatten die Aktivisten bereits alles Wichtige beiseite geschafft.

So konnten bei der Razzia lediglich ein paar Stühle, eine alte Schreibmaschine und einige wertlose Dokumente beschlagnahmt werden. Auch Hausdurchsuchungen bei führenden KPD-Mitgliedern blieben ergebnislos: Die Funktionäre waren „ausgeflogen“.

Um dieses Kapitel der Stadtgeschichte drehte sich – exakt 60 Jahre danach – eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Zeitzeugen am Mittwochabend im Café International der Evangelischen Gemeinde zu Düren.

Eingeladen dazu hatte das in Düren beheimatete „Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung“. Der Organisator Dominik Clemens hatte dafür zwei Menschen gewonnen, die damals „mitten drin“ waren und mit den längerfristigen Folge zu kämpfen hatten: Barthel Rankers (87) aus Birkesdorf, seinerzeit Mitglied der KPD-Kreisleitung, und Christine Christofsky, die sich in Köln in der KPD engagierte. Beide schilderten lebhaft die Ereignisse unmittelbar nach dem KPD-Verbot und in den Jahren danach.

Das Urteil des Bundesverfassungsgericht erging mit einer langen „Ansage“: Schon im November 1951 hatte die Adenauer-Regierung den Verbotsantrag gestellt. Zu dieser Zeit spielte die KPD nur noch eine ganz kleine Rolle in der politischen Landschaft: Sie hatte bundesweit nur noch etwa 7000 Mitglieder und erreichte bei Wahlen bei weitem nicht die Fünf-Prozent-Hürde.

Wie dem auch sei: Bundeskanzler Konrad Adenauer lag viel am Verbot der Kommunisten Partei Deutschlands. Das Bundesverfassungsgericht ließ sich jedoch volle fünf Jahre Zeit, um über den Verbotsantrag zu befinden – mit dem allseits erwarteten Ergebnis.

Mit dem Verbot verlor die KPD ihre kommunalen Mandate im Kreis Düren. Im Amts- und Gemeinderat von Birkesdorf (damals noch selbstständige Gemeinde) saß für die Partei Matthias Rankers, im Langerweher Amtsrat Paul Collet und im Gemeinderat von Weisweiler Jakob Collet.

Zwischen 1950 und 1968 wurden deutschlandweit rund 200.000 Ermittlungsverfahren gegen tatsächliche und vermeintliche KPD-Leute eingeleitet und etwa 10.000 Prozesse geführt, die oft mit Haft, Arbeitsplatzverlust und Entzug des Wahlrechts endeten.

Barthel Rankers zum Beispiel wurde nach dem KPD-Verbot mehrfach verhaftet, verhört und wieder auf freien Fuß gesetzt. Mit seinen Genossen arbeitete er im Verborgenen politisch weiter. Rankers: „Von meiner Cousine bin ich dann verraten worden.“

1958 verurteilte ihn das Oberverwaltungsgericht Köln nach langem Prozess wegen „Hochverrats, Staatsgefährdung, Geheimbündelei und fortgesetzder Missachtung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts“ zu einem Jahr Zuchthaus.

Die Strafe saß er in Isolierhaft im berüchtigten Kölner „Klingelpütz“ ab. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Dürener Kommunisten im Verborgenen engagiert weiter gearbeitet – mit Barthel Rankers als treibender Kraft. „Als ich meine Haftzeit antrat, war das schnell vorbei“, erzählte Rankers mit sichtlicher Wehmut.

Legal konnten sich Kommunisten in Deutschland erst nach 1968 wieder betätigen. Damals wurde „geräuschlos“ mit Billigung der Verfassungsorgane die Nachfolgeorganisation DKP gegründet.

Das Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung wurde 2015 gegründet.

Ziel des Vereins mit Sitz in Düren ist die Erforschung und Vermittlung der Geschichte der Arbeiterbewegung mit einem regionalen Schwerpunkt auf dem Rheinland.

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