Im Kreis Düren soll Potenzial der Logistikbranche genutzt werden

Von: Antonius Wolters
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Auch im Kreis Düren soll das Potenzial der Logistikbranche genutzt werden. Foto: dpa
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Äußerten sich in Aldenhoven zu Logistikfragen: Moderatorin Magdalena Dietz (v.l.), Joachim Diehl (IRR), Hans Königs (Hafen Antwerpen), Wolfgang „Tim“ Hammer und Heinz J. Hintzen. Foto: Wolters

Kreis Düren. „Vom Seecontainer bis zur letzten Meile“: Unter diesem Motto hat die Wirtschaftsförderung des Kreises Düren zu einer Fachveranstaltung geladen, bei der die Logistikbranche im Mittelpunkt stand. In der Aula der Hauptschule, die kurzerhand zum Veranstaltungszentrum erklärt wurde, tummelten sich am Mittwoch Vertreter von Politik und regionaler Wirtschaft.

Schlüsselindustrie, Zukunftsfeld und Wachstumsmotor – mit solchen Superlativen pries Moderatorin Magdalena Diez eingangs des Abends die Logistik und ihre grundlegende Bedeutung für die übrige Wirtschaft an, die indes – Beispiel marode Straßen und Brücken – gleichermaßen Chancen wie Risiken auf sich vereint.

„Aldenhoven ist die Blaupause, wie es gelingen kann“, erwies Landrat Spelthahn in seiner Begrüßungsansprache der gastgebenden Gemeinde seine Referenz, die nach Schließung der Steinkohlezeche mit dem Strukturwandel zu kämpfen hatte und inzwischen mit dem Campus Aldenhoven auf dem ehemaligen Zechengelände wieder eine viel versprechende Zukunftsperspektive besitzt.

Der Landrat hat seine Lektion aus dem vergeblichen Versuch, in Merzenich einen Terminal für die Vernetzung von Schiene und Straße zu etablieren, gelernt und wurde nicht müde zu betonen, dass es bei solchen Vorhaben unabdingbar ist, die Bürger möglichst frühzeitig einzubeziehen.

Von der vierten industriellen Revolution, nämlich der Digitalisierung aller Prozesse, wird neben der Industrie mit ihren „intelligenten Fabriken“ inzwischen auch die Logistik erfasst. Auch die Infrastruktur – namentlich die Anbindung über die Schiene – war das Thema des ersten Fachvortrags, in dem Hans Königs als Repräsentant des Antwerpener Hafens dessen zukünftige Hinterlandstrategie erläuterte. Die etwa 13.000 Hektar großen Hafenanlagen, in denen täglich eine Million Tonnen Fracht umgeschlagen werden, erstrecken sich schon jetzt 80 km landeinwärts, verfügen über rund 1000 km Schienen, gut 400 km eigene Straßen, mehr als 500 Hektar überdachte Lagerflächen und bieten insgesamt rund 145.000 Arbeitsplätze.

Um die 159 Millionen Tonnen Seegüter nach NRW zu schaffen, braucht es täglich rund 130.000 Lkw. Dazu kommt der Transport über die Schiene, der auf allen Routen mehr oder weniger enge Nadelöhre passieren muss, die bald die Grenzen ihrer Kapazitäten erreicht haben, sofern kein weiterer Ausbau erfolgt – etwa ein drittes Gleis auf der Strecke Aachen-Köln.

Auch die Wiederbelebung des Eisernen Rheins, der durch die Niederlande führt, sei nicht unproblematisch, da dafür insgesamt fünf Baustellen vonnöten wären und die Niederlande wenig Veranlassung sehen, so den schärfsten Konkurrenten des Rotterdamer Hafens zu päppeln, der Europas größter ist.

Da die Hafenbetreiber nach Worten Königs‘ bis 2030 eine Verdoppelung der Gütermenge prognostiziert, sollen zunehmend Infrastruktur und Logistik-Dienstleistungen ins Hinterland verlagert werden, etwa in den deutschen Grenzraum. Dazu sollen dort frühzeitig geeignete Flächen akquiriert werden.

Wie ein webbasiertes Teilladungskonzept aussehen kann, das verhindern soll, dass rund ein Viertel der Lkw mit Leerfahrten über die Autobahnen bewegt werden – Stichwort Cloud-Logistik –, erläuterte Heinz J. Hintzen, Geschäftsführer des gleichnamigen Logistikunternehmens aus Eschweiler.

Markus Focke, Professor für Beschaffungs-, Produktions- und Logistikmanagement an der FH Aachen, befasste sich mit Standortfaktoren, die ein Distributionszentrum erfüllen muss, in dem Logistikbetriebe und ergänzende Dienstleister sinnvollerweise gebündelt werden.

Der Kern ist ein sogenanntes Güterverkehrszentrum (GVZ), das über eine Anbindung ans Autobahnnetz und sinnvollerweise auch ein Umschlagterminal Straße-Schiene verfügt. In einem weiteren Schritt spannte Focke das Dreieck A 4, A 44 und B 56 als GVZ auf. „Sie werden überrascht sein, wie viele Logistik-Unternehmen Sie in diesem Dreieck finden“, sieht der Experte die Region in Sachen Distributionszentrum bereits gut aufgestellt, zumal „die Flächen unglaublich günstig sind“.

Nur das Umschlagterminal an der Schiene fehlt bislang noch. Focke empfahl, zur Vorbereitung einer „neuen interkommunalen Zusammenarbeit“, bei der die Wertschöpfung in der Region bleibt, in Sachen Logistik eine Entwicklungsgesellschaft zu gründen, die in Abstimmung mit den regionalen Unternehmen Schritte vorbereitet, die auf dem Weg zum Distributionszentrum noch nötig sind.

Solch eine regionale Kooperation und gemeinsames Auftreten befürwortet nicht zuletzt Joachim Diehl, Geschäftsführer der Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH (IRR), der interessierten Logistikern empfahl, ihre Ansprüche – auch was die benötigten Flächen betrifft – zu formulieren.

Anette Reinholz, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung beim Kreis Düren, regte in ihrem Schlusswort unter anderem die Gründung eines Logistiker-Netzwerks an, empfahl der Branche ein Aufpolieren ihres Images, pries die Standort-Gunst und machte deutlich, dass in der Region auch das Fachkräfte-Potenzial vorhanden ist, was aktuelle Zahlen der Agit belegen.

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