Kreis Düren - Hospizbewegung Düren-Jülich: Kein Rezept für den Umgang mit dem Tod

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Hospizbewegung Düren-Jülich: Kein Rezept für den Umgang mit dem Tod

Von: Carsten Rose
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Halt und Entlastung in den letzten Stunden: Theo Meisen (kleines Foto, r.) hat in den vergangenen zehn Jahren rund 50 Menschen kurz vor ihrem Tod begleitet. Helena Kasper beginnt im kommenden Jahr mit der Arbeit. Foto: dpa/Rose (2)
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Koordinatorin: Theresa Reichert.

Kreis Düren. Theo Meisen ist manchmal der Mann für die schwierigen Fälle, eine Art Joker, wenn seine Ehrenamts-Kollegen einen Termin lieber nicht wahrnehmen möchten. Meisen, 64 Jahre alt, mit geschwungenem Schnurrbart und sanftem Gemüt, ist Hospizbegleiter.

Seit 2007 ist das Theo Meisens freiwillige Arbeit. Er hat bislang mit 50 Menschen die letzten Stunden ihres Lebens verbracht. Und wenn der Merzenicher über seine Tätigkeit erzählt, hört man zwischen den Zeilen, dass er einige Menschen gerne öfter und generell mehr Menschen vor ihrem Tod getroffen hätte. „Manche Familien stellen ihre Anfrage zu spät“, sagt Meisen, „und manche wissen gar nicht, dass wir die Hilfe kostenlos anbieten. Wer glaubt noch, dass jemand Hilfe anbietet, ohne eine Gegenleistung zu erwarten?“

Meisen ist einer von rund 70 Hospizbegleitern der Hospizbewegung Düren-Jülich. Diese feiert im kommenden Jahr ihr 25-jähriges Bestehen und ist im Kreis Düren einer von vier ambulanten Hospizdiensten – also zuständig für die Betreuung zu Hause oder im Altenheim – neben dem der Caritas, Hortus Dialogus und dem Hospizdienst Rureifel.

Die Jüngste im Team

Ab 2018 gehört auch Helena Kasper zum Team, mit 36 Jahren ist sie mit Abstand die Jüngste. Die zweifache Mutter aus Düren hat kürzlich ihren Vorbereitungskurs (siehe Infobox) abgeschlossen – neun Monate größtenteils mit theoretischen Übungen, Diskussionsrunden, Rollenspielen. Wie die Praxis auf sie wirken wird, könne sie nicht abschätzen. „Ich brauche sicher ein paar Begleitungen, um zu merken, ob es das Richtige für mich ist“, sagt Kasper. Der Kurs allein habe ihr aber die „Fesseln genommen“, die einem die Angst vor dem eigenen Tod und das Thema Sterben generell anlegen könne. „Meine Motivation ist es, nach vielen Kontakten und Gesprächen mit einem anderen Blick durchs Leben zu gehen.“ Ihre Toleranz, die Eigenschaft, nicht auf der eigenen Meinung zu beruhen, sagt Helena Kasper, werde sowohl ihr als auch den Sterbenden und deren Angehörigen helfen können.

Die Hospizbewegung Düren-Jülich betreut pro Jahr zwischen 90 und 100 Sterbende. In der Regel besuchen Ehrenamtler wie Theo Meisen die Menschen für bis zu zwei Stunden einmal die Woche (auf Wunsch auch mehrmals) über ein paar Wochen oder wenige Monate. Hauptteil der Arbeit: reden und zuhören. Viele Menschen seien bettlägerig, so dass selbst ein Spaziergang nicht immer möglich sei.

Hospizbegleiter gehören zu einem ambulanten Vier-Säulen-Angebot, das todkranke Menschen an ihrem Lebensabend und deren Angehörige in Anspruch nehmen können: Haushaltshilfen kümmern sich um die Grundversorgung, palliative Zusatzpfleger helfen bei Wunden und Erkrankungen, Kirchengemeinden bieten ihre Hilfe an, und die Hospizbegleiter sorgen für Abwechslung und Entlastung. Auf die Begleiter selbst kann ein Hausbesuch jedoch auch belastend wirken, dann, wenn in der Familie des Sterbenden nicht alles harmonisch läuft. Zum Beispiel bei (anstehenden) Erbstreitereien. „Wir stehen auch mal zwischen zwei, drei Stühlen, wenn Angehörige etwas anderes erzählen, als der Sterbende es getan hat“, meint Meisen. In diesen Situationen, in denen Menschen den objektiven Blick verlieren können, gehe es darum zu vermitteln, nicht Partei zu ergreifen.

Welche Menschen Theo Meisen betreut, entscheiden Koordinatoren wie Theresa Reichert. Sie führt vor jedem ersten Termin mit den Familien und Sterbenden ein Gespräch, um Menschen zusammenzubringen, die auch zueinanderpassen. Reichert bereitet die Begleiter auch in Kursen auf ihre Arbeit vor. Mit Rollenspielen werden zum Beispiel verschiedene Familiensituationen nachgespielt, erklärt Reichert. „Aber wir haben kein Rezept, wie sich die Hospizbegleiter verhalten sollen. Es gibt keine Redewendungen, die helfen. Jede Familie, jeder Fall ist anders.“ Es passt in diesem Zusammenhang ins Bild, dass Theo Meisen betont, dass „wir keine Schauspieler sind, sondern authentisch“. Ihm persönlich liege es am Herzen, seine positive Ausstrahlung zu transportieren, aber nicht „überzustülpen“.

Ihre Erfahrungen tauschen die Hospizbegleiter einmal im Monat untereinander aus, lernen voneinander. „In diesem Feld ist man nie komplett“, sagt Theo Meisen, der weiterhin zusätzliche Seminare wie zum Beispiel zum Thema Demenz besucht. Das abstrakte Thema Tod beschäftige ihn schon eine lange Zeit. Vor 15 Jahren habe der ehemalige Elektriker, der morgens technisch und abends bei Begleitungen menschlich denken muss, bereits Trauerseminare besucht – ohne einen eigenen Trauerfall zu haben.

In zehn Jahren Sterbebegleitung habe noch kein Fall den 64-Jährigen an seine emotionalen Grenzen gebracht. „Das Empfinden über die Situation ist natürlich für jeden Begleiter anders“, sagt er, „grundsätzlich kann aber das Alter eines Sterbenden die Betroffenheit verstärken, zum Beispiel wenn jemand so alt wie mein Bruder ist.“ Grundsätzlich gelte auch: mit dem Sterbenden mitfühlen, nicht mitleiden.

Noch hat Theo Meisen das immer gemeistert.

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