Hohe Einnahmen durch Radar auf der A4

Von: Stephan Johnen
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Von Januar bis September 2014 hat der Kreis Düren an der A 4 geblitzt. Foto: Sistemich

Kreis Düren. Abzocke? Wegelagerei? Oder ein Beitrag, um Unfälle zu verhindern? Geschwindigkeitsmessungen polarisieren. „Es gibt nur wenige Themen, die so emotional diskutiert werden“, weiß auch Landrat Wolfgang Spelthahn, der versichert: „Wir blitzen nicht, um Einnahmen zu erzielen.“

Es gebe klare Vorgaben des Gesetzgebers, an welchen Stellen mit stationären oder mobilen Geräten kontrolliert werden dürfe. Unfallhäufungsstellen gehören dazu. „Unser Ziel ist die Sicherheit“, betont Spelthahn. Jeder Autofahrer, der sich an die Regeln halte, habe ja auch nichts zu befürchten.

Gleichzeitig ist das Argument, dass viele Buß- und Verwarngelder auch in den Kreishaushalt fließen und diesen entlasten, kaum von der Hand zu weisen. Im vergangenen Jahr nahm der Kreis Düren etwa sieben Millionen Euro ein. Im Jahr 2013 waren es vier Millionen, im Jahr 2011 3,7 Millionen. Direkte Auswirkungen auf diese Zahlen hatten die zwei stationären Blitzen, die der Kreis im Baustellenbereich an der A4 installiert hatte.

„Nach Aufforderung des Landes NRW und der Polizei, nachdem sich auf dem Streckenabschnitt Geschwindigkeitsverstöße und schwere Unfälle gehäuft hatten“, unterstreicht Wolfgang Spelthahn. Am Beispiel der A4 lasse sich gut ablesen, welche Strategie hinter den Kontrollen steht, ist er überzeugt.

Von Januar bis in die zweite Septemberhälfte hinein hatte der Kreis Düren zwei stationäre Messanlagen zur Überwachung installiert. Mit Freigabe des neuen Autobahnabschnitts wurden die Kontrollen im Baustellenbereich beendet. In neun Monaten wurden 218989 Fahrzeuge geblitzt. Während ein Großteil der Fahrer 20 bis 30 Stundenkilometer zu schnell war, brausten vereinzelte mit Spitzenwerten von bis zu 212 km/h im Tiefflug durch die Baustelle.

„Die Kontrollen haben gewirkt“, ist Spelthahn überzeugt. Die Unfallauswertung der Polizei habe ergeben, dass im Nahbereich der Anlagen die Zahl der schweren Unfälle von fünf im Jahr 2013 auf einen gesunken ist. Generell könne auf dem Streckenabschnitt von einem „positiven Trend“ gesprochen werden. Kosten von 782.000 Euro für geleaste Messanlage, Porto, Personal und Fotos stehen Einnahmen in Höhe von 3,1 Millionen Euro gegenüber. Dabei waren nur etwa 62 Prozent der Fälle verwertbar.

Gerade bei ausländischen Fahrzeugen sei es schwierig, den Fahrer zu ermitteln, berichtet Elke Baum-Täschner, Leiterin des Straßenverkehrsamtes. „Selbst in Köln ist das nicht so einfach“, fügte Spelthahn hinzu. Die Kooperation mit deutschen Kommunen funktioniere auch nicht immer einwandfrei, wegen „hoher Arbeitsbelastung“ seien Fälle nicht weiter verfolgt worden. Auch habe sich beizeiten der Aufwand nicht gelohnt.

Wird es nach der Demontage der Blitzen an der A 4 neue geben? „Wir planen weder neue stationäre Messpunkte noch den Kauf eines dritten mobilen Geräts“, versichert der Landrat. Im Vergleich zu anderen Regionen sei die „Blitzerdichte“ an der Rur gering. Auch als „Mülleimer getarnte Geräte“ werde es nicht geben. „Manche Menschen fordern mehr Kontrollen, andere sprechen von Abzocke“, umreißt Spelthahn das Spannungsfeld. „Es geht um die Sicherheit“, wiederholt er, kontrolliert werde nur an Gefahrenstellen. Dass die Allgemeinheit davon auch in Form von Bußgeldern profitiere, sei kein Widerspruch.

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