„Historisches Ereignis“: Eine Frau an der Spitze der Kreis-JU

Von: Stephan Johnen
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Julia Dinn ist neue Vorsitzende der Jungen Union im Kreis Düren. Foto: Johnen

Kreis Düren. Die Junge Union spricht von einem „historischen Ereignis“: Erstmals steht mit Julia Dinn eine Frau an der Spitze der politischen Jugendorganisation im Kreis Düren. Im Interview mit unserer Zeitung spricht die 27-Jährige aus Langerwehe über Themen der Jugend, Politikverdrossenheit – und die Frauenquote.

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind die erste Vorsitzende in der Geschichte des JU-Kreisverbandes. Eine echte Quotenfrau?

Dinn: Ich bin keine Quotilde. Ich lehne solche starren Vorgaben ab, und auch der Kreisverband der Jungen Union hat die Quotenregelung in seinen Reihen frühzeitig als unnötig eingestuft.

Das wird die Bundeskanzlerin als CDU-Parteivorsitzende aber gar nicht gerne gehört haben, oder?

Dinn: Wir sind eine eigenständige Organisation – und keiner Partei schadet es, wenn es junge Leute gibt, die auch einmal etwas kritisch hinterfragen. Die Junge Union darf sich ruhig eine eigene Meinung gönnen. Das ist sogar ihre Aufgabe, finde ich.

Und wie lautet Ihre persönliche Meinung zum Thema Frauenquote?

Dinn: Qualifizierte Frauen werden es immer auch ohne Quote an die Spitzen schaffen. Eine solche Regelung kann eher zu einer systemischen Benachteiligung von gleich qualifizierten Männern führen. Das finde ich nicht gut. Es gibt aus weiblicher Sicht ganz andere Baustellen als eine Quote.

Welche denn?

Dinn: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beispielsweise. Da liegt doch oft das Problem. Frauen, die sowohl eine Familie gründen als auch Karriere machen möchten, sehen sich oft zu einer Wahl gezwungen.

Sind das Themen, die die Junge Union im Kreis Düren beschäftigen?

Dinn: Mit über 700 Mitgliedern sind wir die stärkste politische Nachwuchsorganisation im Kreis Düren. Ich verstehe die Aufgabe der JU darin, Sprachrohr für die junge Generation und ihre Anliegen zu sein.

Welche Botschaften verkündet denn ein Sprachrohr, das sich für 14-Jährige ebenso zuständig fühlt wie für Mitglieder bis zum 35. Lebensjahr?

Dinn: Diesen Spagat gilt es zu meistern. Wir möchten schließlich alle Interessen vertreten. Den 14-Jährigen interessiert Schulpolitik mehr, da er die Auswirkungen jeden Tag spürt, ein 28-Jähriger hat bereits Studium oder Ausbildung hinter sich und ist gerade auf der Jobsuche. Da sind andere Themen wichtiger.

Verzettelt man sich da nicht leicht?

Dinn: Politik braucht Impulse der jungen Generation. Diese Stimmen wollen wir bündeln, an anderen Stellen zu Gehör bringen. Das ist kein Verzetteln. Bei jeder Haushaltsdebatte würde ich mir wünschen, dass das Thema Generationengerechtigkeit viel stärker im Vordergrund steht. Niemand möchte Jung gegen Alt ausspielen, aber von echter Gleichberechtigung der Interessen sind wir entfernt.

Wie politisch sind junge Menschen überhaupt noch? Die Junge Union hatte mal mal über 1000 Mitglieder...

Dinn: Das stimmt. Die Mitgliederzahl bleibt seit einigen Jahren aber relativ stabil. Bei unserer JU-Landestagung sind wir Dürener jüngst sogar für unseren großen Mitgliederzuwachs in diesem Jahr ausgezeichnet worden. Es gibt Studien, die besagen, dass sich 30 Prozent einer Generation nicht von Politik angesprochen fühlen. Das finde ich besorgniserregend.

Und was wollen Sie dagegen tun? Kugelschreiber in der Fußgängerzone verteilen?

Dinn: Wenn Sie damit auf die Hilfe der JU in Wahlkampfzeiten anspielen, kann ich nur sagen, dass wir die CDU gerne unterstützen. Das wird auch im kommenden Jahr so sein. Gleichzeitig haben wir bei der vergangenen Kommunalwahl aber als Junge Union auch viele Kandidaten gestellt, die heute politische Verantwortung in den Räten der Kommunen übernehmen. Wer mitarbeiten und gestalten möchte, hat dazu auch eine realistische Chance.

Sehen das ältere Politiker auch so, die den Weg für junge Menschen freimachen müssen?

Dinn: In der Politik wird nie alles eins zu eins umgesetzt. Manche Prozesse dauern auch. Frustpotenzial gibt es also durchaus. Die jüngsten Entwicklungen zeigen aber, dass es sich dennoch lohnt, seine Stimme zu erheben. Das ist die Botschaft, die wir jungen Menschen, die sich für Politik interessieren, übermitteln wollen.

Und das hilft gegen Politikverdrossenheit?

Dinn: Es ist ein wichtiger Baustein. Wir müssen aber auch verstehen, dass die Arbeit nicht nur aus Politik besteht. 50 Prozent unserer Arbeit sind eher gemeinsam verbrachte Freizeit denn politische Debatte. Beides muss kombiniert werden, um junge Menschen zu erreichen. Oder anders formuliert: Politik darf ruhig auch Spaß machen. Nicht vergessen werden darf, dass Jugendliche heute viel weniger Freizeit als noch vor zehn Jahren hatten. Der Druck in der Schule ist enorm gestiegen.

Was steht auf Ihrer Agenda für die kommenden Jahre?

Dinn: Mit dem neuen Vorstand möchte ich Bewährtes fortsetzen, aber auch neue Impulse entwickeln.

Was bedeutet das konkret?

Dinn: Wir wollen die Schüler-Union reaktivieren, um den Interessen dieser Gruppe im Kreis mehr Gehör zu verschaffen. Ein wichtiges Anliegen ist es auch, in allen Kommunen wieder eine JU zu haben. In Nideggen und Heimbach müssen wir an Neugründungen arbeiten, in der Gemeinde Hürtgenwald und in der Stadt Linnich ist dies bereits gelungen. Über den Ring politischer Bildung...

...einen Verbund aller demokratischen parteilichen Jugendorganisationen im Kreis...

Dinn: ...wollen wir mit anderen Akteuren zusammen mehr Angebote für Jugendliche machen und das Gespräch mit ihnen suchen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Wie würden Sie ihren eigenen Weg in die Politik beschreiben?

Dinn: Ich bin über ein Praktikum in der Landesgeschäftsstelle der Jungen Union zur Politik gekommen. Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht. Als die nordrhein-westfälische CDU dann jemanden für die Unterstützung im Bereich politischer Kommunikation gesucht hat, habe ich mich beworben und dort vier Jahre lang gearbeitet. Nun konzentriere ich mich neben meiner Promotion voll auf die lokalpolitische Arbeit als Kreisvorsitzende der Jungen Union.

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