Hilfe für Flüchtlinge: Fritz Meister erhält Ehrenamtspreis

Von: Sandra Kinkel
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Fritz Meister, hier mit seiner Ehefrau Maria Elisabeth, bei der Preisverleihung im Kreishaus. Foto: kin
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Das Lernen der deutschen Sprache ist für Flüchtlinge sehr wichtig ist. Foto: stock/Roland Mühlanger

Kreis Düren. Was man auf den ersten Blick nicht meinen mag: Fritz Meister (74) und Rida Jalloul (44) haben viel gemeinsam. Beide haben ein Handwerk gelernt, beide sind aus ihrer Heimat geflohen, und beide engagieren sich ehrenamtlich in Nörvenich.

Fritz Meister, der 1945 als Kind mit seiner Familie vor der Roten Armee aus Posen gen Westen geflohen ist, gibt zweimal pro Woche ehrenamtlich Deutschunterricht in der Flüchtlingsunterkunft an der Nörvenicher Hardtstraße. Außerdem ist er immer dann zur Stelle, wenn in dem Gebäude mit Platz für rund 50 Asylbewerber etwas repariert werden muss.

Rida Jalloul ist aus Beirut im Libanon geflohen und lebt seit vier Monaten in Nörvenich – in der Asylbewerberunterkunft Hardtstraße. Jalloul übernimmt Übersetzungsdienste beim Sozialamt der Gemeinde und hilft in der Unterkunft – er erledigt Hausmeisterdienste und arbeitet in der Kleiderkammer mit.

„Ich tue einfach das, was notwendig ist“, sagt Fritz Meister, der für seinen unermüdlichen Einsatz beim Verein „Nörvenich hilft“ jetzt mit dem Ehrenamtspreis des Kreises Düren ausgezeichnet wurde. „Helfen ist einfach und macht sehr große Freude.“

Eine Vaterfigur

Sein Unterrichtsmaterial hat der gelernte Radio- und Fernsehtechnik-Meister sich selbst zusammengestellt. Mit Hilfe eines fotokopierten Fotos von sich hat er beispielsweise den Flüchtlingen die Teile des Gesichts erklärt. „Fritz Meister“, hat es Frank Druhm formuliert, der sich ebenfalls bei „Nörvenich hilft“ engagiert, „ist glaubwürdig, sehr praktisch orientiert und hört anderen Menschen zu. Für die Flüchtlinge ist er fast schon so etwas wie eine Vaterfigur.“ Die Erlebnisse seiner eigenen Flucht in der Kindheit seien ihm noch immer sehr präsent, so Meister. Deswegen sei seine ehrenamtliche Arbeit in der Asylbewerberunterkunft für ihn selbstverständlich.

Auch für Rida Jalloul ist ehrenamtliches Engagement selbstverständlich. Seit zwei Monaten ist der Elektriker aus Beirut fast täglich im Sozialamt der Gemeinde Nörvenich zu finden und hilft beim Übersetzen. Mittlerweile hat er sogar von Bürgermeister Dr. Timo Czech ein Namensschild bekommen. Rida Jalloul spricht Englisch, Italienisch und Arabisch. Russisch und Französisch kann er zumindest verstehen.

„Ich war fast zwei Jahre auf der Flucht“, sagt Jalloul. „In meinem Land gibt es keine Stabilität, dafür aber Krieg und viel Gewalt. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt in Deutschland sein kann.“ Wenn er bei der Gemeinde arbeitet, so Jalloul, fühle er sich überhaupt nicht mehr wie ein Flüchtling. „Für mich ist diese Arbeit das Gegenteil von Stress“, sagt er. „Ich fühle mich gut. Und ich bin froh, dass ich helfen kann.“

Vielfältige Probleme

Es sei für ihn genau wie für viele andere Flüchtlinge auch sehr schwierig, nicht arbeiten zu dürfen. „Die Tage sind einfach sehr lang“, sagt Rida Jalloul. „Und man fühlt sich irgendwie nutzlos. Durch meinen Dienst als Übersetzer habe ich das Gefühl, dazuzugehören.“ Die Probleme von Jallouls Landsleuten sind sehr unterschiedlich. Manche sind mit ihrer Unterbringung nicht einverstanden, andere bauchen Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. „Mittlerweile“, sagt Rida Jalloul lachend, „kommen sogar schon Leute und klopfen an meine Zimmertüre in der Flüchtlingsunterkunft, weil sie Hilfe brauchen. Irgendwann muss ich hier ein Schild aufhängen, dass das nicht das Sozialamt ist.“

Rida Jalloul hofft, dass aus seiner ehrenamtlichen Arbeit irgendwann eine feste Anstellung wird. „Ich möchte in Deutschland bleiben und arbeiten, damit ich selbst für mein Leben aufkommen kann.“

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