Kreis Düren - Herbstsonne bringt die Natur durcheinander

Herbstsonne bringt die Natur durcheinander

Von: Gudrun Klinkhammer und Sarah Maria Berners
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Die Sonne hat Ende Oktober noch einmal die Natur verzaubert, gestern hat das Novemberwetter eine Kostprobe gegeben. Foto: gkli

Kreis Düren. Am Dienstagmorgen hat sich der November von seiner schmuddeligen Seite gezeigt. Viele von uns haben sich da sicher die warmen und sonnigen Tage zurückgewünscht. Denn auch wenn wie alle wissen, dass 20 Grad um diese Jahreszeit nicht normal sind, so haben wir uns doch irgendwie sehr darüber gefreut.

Vielerorts wurden die Liegestühle wieder herausgekramt und der Grill angeschmissen. Und schon jetzt wünschen wir uns die Sonne und die Wärme zurück.

Skeptischer als Spaziergänger und Fahrradfahrer blicken die Landwirte auf die Wetterlage. „Wir wissen, dass die meisten Menschen sich über das Wetter freuen, aber die Landwirte wünschen sich, dass die Heizung da draußen endlich abgestellt wird“, sagt Ackerbauberater Heinrich Brockerhoff. Die Probleme, mit denen die Landwirte zu tun haben, sind vielfältig.

„Zu groß in den Winter“

Da ist zum Beispiel die Wintergerste, die zur Monatswende September/Oktober ausgesät wird. Und nun wächst und wächst, weil sie so viel sommerliche Signale empfangen hat. „Die Pflanzen kommen zu groß in den Winter“, erklärt der stellvertretende Kreislandwirt Josef Bellartz. Weil es für diese Jahreszeit zu warm ist, drohen Krankheiten. Schon jetzt haben die Landwirte Läuse an den Pflanzen festgestellt, denen es normalerweise um diese Jahreszeit zu kalt ist. Je nachdem, wie sich die Pflanzen weiterentwickeln, könnte der Frost ein Problem werden.

Für die Aussaat des Winterweizens als Folgekulturen von Rübenfeldern zum Beispiel seien die Böden derzeit eigentlich zu nass. „Und mit großen Verdunstungen brauchen wir jetzt nicht mehr zu rechnen“, erklärt Brockerhoff. Die nassen Böden sind aber nicht nur für die Saat ein Problem, sondern auch für die Ernte von Rüben und Kartoffeln. „Es ist nicht nur jetzt ungewöhnlich warm, es war auch ein ungewöhnlich nasses Jahr“, schildert Brockerhoff. Die schweren Maschinen würden die nassen Felder zerfahren. Teilweise könnten Felder nicht sogar nicht geerntet werden.

René Mause, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Biologischen Station im Kreis Düren, richtet seinen Blick auf die Bäume: „Wenn den Bäumen in den hiesigen Breiten die Frostperiode fehlt, dann reagieren sie irritiert.“ Nicht früh treiben die Bäume aus, sondern eher spät, wie Mitarbeiter der Technischen Universität in München beobachteten. Den Bäumen fehlt laut ihrer Studie der Frostimpuls, so dass sie vorsichtig und mit verzögertem Wachstum reagieren. Während einheimische Bäume irritiert sind, können südländische Pflanzen wie etwa Lavendel oder Rosmarin von diesen milden Temperaturen profitieren, sie wachsen und gedeihen. „Schädlinge können durch die Wärme eine Generation mehr als üblich produzieren“, erklärt René Mause weiter.

Auch Christian Glasmacher, Mitarbeiter des Dürener Servicebetriebes (DSB) und mitverantwortlich für die Grünflächen in der Stadt, spürt die Auswirkungen des bislang so milden Herbstes. „Normalerweise hätten wir jetzt schon Ruhe, stattdessen wächst der Rasen gut weiter, das Unkraut ebenfalls.“ Aufgrund der ungewöhnlichen Wettersituation müssen die Mitarbeiter des DSB deutlich häufiger mähen als in „normalen“ Jahren. Christian Glasmacher weiß: „Ist der Sommer richtig trocken und beginnt der Herbst, einhergehend mit kalten Temperaturen, tatsächlich im Oktober, dann mähen wir die Grünflächen rund zehnmal pro Jahr.“

Da der Sommer 2014 warm und feucht war und der Herbst sich nicht richtig einstellt, müssen die DSB-Mitarbeiter gut fünf Schnitte mehr einplanen als sonst. Vorteile des Wetters: Für Rückschnitte von Gehölzen ist genug Zeit vorhanden.

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