Heimbach renaturiert einen Abschnitt der Rur

Von: Jörg Abels
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Bürgermeister Peter Cremer und Fachbereichsleiter Erich Schmidt (r.) erklären die Renaturierungsmaßnahmen an der Rur: Kiesbänke wurden aufgeschüttet und auch ein künstlicher Seitenarm wurde angelegt. Foto: Abels
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Bürgermeister Peter Cremer und Fachbereichsleiter Erich Schmidt (r.) erklären die Renaturierungsmaßnahmen an der Rur: Kiesbänke wurden aufgeschüttet und auch ein künstlicher Seitenarm wurde angelegt. Foto: Abels

Heimbach. So mancher Anwohner und Tourist dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Erst wurden Anfang der Woche auf einem städtischen Grundstück am Ufer der Rur in Höhe des Kurparks unzählige Fichten gefällt, dann machte sich ein Bagger mitten im Flussbett ans Werk.

„Wir zerstören hier aber nicht Natur, sondern stellen eine natürliche Entwicklung sicher“, erklärt Erich Schmidt, Fachbereichsleiter Planen und Bauen bei der Stadt Heimbach. Im Rahmen eines landesweiten Aktionsprogramms versucht die Stadt Heimbach im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, zwischen der Staumauer und der Rurbrücke am Rathaus neue Lebensräume für Fische und Vögel zu schaffen.

Schmidt erklärt den Hintergrund: „Durch die Ablasssteuerung des Staubeckens wird eine natürliche Gewässerentwicklung verhindert. Das komplette Erosionsmaterial wird zurückgehalten, so dass keine Kies- und damit Laichbänke für Forellen, Äschen und Lachse mehr vorhanden sind.“ Schlimmer noch: Bei Niedrigwasser fallen ganze Uferbereiche trocken, so dass sich Fische, vor allem die jungen, aber auch Kleinstlebewesen, nicht mehr verstecken können und leichte Beute von Räubern werden.

Dass will die Stadt Heimbach in einem Pilotprojekt jetzt ändern. Zum einen hat ein Bagger das Bett der Rur an einigen Stellen zwischen 20 und 40 Zentimeter ausgekoffert und mit dem anfallenden Material seitliche Kiesbänke angelegt, zum anderen wurden sogenannte „Störsteine“ in der Flussmitte versenkt, um den gleichförmigen Wasserabfluss zu verändern und damit Schutzräume für Fische zu schaffen, erklärt Erich Schmidt. „Auch die Wasseramsel, die unter Wasser ihre Nahrung sucht, benötigt diese leicht erhöhten Standorte für ihre Beutezüge.“

Um die Entwicklung eines naturnahen Uferstreifens zu ermöglichen, hat die Stadt zudem einem eigenen Ufer-Grundstück einen kleinen Seitenarm angelegt, ein sogenanntes „Stillgewässer“, erklärt Schmidt. „Wir haben zunächst die auf dem Grundstück stehen und nicht standortgerechten Fichten entfernt und dann ein halbmondartiges Nebengerinne geschaffen, indem permanent Wasser stehen wird, das aber nur bei extrem hohen Wasserständen überflutet wird, betont der Bauexperte. Darüber hinaus werden Laubbäume als sogenannte Tothölzer in der Rur verankert.

„Weil sich in der unmittelbaren Umgebung keine Stillgewässer oder Altarme der Rur befinden, gehen wir davon aus, dass sich an unserem kleinen Seitenarm die Artenvielfalt positiv entwickeln wird“, ist Schmidt überzeugt. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Nabu wird die Stadt am neu geschaffenen Seitenarm auch noch eine Eisvogelnistwand aufstellen, um der seltenen Art eine neue Heimat zu bieten. Der gerodete Ufer-Grundstuck wird nicht mehr aufgeforstet, sondern der Natur überlassen. „In zwei bis drei Jahren wird von den Rodungen nichts mehr zu sehen sein“, ist Schmidt überzeugt.

Die Renaturierungsmaßnahme kostet 27.500 Euro und wird zu 90 Prozent von der Bezirksregierung gefördert, erklärt Bürgermeister Peter Cremer. Er hofft, dass andere Anlieger rurabwärts dem Heimbacher Beispiel folgen werden. Spannend wird sein, wie sich die „Störsteine“ und Kiesbänke verhalten, wenn der Wasserverband Eifel-Rur aus dem Staubecken mehr als 40 Kubikmetern pro Sekunde in die Rur abgibt. Schmidt geht davon aus, dass sich die künstlich angelegten Hindernisse dann allmählich verlagern werden.

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