Hausärzte stehen im Kreis noch nicht auf roter Liste

Von: Guido Jansen
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Sie haben die Gesundheit in Titz im Blick: Dr. Marion Esser (links) und Dr. Andrea Buhr arbeiten in Teilzeit für die überörtliche Gemeinschaftspraxis von Dr. Robert Dujardin. Foto: Guido Jansen

Kreis Düren. Roter Alarm: Die Landesregierung stuft die Versorgung mit Hausärzten im Kreis Düren in den Gemeinden Titz, Merzenich und Nörvenich als akut gefährdet ein. Demnach stehen Hausärzte hier auf der roten Liste der bedrohten Arten. Mittelfristig gefährdet seien Inden, Kreuzau, Linnich, Niederzier und Vettweiß.

Die Daten gehen hervor aus dem Hausarztaktionsprogramm des Landes, das eine Förderung von 25.000 Euro für die Übernahme oder Neueröffnung einer Hausarztpraxis möglich macht. „Das wundert mich jetzt sehr“, sagte der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen. „Wir sind im Gegenteil sehr gut aufgestellt.“

Nach Informationen unserer Zeitung hat die Landesstatistik einen Schwachpunkt. Sie erfasst zwar, in welcher Praxis der geschäftsführende Arzt im Rentenalter oder kurz davor ist. Was das angeht, hätte man bis vor nicht allzu langer Zeit für Titz Alarm rot geben können. Drei alteingesessene Ärzte könnten das Stethoskop an den Nagel hängen. Nicht berücksichtigt ist aber, ob Nachfolgelösungen bereits greifen oder unmittelbar absehbar sind. „Wir haben vier Praxen, und die sind alle gesichert“, sagte Frantzen.

Nachfolge geregelt

Das bestätigt Dr. Robert Dujardin, der Vorsitzende des Gesundheitsverbunds Jülicher Land. Er selbst ist einer der Nachrücker in Titz. „Bei den drei Standorten, an denen ein Wechsel ansteht, ist die Nachfolge geregelt“, sagt Dujardin. Damit gehört Titz auf keine rote Liste, im Gegenteil, die Landgemeinde steht ungewöhnlich gut da.

Auch für den Kreis Düren gibt Dr. Wolfgang Deiters Entwarnung, der Vorsitzende des Kreisstellenvorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). „Im Moment sind alle Praxisstandorte besetzt. Kurzfristig gibt es keine Versorgungslücke.“ Damit stehe der Kreis im Vergleich zu anderen gut da. Gefahr gebannt – das kann nicht vermeldet werden. Denn obwohl die rote Liste des Landes nur eingeschränkt Aussagekraft hat – in einer Sache liegt sie richtig: Die Hausärzte sind überaltert. Und dieses Problem macht auch vor dem Kreis Düren nicht halt. Deiters: „Rund ein Drittel der Hausärzte im Kreis ist im Rentenalter. Wenn die schlagartig aufhören, haben wir ein großes Problem.“

Ideen müssen her, wie die Veränderung bei der Hausärzteschaft mit dem steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung einer älter werdenden Gesellschaft übereingebracht werden kann.

Medizin wird weiblich

Zwei weitere Veränderungen gibt es bei den Hausärzten. Laut Dujardin gibt es das Bild des Landarztes kaum noch, der mit Ledertasche und Mercedes durch das Land braust. Junge Mediziner scheuen zunehmend das unternehmerische Risiko, eine Praxis zu leiten, sie bevorzugen die Arbeit als Angestellte. Mit 70 Prozent beziffert Deiters diese Quote unter den jungen Kollegen. Deiters und Dujardin benennen noch eine zweite deutlich erkennbare Tendenz: „Die Medizin wird weiblich.“ Damit einher gehe der Wunsch vieler Mütter, in Teilzeit zu arbeiten. „Darauf muss man reagieren“, sagt Deiters.

Die Gründung von Gemeinschaftspraxen sei eine mögliche Lösung. Einen solchen Weg hat Dujardin gewählt, der eine Hausärztegemeinschaft gegründet hat und als geschäftsführender Arzt Praxen in Titz und Müntz führt. In Müntz praktiziert er mit seinem Vorgänger Dr. Hubertus Koenen sowie Dr. Elisabeth Bundke, in Titz kümmern sich Dr. Andrea Buhr und Dr. Marion Esser um die Patienten, beide in Teilzeit.

Der Sorge junger Ärzte, dass es auf dem Land zu wenig Patienten gibt, setzt Dujardin seine Erfahrungen gegenüber. „Wir haben häufiger Medizinstudenten aus Düsseldorf oder Aachen bei uns, die einen Teil ihrer praktischen Ausbildung hier machen. Die sind immer erstaunt, wie viel hier zu tun ist“, sagt Dujardin.

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