Hambach: „Initiative Friedensplan“ will „bis zum letzten Baum kämpfen“

Von: Jörg Abels
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Die „Initiative Friedensplan“ will bei wachsender Unterstützung weiter inhaltlich gegen den Braunkohleabbau und für eine Deeskalation der Gewalt rund um das Wiesencamp kämpfen. Foto: Abels

Kreis Düren. „Zugegebenermaßen ist es uns nicht gelungen, auch nur einen einzigen Baum zu retten“, räumt Waldpädagoge Michael Zobel ein. Weder mit der Forderung, die alte Autobahn 4 als „Rote Linie“ nicht zu überschreiten, noch mit der Maximalposition, die Rodungsarbeiten am Hambacher Forst in der Saison 2016/2017 komplett auszusetzen, hat die vor Jahresfrist gegründete „Initiative Friedensplan“ Gehör gefunden.

Vielmehr hat Tagebaubetreiber RWE – aus Sicht des Bündnisses völlig unnötig – weitere 70 Hektar entlang der alten Autobahn gerodet. Dennoch hat das Bündnis aus kirchlichen Vertretern, Parteien, Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und Einzelpersonen am Dienstag eine erfolgreiche Bilanz gezogen. „Es ist uns gelungen, das braunkohlekritische Netzwerk kreisgrenzenüberschreitend zu vergrößern und damit den Widerstand um eine neue Facette zu bereichern“, betont die Sprecherin der Initiative, Antje Grothus. Sie verweist nicht nur auf die fast 28.000 Unterzeichner der Online-Petition zur Rettung des Hambacher Waldes, sondern auch auf die mehr als 7000 Teilnehmer an den monatlichen Waldführungen seit 2014.

Und die vielen Gespräche, die die Bündnismitglieder mit den Aktivisten und der Polizei geführt haben, hätten zu einer Deeskalation der Gewalt beigetragen, ist Grothus überzeugt, ohne jedoch konkrete Zahlen nennen zu können. „Wir machen immer wieder deutlich, dass das Thema Gewalt RWE die Chance bietet, von der dringend notwendigen Diskussion über die längst überflüssige Braunkohleverstromung abzulenken“, erklärt die Buirerin, muss aber einräumen, damit nicht alle Gruppen unter den zum Teil gewaltbereiten Braunkohlegegnern zu erreichen. Gewalt als Mittel aber kommt für die Initiative nicht infrage. Sie argumentiert inhaltlich: Mit der von der Mehrheit der Deutschen längst nicht mehr gewollten Braunkohleverstromung sei es unmöglich, die 2015 auch von Deutschland unterzeichneten Ziele der Pariser UN-Klimaschutzkonferenz zu erreichen, betont das Bündnis.

Es fordert daher ein schnelles Umdenken der Politik, analog zum Atomausstieg ein Braunkohleausstiegsgesetz. „Wir als Bündnis sind uns einig, dass die Auseinandersetzungen im Umfeld des Tagebaus als die ‚Spitze des Eisbergs‘ in einem umfassenderen gesellschaftlichen Konflikt zu verstehen sind, der gekennzeichnet ist von der Diskrepanz zwischen vereinbarten Klimazielen einerseits und energiepolitischen Entscheidungen andererseits“, betont Grothus. Für den BUND-Kreisvorsitzenden, Walter Jordans, steht angesichts stetig sinkender Erlöse an der Strombörse ohnehin längst fest, dass die wirtschaftliche Situation von RWE bei einem Festhalten an der Braunkohle nur noch schlechter werde. Nur dies werde den Mitarbeitern verschwiegen.

Deshalb fordert die Initiative auch an dieser Stelle mehr Ehrlichkeit des Konzerns gegenüber der Gesellschaft, aber auch den Mitarbeitern, denen im Übrigen, das steht für die Mitglieder des Bündnisses fest, nicht die Arbeitslosigkeit drohe. Zum einen gebe es auch mit einem schnellen Braunkohleausstieg noch über Jahre hinweg Arbeit im Revier, zum anderen seien die meisten Beschäftigten hoch qualifiziert und würden rasch neue Arbeitsstellen finden.

Seit September haben Vertreter der Initiative sechsmal mit Tagebauleiter Thomas Körber und einem Vertreter des Betriebsrates gesprochen, zuletzt am Montag. Mehr als ein Austausch der gegensätzlichen Positionen aber habe es beim sogenannten „Hambacher Dialog“ nicht gegeben, berichtet Gerhard Kern. Zur angestrebten Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung sei es erst gar nicht gekommen, weil es nicht annähernd gemeinsame Standpunkte gebe. Auf der bisher gewählten Gesprächsebene komme man einfach nicht weiter, sei der Konflikt nicht zu lösen. Weitere Gespräche wurden deshalb nicht vereinbart, sollen aber bei Bedarf folgen.

Derweil kündigt Waldführer Michael Zobel an, den Druck auf RWE mit Aktionen wie der „Roten Linie“ weiter hochhalten zu wollen. Auch bei der UN-Klimaschutzkonferenz im November in Bonn will sich die „Initiative Friedensplan“ zeigen. „Wir werden bis zum letzten Baum weiter kämpfen“, kündigt Zobel an.

Nach dem aus Sicht der Initiative enttäuschenden Verlauf der Rodungssaison 2016/2017, heiße es: jetzt erst recht. Zobel: „Wir fordern nun von RWE, die Rodungssaison 2017/2018 auszusetzen.“

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