Gute Erträge, aber wenig Erlös für Bauern

Von: ag
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Erntezeit im Dürener Land: Die Erträge seien gut, die Preise aber viel zu niedrig, sagt Landwirt Richard Hansen. Foto: ag

Kreis Düren. Gigantisch wirken die Mähdrescher, die zurzeit wieder auf den Feldern rund um Düren beobachten werden können. Mit ihren breiten Schneidewerkzeugen fressen sie sich beinahe durch die Felder. Die Ernte ist im vollen Gange.

Früher erzielten die Bauern im Dürener Land ihr Einkommen vor allem mit dem Anbau von Zuckerrüben. Durch die Öffnung für den Weltmarkt hat sich das drastisch verändert. Heute müssen Getreide und Raps verstärkt zum Einkommen beitragen. Diese Feldfrüchte sind jetzt reif.

Die Wintergerste ist bereits im Sack. „Es war eine gute Ernte in guter Qualität. Die Norm ist erfüllt”, sagt Richard Hansen, Landwirt aus Müddersheim. Die Witterungsbedingungen von der Aussaat im Herbst bis zur Ernte Anfang Juli seien in der Region rund um Düren gut gewesen.

„Der Winter war ideal”, sagt Hansen und erklärt auch warum: Getreide und Raps hätten von den kühlen, gleichmäßigen Temperaturen profitiert, da die Pflanzen dann nicht „überwachsen”. Setzt das Wachstum nämlich schon im Winter ein, kann es zu Frostschäden an den Pflanzen kommen. „Es hat harmoniert: Niederschlagsmenge, Temperaturen und Wachstumsverlauf waren gut aufeinander abgestimmt.”

Das heißt aber nicht, dass bei den Bauern jetzt die Kasse klingelt. Im Gegenteil, die Erträge sind gut, die Erlöse aber gering. Die Bauern erhalten nur noch knapp die Hälfte des Preises wie im Vorjahr. „Das Fatale ist, das die Ernte sehr teuer produziert wurde, besonders der Dünger hat sich mittlerweile im Preis verdreifacht.

Die gezahlten Preise reichen nicht aus, um die Produktionskosten zu decken”, sagt Jörg Klingenmaier, Anbauberater bei der Landwirtschaftskammer. 2008 wurden noch 16 bis 17 Euro pro 100 Kilogramm für die Gerste bezahlt. Jetzt liegt der Preis bei rund 9 Euro und fällt nach Aussage von Klingenmaier immer noch.

Die hohen Preise der vergangenen Jahre und der damals noch günstige Dünger hätten in Ländern wie der Ukraine zusätzliche Produktionsanreize geschaffen und letztlich zu einer Überproduktion geführt, erklärt Klingenmaier. Dies habe gemeinsam mit der weltwirtschaftlichen Entwicklung im Laufe des Jahres zu einem Absturz der Preise geführt.

Zurück auf die Felder: Bei der Sommer- beziehungsweise Braugerste handelt es sich um eine eigene Kultur, die erst im März eingesät wird - ihre Ernte steht noch aus. Bei der Rapsernte hingegen sind die Mähdrescher schon im Dauerbetrieb.

„Das der Mähdrescher immer fährt, ist das A und O”, erläutern Agraringenieur Onno Redell und Azubi Christoph Coenen, die gerade auf einem Rapsfeld arbeiten. Schließlich sei ein Mähdrescher die teuerste Maschine auf dem Feld.

Und diese müsse eben an den wenigen Erntetagen möglichst gut ausgelastet sein. Deshalb wird der Raps auch während der Fahrt auf Traktoren umgeladen. So kann eine 20 Prozent höhere Dreschleistung erreicht werden. „Abtanken” nennen das die Landwirte.

Beim Raps ist es ähnlich wie mit der Gerste. Auch hier rechnet Hansen mit guten Erträgen von hervorragender Qualität und bescheidenen Preisen. „Hätten wir die Preise vom vergangenen Jahr, würde ich gern auf staatliche Prämien verzichten. Lieber dem Bauern einen gerechten Preis zahlen, als ihn über Prämien am Leben erhalten”, fordert Hansen.

Ab nächster Woche wird der Weizen geerntet. Darüber will der Landwirt am liebsten noch gar nicht reden. „Es könnte eine gute Ernte geben, aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben”, ist Hansen mit Prognosen vorsichtig. Denn schon zwei Regentage können dazu führen, dass reifer Weizen seine Backfähigkeit verliert. Wenn der Weizen abgeerntet ist kann Hansen aber noch lange nicht die Füße hochlegen. Ende August beginnt für ihn die Gemüseernte.
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