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Gudrun Hofmann und die Welt der Hexen, Untiere und Juffern

Von: rb
Letzte Aktualisierung:
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Gudrun Hofmann im Ortsgeschichtlichen Museum vor einem Modell eines römischen Gehöftes.

Kreis Düren. Hexen, Geister, verwandelte Tiere und verwunschene Waldwesen: Bei diesen Themen denken die meisten wahrscheinlich sofort an den Zauberschüler Harry Potter oder den letzten Hollywoodstreifen über Vampire und Werwölfe. Dass man gar nicht so weit reisen muss, um derartige Geschichten zu erleben, bewies der Geschichtsverein der Gemeinde Inden bei einer Lesung über Sagen und Erzählungen aus der Region mit Gudrun Hofmann.

Große und kleine Zuhörer der gut besuchten Veranstaltung erfuhren gespannt, welche magische Geschichten sich in alter Zeit, der Legende nach, in ihrer Heimat zugetragen haben sollen.

So trieben beispielsweise zwei verwunschene Jungfern, sogenannte „Juffern“, ihr Unwesen in den Wäldern rund um Inden. Sie erschreckten so manchen einsamen Wandersmann. Beide, sowohl die „weiße Juffer“ als auch die „schwarze“, waren der Sage nach dazu verdammt, ewig umherzuirren.

In Überlieferungen aus Koslar und Linnich wird von Juffern berichtet, die segnend und lächelnd über die Felder schwebten. Aber sie konnten auch kopflos sein. Dann hieß es, dass sie zu Lebzeiten ein Verbrechen begangen hätten, das nicht gesühnt worden sei – durch Enthauptung. Das konnte ein Kindsmord oder eine Selbsttötung sein. Die Übeltäterinnen stiegen nachts aus ihrem Grab und gingen als „lebender Leichnam“ an der Stätte ihres Verbrechens um.

Solche Wiedergängerinnen waren gefährlich. Menschen, die ihnen begegneten, sollten ein Gebet für ihr Seelenheil sprechen. Dann wurde die Sünderin erlöst und spukte nicht mehr herum.

Wer dieses Tabu brach, musste mit seinem Leben bezahlen. Oder die Juffer sprang ihm auf den Rücken und ließ sich tragen, bis sie schwerer und schwerer wurde, bevor sie in der Nacht verschwand. Über die wilden Juffern im Tal des Merzbachs wurde in Ederen berichtet, dass sie in einer breiten Bodensenke der Krane-Kamp hausten. Sie waren weiß gekleidet und trugen Sonnenschirmchen. Wer sich in den Krane-Kamp wagte, dessen Schicksal war besiegelt.

„Ich mag diese Geschichten so gerne, da sie immer aktuell bleiben“, verrät Gudrun Hofmann vor der Lesung in Lucherberg geheimnisvoll. „Wir haben uns als Kinder in unserer Fantasie ja auch vorstellen können, dass unter unserem Bett ein böses Krokodil lauert.“

Weiter erfuhren die gebannten Gäste, dass ein unheimliches Untier namens Stüpp zwischen Inden und Altdorf gelauert haben soll, das sich manchmal auf den Rücken eines ahnungslosen Wanderers geschwungen hatte, um sich von einem Ort zum anderen tragen zu lassen. Dabei wurde der „Stüpp“ mit jedem Schritt schwerer und schwerer, so dass der arme Wanderer oft nicht mehr die rettende Grenze des nächsten Ortes erreichte und unter der ungeheuren Last tot zusammenbrach.

„Obst, das auf den Boden gefallen ist, darf man auf keinen Fall aufheben und essen.“ Diese Warnung kannten gerade die älteren Gäste der Lesung noch von ihren Eltern. Aber wie kam es dazu? Den Sagen und Erzählungen zufolge haben böse Hexen in grauer Vorzeit vergiftetes Obst auf die Wege gestreut, damit es ungehorsame Kinder essen und Bauchschmerzen bekommen würden.

„Einmal hatte ein kleiner Junge, der nicht auf seine Eltern hören wollte, drei Pflaumen vom Wege aufgehoben und gegessen“, so erzählt Gudrun Hofman, die im bürgerlichen Leben als Lehrerin arbeitet. „Und es dauerte nicht lange, da wurde dem Jungen furchtbar übel, und er spuckte anstelle der Pflaumen drei Kröten wieder aus!“ So manch begeisterter Zuhörer wird vielleicht am Abend bei Einbruch der Dunkelheit etwas genauer hingesehen haben, wenn eine schwarze Katze ums Haus geschlichen ist.

Aber wiederkommen würden alle gerne, wenn man zur nächsten Lesung über Sagen und Erzählungen ins Ortsgeschichtliche Museum im alten Lucherberger Rathaus einlädt.

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