Inden - Glasmalerei: Biblisch-theologischer Blick aufs Zeitgeschehen

Glasmalerei: Biblisch-theologischer Blick aufs Zeitgeschehen

Von: Antonius Wolters
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Das Buntglasbild „Landschaft mit Braunkohlebagger“ ist im Seitenschiff von St. Barbara Schophoven in Höhe Orgelbühne zu sehen. Foto: Wolters
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In Inden/Altdorf trägt ein apokalyptischer Engel die Vorgängerkirche St. Clemens in Alt-Inden. Foto: Wolters

Inden. „Geschenk für meine geprüfte Heimat“, schrieb der aus Inden stammende Glasmaler Franz Paul Bonnekamp Anfang der 1980er Jahre zu dem Buntglasfenster an der Längsseite der Pfarrkirche St. Barbara Schophoven.

Es zeigt eine Landschaft mit dem klassischen Braunkohlebagger, wie er den Menschen im Braunkohlenrevier seit Beginn der 1950er und 1960er Jahre vertraut war.

Auch die damit eng verbundene Umsiedlung ist in der Darstellung enthalten, indem das vor dem Bagger wegziehende Volk in die Geborgenheit der Arche Noah flüchtet, Sinnbild für die neue, bleibende Heimat und das Gotteshaus in Schophoven, das zwar vom Tagebau geprüft wurde und wird, aber erhalten bleibt. Dass der Tagebau einmal so knapp am Ort „vorbei kratzt“, war den Betrachtern vor 35 Jahren sicher nicht bewusst.

In der Kanzel des Baggers ist der Maschinenführer zu sehen, den die Schophovener gleich personifizierten. Denn einer von ihnen, Hans Lörken, war zu dieser Zeit Baggerführer auf einem der neuen Großgeräte im Tagebau Hambach. Heute führt Sergej Amrain, der bei Victoria Pier-Schopphoven im Mittelfeld spielt, den Bagger 255 im Tagebau Inden.

Aufgeschrieben hat das Ortsvorsteher Matthias Hahn, der miterlebt hat, als unter dem damaligen Pfarrer Hans-Peter Menke der Auftrag an den Glaskünstler aus dem Nachbarort Inden vergeben wurde, der für die Schophovener Kirche weitere Fenster entwarf, die die Pfarrpatronin St. Barbara und St. Hubertus abbilden, Namenspatron der Schophovener Schützen.

Der 1925 in Inden als Sohn eines Kirchenmalers geborene Franz Paul Bonnekamp erlernte nach Abschluss der Volksschule von 1940 bis 1943 das Glasmalerhandwerk in der Werkstatt Dr. Oidtmann in Linnich, wo er auch nach dem Krieg noch tätig war, bevor er sich mit einer eigenen Werkstatt in Inden und später Frenz selbstständig machte.

Während seiner langen künstlerischen Tätigkeit hat der 2011 verstorbene Franz Paul Bonnekamp, der sich selbst als „Kulturwerker“ bezeichnete, in den Kirchen der Region zahlreiche Spuren hinterlassen. Seine Glasfenster schmücken Gotteshäuser in Aachen (St. Foilan, St. Nikolaus), Eschweiler, Aldenhoven, Übach-Boscheln, Lich-Steinstraß, Düren-Rölsdorf, die Gedächtniskapelle in Hürtgenwald-Kleinhau sowie in seiner direkten Heimat besagte Kirche in Schophoven sowie die Kirche St. Clemens und St. Pankratius in Inden/Altdorf.

Gemeinsames Charakteristikum seiner Werke ist die künstlerische Ausdeutung politischer oder gesellschaftlicher Vorgänge. So hat „Kulturwerker“ Bonnekamp Mitte der 1960er Jahre mit dem Nikolausfenster für die gleichnamige Aachener Citykirche das erste ökumenische Glasfenster entworfen. Dabei kam es ihm darauf an, den damals noch wenig geläufigen Begriff „Ökumene“ zu verdeutlichen. Damals brachte ihm die Idee Schmach und Schande ein, auch wenn dieses Urteil inzwischen längst revidiert worden ist.

In Inden/Altdorf sind in die Katholische Kirche auch Fenster eingebaut worden, die aus der dem Tagebau zum Opfer gefallenen Indener Kirche stammen. So halten bei drei Fenstern apokalyptische Engel jeweils die Kirchen St. Pankratius Altdorf, St. Clemens Inden und St. Remigius Geuenich in Händen, die alle dem Tagebau geopfert wurden. 1960 beschäftigte das Flüchtlingsproblem aus der DDR den Künstler, als er an den Fenstern für St. Nikolaus in Rölsdorf arbeitete und die Problematik in einem Fenster theologisch mutig interpretierte.

Bonnekamp bedient sich der Gestalt des Erzengels Raphael, dessen Name übersetzt heißt „Gott heilt“. Das Glasfenster zeigt den Erzengel, der eine flüchtende Familie, die den Stacheldraht des Eisernen Vorhangs überwunden hat, sicher geleitet. Zurück bleibt das Symbol mit Hammer, Zirkel und Ähren als Wappen der Unfreiheit. „Er versteht es, politische Ereignisse der Gegenwart umzusetzen und einer biblisch-theologischen Deutung zu unterziehen“, heißt es etwa im Dezember 1991 in der Würdigung Bonnekamps künstlerischen Schaffens in einem Artikel im Rheinischen Merkur.

Der „Kulturtwerker“ selbst, der seinen Lebensabend in Möhnesee verbrachte, fühlte sich und sein Gesamtwerk bis zuletzt verkannt und litt darunter. Vielleicht wird sein künstlerischer Impetus mit zeitlichem Abstand neu entdeckt.

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