Gibt es im Kreis Düren zu wenig Fachärzte?

Von: Sandra Kinkel
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Im Kreis Düren gibt es zehn Radiologen. Bei rund 260 000 Einwohnern führt das zu längeren Wartezeiten. Foto: Stock/blickwinkel

Kreis Düren. Einen Termin beim Orthopäden wegen ihrer Rückenschmerzen hat Helene Weber erst in sechs Wochen bekommen. „Für mich ist das ein Unding. So lange kann man doch nicht warten“, sagt unsere Leserin und schiebt gleich noch eine Frage hinterher: „Gibt es in Düren zu wenig Fachärzte, oder warum müssen wir Patienten so lange auf einen Termin warten?“

Wie viele (Fach-)Ärzte es in einer Stadt oder einem Kreis gibt, ist fest geregelt. Der „Gemeinsame Bundesausschuss“ mit Vertretern von Krankenkassen, Krankenhausärzten und niedergelassenen Medizinern entscheidet je nach Einwohnerzahl und Einwohnerdichte, wie viele Mediziner einer bestimmten Fachrichtung sich niederlassen können. Im Kreis Düren mit seinen rund 260 000 Einwohnern gibt es 171 Hausärzte, aber 13 Orthopäden und acht Hautärzte (siehe Grafik). Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es für rund 1500 Bürger einen Hausarzt, aber für 20 000 Menschen nur einen Orthopäden gibt. Dass dann dort die Wartezeiten länger sind, liegt auf der Hand.

„Es gibt Fachrichtungen“, sagt Dr. Wolfgang Deiters, Vorsitzender der Kreisstelle Düren der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, „da sind die Wartelisten voll. Sehr voll sogar. Dazu gehören sicherlich Dermatologen, Orthopäden und Psychiater. Trotzdem jammern wir hier in Düren auf sehr hohem Niveau. Und wir leben auch in einer gewissen Anspruchsmentalität. Kurz gesagt: Es gibt im Kreis Düren keine echte Untervorsorgung.“

Deiters nennt einige Probleme, warum es aus seiner Sicht zu Schwierigkeiten kommt. „Es gibt immer mehr Ärztinnen, auch in unserem Versorgungsgebiet. Und die möchten Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Work-Life-Balance nennt man das neu-deutsch.“

Die Konsequenz sei, dass viele junge Kolleginnen deutlich weniger arbeiten würden, als das früher von Hausärzten noch erwartet worden sei. „Ein weiteres Problem sind die so genannten ‚Igel‘-Leistungen. Viele Kollegen bieten diese individuellen Gesundheitsleistungen an, die die Patienten selbst bezahlen müssen. Das kostet viel Zeit, die für andere Sachen fehlt. Daraus entstehen Wartezeiten“, betont Deiters.

Er wisse auch, so der erfahrene Allgemeinmediziner weiter, dass ohne die „Igel“-Leistungen viele Praxen kaum überleben könnten. „Deswegen ist natürlich die Begehrlichkeit der Kollegen groß, diese Leistungen anzubieten. Das ist ein Teufelskreis.“

Keine zusätzlichen Kassensitze

Dr. Hans-Kaspar Tugendheim aus Merken sieht noch ein weiteres Problem: „Wir brauchen eine gute Hausarztversorgung. Die Patienten sollten zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Und der entscheidet, ob eine Facharztbehandlung wirklich erforderlich ist. Wenn ich für meine Patienten einen nötigen Facharzttermin mache, bekomme ich den in der Regel sehr schnell. Es gibt immer dann ein Schwierigkeiten, wenn die Leute direkt zum Facharzt gehen. Damit werden Termine blockiert, es entstehen sehr lange Wartezeiten.“ Rückenschmerzen, erklärt der Arzt, könnten durchaus zunächst auch vom Hausarzt behandelt werden. Beide Mediziner glauben nicht, dass in Zukunft zusätzliche Sitze für niedergelassene Vertragsärzte genehmigt werden. Deiters: „Daran sind die Krankenkassen überhaupt nicht interessiert. Zusätzliche Kassensitze kosten Geld. Wir haben im Kreis Düren seit Jahren keine zusätzlichen Sitze mehr bekommen.“

Bei den Krankenkassen ist das Problem bekannt. Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg: „Auch in der Region Düren wenden sich regelmäßig Kunden an uns, weil sie gerne einen zeitnäheren Facharzttermin hätten. Die Menschen empfinden die Wartezeiten zum Teil als zu lang.“ Seine Mitarbeiter, schildert Radtke würden dann versuchen, durch ihre Kontakte zu den Arztpraxen schnellere Termine zu vermitteln.

Ähnlich sieht das auch Jörg Spölgen, stellvertretender Leiter der Barmer GEK in Düren. „Bei gewissen Fachbereichen entstehen sehr lange Wartezeiten. Es kommt vor, dass Patienten drei bis vier Monate auf einen Termin für eine komplizierte Röntgenuntersuchung, zum Beispiel ein MRT warten. Das ist natürlich viel zu lang.“

Da es auch im Interesse der Kasse sei, sagt Spölgen weiter, dass die Patienten möglichst schnell wieder gesund würden, arbeite die Barmer GEK mit einem Medizindienstleister zusammen, der schnellere Termine für die Patienten suchen würde. Spölgen: „Das setzt allerdings voraus, dass unsere Kunden dazu bereit sind, zu einem anderen Arzt zu gehen, der unter Umständen in einer anderen Stadt ein bisschen weiter weg ist.“

Ärzteschaft überaltert

Für Deiters zeichnet sich in den kommenden Jahren noch ganz anderes Problem ab. „Die Ärzteschaft überaltert. Ein Drittel der Ärzte im Kreis Düren ist älter als 60 Jahre, nur sieben Mediziner sind unter 40. Da müssen wir gegensteuern, und zwar ganz massiv.“

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