Kreis Düren - Gewalt in der Pflege: Die Risiken, Opfer zu werden

Gewalt in der Pflege: Die Risiken, Opfer zu werden

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Sie informierten im Kreishaus über das Thema „Gewalt in der Pflege“ (v.l.): Dr. Thomas Görgen , Marita Dohr, Nicole Savelsberg, Gerda Graf, Elke Ricken-Melchert und Dr. Dieter Meier.

Kreis Düren. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. So heißt es jedenfalls. Doch das ist ein Wunsch, die Wirklichkeit sieht manchmal anders aus. In belastenden Situationen wie die der Pflege kommt es oft zu Gewalt. Diese muss nicht unbedingt körperlich ausgeübt werden. Geringschätzung durch Schweigen auszudrücken verletzt und schmerzt ebenfalls.

Nicht zuletzt weil der Pflegebedarf steigt, darf Gewalt in der Pflege nicht totgeschwiegen werden. Eine Arbeitsgruppe der kommunalen Gesundheitskonferenz des Kreises Düren beherzigt das. Sie ließ einem Aufklärungsfaltblatt eine Informationsveranstaltung folgen. Vor 80 Zuhörern, darunter vor allem junge Menschen, die in Pflegeberufen ausgebildet werden, sprach mit Professor Dr. Thomas Görgen von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster ein ausgewiesener Experte. In seinem Beitrag analysierte er die Sicherheitslage älterer und hochbetagter Menschen sowie die Gefährdungen, denen sie ausgesetzt sind.

Mit dem Grad der Verletzlichkeit steige das Risiko, zum Opfer zu werden. Verletzlichkeit entstehe durch Abhängigkeit, etwa finanzielle oder verwandtschaftliche. Natürlich könnten auch jüngere Menschen, die in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen sind, zu Opfern werden.

Anschließend informierte Dr. Dieter Meier, Direktor des Amtsgerichts Heinsberg und Betreuungsrichter a. D., über die Voraussetzungen für die Genehmigung, jemanden zu fixieren, also ihn seiner Bewegungsfreiheit zu berauben. Leider sei die juristische Betrachtung des Problems nicht einfach. Viele Situationen müssten im Einzelfall konkret beurteilt werden, erfuhren die Zuhörer. Es folgte eine lebhafte Diskussion, bei der der Fachmann viele Fragen beantwortete.

Auch er betonte die Notwendigkeit einer guten Kooperation der Organisationen, die im Pflegebereich arbeiten. Um das Wohl des Gepflegten zu wahren, müssten auffällige Befunde, etwa blaue Flecken, deren Entstehung nicht nachvollziehbar ist, unangemessene Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder ängstliche Reaktionen im Kontakt besprochen und dokumentiert werden.

Zur Abrundung stellten Marita Dohr und Gerda Graf Möglichkeiten vor, Gewalt in der Pflege zu vermeiden. Nachdem klar wurde, dass Gewalt meist kein Einzelereignis, sondern das – vorläufige - Ende einer Entwicklung ist, weitete sich der Blick. So könne es hilfreich sein, die Geschichte eines Menschen zu berücksichtigen, um ihn und sein Verhalten zu verstehen. Das könne helfen, die Entwicklung von Gewalt zu vermeiden. „Lernen Sie diese Verfahren kennen und in der Praxis anzuwenden“, lautete der Appell an die Zuhörer.

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