FZ Jülich erforscht optimale Rettung von Behinderten

Letzte Aktualisierung:
11802446.jpg
Die optimale Rettung von Behinderten aus Wohnheimen erforscht das FZ aus Jülich. Foto: Patrick Seeger

Kreis Düren/Jülich. Naturkatastrophen, Brände oder technische Störfälle können uns alle bedrohen. Manchmal ist es erforderlich, schnell zu reagieren und Gelände oder Gebäude zu evakuieren. Was passiert aber, wenn betroffene Menschen eine Gefahr nicht erkennen können oder bei der Flucht auf fremde Hilfe angewiesen sind?

Seit Anfang Februar beschäftigen sich im Projekt „Sicherheit für Menschen mit körperlicher, geistiger oder altersbedingter Beeinträchtigung“ („SiME“) die Werkstatt Lebenshilfe im Bergischen Land, das Forschungszentrum Jülich und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung als Koordinatorin mit diesen Fragen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ über eine Laufzeit von drei Jahren mit 1,12 Millionen Euro. Der Dürener CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, überreichte den Förderbescheid: „Der Schutz und die Rettung von Menschen ist eines der Schwerpunktthemen im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms des Bundesministeriums. Hier gilt es vor allem, Systeme zu erarbeiten, die die Evakuierung von mobilitäts- und sensorisch eingeschränkten Personen gewährleisten. Im Projekt soll mit Menschen mit Behinderung erarbeitet werden, wie optimale Flucht- und Evakuierungsmöglichkeiten aussehen“, sagte Rachel. Weitere Projektpartner sind das Forschungsinstitut „SO.CON“ an der Hochschule Niederrhein, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie die PTV Transport Consult GmbH.

Mit „SiME“ soll die Fähigkeit zur Selbstrettung von körperlich, geistig oder altersbedingt beeinträchtigten Personen ermittelt und verbessert werden. Dabei wird die effiziente Vorbereitung der Betroffenen auf kritische Situationen untersucht wie die Gestaltung der Flucht- und Rettungswege.

Mit Modellrechnungen sollen Evakuierungszeiten simuliert werden. Dazu sind konkrete Bewegungsparameter erforderlich, zum Beispiel Geschwindigkeiten oder Abstände der Personen untereinander. Derartige Daten liegen bislang nur für uneingeschränkt mobile Personengruppen vor. Das Forschungszentrum kann für Simulationen dieser Art Erfahrungen aus früheren Projekten zur Eigendynamik großer Menschenmengen wie in „Hermes“ und „BaSiGo“ einbringen.

In dem Teilprojekt „Parameterstudien für die Evakuierung heterogener Personengruppen“ wollen Stefan Holl und Dr. Maik Boltes vom Jülich Supercomputing Centre (JSC) die Ergebnisse von Personensimulationen der Realität weiter annähern. „Dazu führen wir Parameterstudien zum Evakuierungsprozess durch, an denen heterogen zusammengesetzte Gruppen aus mobilen, aber auch mobilitätseingeschränkten Personen teilnehmen“, erklärt Holl. „Weiter wollen wir erforschen, wie die Nutzung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Rollatoren das Bewegungsverhalten der Gruppen beeinflusst“, ergänzt Boltes.

Auf Basis dieser Bewegungsparameter können Simulationen für die Anwendung erstellt werden, beispielsweise für die Evakuierung von Wohnheimen oder Werkstätten. Außerdem sollen Betreiber sozialer Einrichtungen und Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden entwickelte Trainings- und Consultinglösungen nutzen können.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert