Freiheit der Gedanken im Fokus: Kurzfilm in der LVR-Klinik gedreht

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Dreh zum FIlm „Der Mandarinenbaum“ in der LVR-Klinik: Regisseur und Drehbuchautor Cengiz Akaygün (links) neben Billey Demirtas (als Vater Seyid), Beren Tuna (im Film seine Frau Beren) und der grandiosen Ecem Türkmen, die die Sirin spielt. Foto: Hax-Schoppenhorst

Kreis Düren. Während die momentan angespannte Situation zwischen der Türkei und Deutschland für Unruhe sorgt und zum Teil beängstigend laut ausgetragen wird, dreht in diesen Tagen ein Team unter Federführung der Kölner Firma „Lutzfilm“ in Haus 5 der LVR-Klinik in Düren einen eher leisen, nachdenklich stimmenden Kurzfilm mit dem Titel „Der Mandarinenbaum“.

Dennoch ist der Inhalt von größter Brisanz: Nach monatelanger Haft als politischer Gefangener darf Seyid, offensichtlich ein unliebsamer Staatsgegner, in einem türkischen Gefängnis zum ersten Mal Besuch von seiner Frau und seinem Kind empfangen. Doch das von seiner achtjährigen Tochter Sirin gemalte Bild eines Vogels wird vom Wärter als Symbol der Anarchie eingestuft und zerstört. Seyid ist aber der festen Überzeugung, dass die Freiheit der Gedanken unzerstörbar ist.

Die Tochter versteht dies und malt ihrem Vater beim zweiten Besuch ein Bild von dem Mandarinenbaum im Garten der Familie, welches nicht den Argwohn des Wachpersonals weckt. Damit aber überbringt die tapfere Sirin ihrem Vater eine symbolträchtige Botschaft, die er sofort versteht. Von nun an weiß er, dass sein Kind die notwendige Stärke besitzt, um gegen mögliche Unterdrückung zu bestehen. Das ist für ihn als Gefangener und Vater eine überlebensnotwendige Gewissheit, die Kraft verleiht und ihn nicht völlig verzweifeln lässt.

Der 15-minütige Kurzfilm wird aus der Perspektive des Mädchens erzählt, wobei die junge Ecem Türkmen ihre erste Filmrolle überhaupt brillant meistert und mit Beren Tuna (Mutter) sowie Billey Demirtas (Vater) eine Einheit bildet, die in ihrer Eindringlichkeit unter die Haut geht.

Kein gehobener Zeigefinger

Auf den gehobenen Zeigefinger und die plakative Unterscheidung zwischen Gut und Böse verzichten die Autoren. Zuschauer sind eingeladen, dem Gesehenen und Erlebten eine persönliche Wertung folgen zu lassen. Regisseur Cengiz Akaygün, der mit Regieassistent Duc-Thi Bui das Drehbuch schrieb, setzt diesen Anspruch, unterstützt von Kameramann Nils A. Witt, in beeindruckender Weise durch.

Es sind die Bilder, die anrührenden und phasenweise sprachlos machenden Dialoge, die zu großer atmosphärischer Dichte beitragen. So sind Minenspiel und Tonfall des Kontrolleurs, gespielt von Ferhat Keskin, der verächtlich das Bild des Vogels zerstört und Sirin in abstoßender Weise verspottet, wahrlich schwer zu ertragen.

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